14.01.2014

Adivasi in Indien: Umweltministerium untersagt Bauxitabbau

Der britische Bergbaukonzern Vedanta darf vorerst kein Bauxit am Berg Niyamgiri im indischen Odisha (Orissa) abbauen. Dies beschloss das Ministerium für Umwelt und Wälder (MoEF) am 8. Januar. Dabei berief sich das Ministerium auf seine Konsultation mit 12 lokalen Dorfgremien (Palli Sabhas) der am Berg ansässigen Bewohner. Diese erteilten den Plänen Vedantas für den Bauxitabbau eine Abfuhr.

Am Niyamgiri leben hauptsächlich Adivasi-Gemeinschaften, wie die Dongria Kondh, die sich seit Jahren gegen die Zerstörung ihrer Lebensumgebung wehren. Dabei werden sie auch von der ASW-Partnerorganisation FARR (Friends Association for Rural Reconstruction) unterstützt: FARR ist in 28 Dörfern der Gegend aktiv und steht den Dongria Kondh seit fast 10 Jahren in ihrem Kampf um Selbstbestimmung bei.

Die Dongria Kondh sind eine der knapp 500 verschiedenen indigenen Bevölkerungsgruppen Indiens (Adivasi). Seit Jahrhunderten schon leben sie in einem Waldgebiet rund um die Niyamgiri Hills des ostindischen Bundesstaates Odisha.

Der Bergbaukonzern Vedanta betreibt am Fuße des Niyamgiri eine Aluminiumraffinerie. Giftiger Rotschlamm, der Rückstand dieses Prozesses, verseucht das Grundwasser und macht Felder unbebaubar. In der trockenen Jahreszeit entsteht aus dem Schlamm giftiger Staub. Hunderte Familien wurden bereits vertrieben und umgesiedelt. Um den begehrten Rohstoff direkt vor Ort abzubauen, plant das Unternehmen seit Jahren den Bau einer Bauxit-Mine auf dem Gipfel des Berges, der den Dongria Kondh als heilig gilt.

Bereits im August 2010 kam es zu einem vorläufigen Stopp des Tagebau-Projekts, nachdem das indische Umweltministerium einen Verstoß gegen das gesetzlich geregelte Mitspracherecht der Gemeinschaften festgestellt hatte. Nachdem Vedanta in Berufung gegangen war, bestätigte der Oberste Gerichtshof am 18. April 2013 in einer Grundsatzentscheidung, dass die Adivasi-Gemeinden zu konsultieren seien.

Das Urteil löste nun eine politische Auseinandersetzung zwischen der indischen Bundesregierung und der Landesregierung von Odisha aus. Diese wirft der Zentralregierung und dem Umweltministerium vor, die „Entwicklung“ der Region zu blockieren. Die Landesregierung, die über die staatliche Odisha Mining Company (OMC) an Vedantas Bauxit-Projekt beteiligt ist, will gegen den Beschluss des Ministeriums Widerspruch einlegen und notfalls bis vor dem Obersten Gerichtshof ziehen. Offenbar hofft sie auch darauf, dass sich bei den indischen Parlamentswahlen in diesem Jahr der Wind noch drehen könnte.

Quelle: Times of India u. Business Standard


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