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    06.12.2007

    Hungerstreik für das Leben* des São Francisco Flusses abgebrochen

    Faltblatt der Kampagne gegen die Flussumleitung

    Faltblatt der Kampagne gegen die Flussumleitung

    Bischof Dom Luiz Cappio, der kürzlich zum zweiten Mal gegen die Umleitung des zweitgrößten Flusses des Landes, des Rio São Franciscos gefastet hatte, hat seinen Hungerstreik abgebrochen. Cappio wollte einen Stopp der im Juni begonnenen Baumaßnahmen erreichen. Am 10.12.07 hatten der Bischof und Betroffene kurz aufgeatmet, als das Verwaltungsgericht Bahia einen Baustopp verhängte. Ein Entscheid des Obersten Gerichtshofes am 19. Dezember hob diesen Baustopp jetzt auf und erklärte die Beschwerden der Kritiker für nichtig.

    HINTERGRUND: Dom Luiz Cappio und allen Betroffenen zufolge ist das 2,4 Mrd-Bauvorhaben eine gigantische Fehlplanung. Nach einer geschätzten Bauzeit von mindestens 10 Jahren soll es offiziellen Verlautbarungen zufolge 12 Millionen Menschen an die Trinkwasserversorgung anschließen. Faktisch sind 96 Prozent des Wassers für die industrielle Bewässerung von Obstplantagen, die Anlage von Shrimpsfarmen und zur Wasserversorgung der Küstenstadt Fortaleza vorgesehen.

     

    Allerdings ist der São Francisco durch Umweltverschmutzung, Abholzung und Staudämme bereits derart degradiert, dass die Ableitung seines Wassers in zwei Kanäle nicht realistisch ist. Der Wasserstand erreicht gerade einen historischen Tiefstand und unlängst wurde das Fischen, wegen des hohen Schwermetallgehalts des Fangs, verboten. Doch selbst wenn diese Umleitung tatsächlich funktionieren würde, bleibt das Problem der nicht vorhandenen und nicht einkalkulierten Wasseranschlüsse für die ländliche Bevölkerung. Stattdessen geht das abgeleitete Wasser in die Exportlandwirtschaft und entzieht Menschen ohne Trinkwasserversorgung noch die letzten Wasservorräte, die ihnen überhaupt zugänglich sind.

     

    KritikerInnen des Projekts haben inzwischen folgende Sachverhalte detailliert nachgewiesen:

    • Die Umleitung ist keine Lösung für die Problematik der Trockenheit. Denn selbst wenn der Fluss genügend Wasser hätte, wäre der Preis des aufwändig umgeleiteten Wassers für die lokale Bevölkerung viel zu hoch.
    • Im Gegenteil ist das Projekt ökologisch und sozial höchst bedenklich und verletzt Landrechte der indigenen Bevölkerung ebenso wie anderer Teile der ländlichen Bevölkerung, die hier in Subsistenz lebt.
    • Die Umleitungsbefürworter ignorieren die dringend notwendigen Maßnahmen zur Revitalisierung des Flusses: Quellschutz, Abholzungsmoratorium, Wiederaufforstung, Kontrolle der Einleitungen
    • Es gibt seit Jahrzehnten einfachere, billigere und vor allem nachhaltige Lösungsansätze für das Leben mit der Trockenheit, die gegenüber dem Megaprojekt Umleitung das Nachsehen haben.
    • Selbst die Weltbank und Gutachten anderer Institutionen sprechen von einem kommerziellen Projekt, das sich nicht für die Armutsbekämpfung eignet, aber mit öffentlichen Geldern realisiert wird.
    • Es gibt ein zuständiges Komitee für das Wassereinzugsgebiet sowie ein breites Bündnis sozialer Bewegungen aus der ländlichen Bevölkerung, die im Entscheidungsprozess für das Bauvorhaben nicht gehört wurden.

    Die ASW unterstützt die Protestbewegung für ein angepasstes Leben mit der Trockenheit und gegen das Umleitungsvorhaben. Weitere Informationen bei: Tina.Kleiber@aswnet.de 

     

    *Die Kampagne hat bewußt das Wort "Leben" gewählt: Land, Wasser und Mensch werden als zusammengehörig gesehen.

    06.12.2007

     

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