02.11.2015

Indien: Deutsche Firma in Polavaram-Staudammprojekt eingestiegen

Nach jahrzehntelangen Verzögerungen scheint das umstrittene Polavaram-Staudammprojekt in Südindien jetzt doch realisiert zu werden. Ende Oktober wurde mit dem Bau der Staumauer begonnen. Mit im Boot ist seit September das deutsche Spezialtiefbau-Unternehmen Bauer aus Schrobenhausen.

Seit der Baufreigabe des Großprojekts 2004 kam es immer wieder zu Baustopps. Das Projekt umfasst den Damm, eine Wasserpumpstation und zwei 100 km lange Kanäle zur Umleitung des Wassers. Nur diese wurden bislang in Teilen fertiggestellt. Nichteingehaltene Umweltauflagen, Widerstand aus der Bevölkerung und die schwierige Finanzierung waren die Gründe, warum der Bau immer wieder unterbrochen werden musste.

Der Staudamm, der der Energiegewinnung dienen soll, bedroht 276 Dörfer mit insgesamt 177.275 Menschen. Andere Zahlen gehen von 400.000 Betroffenen aus. Die meisten von ihnen sind Dalits und Adivasi. 63691 Hektar Land, das Lebensraum und Lebensgrundlage für viele Menschen, Tiere und Pflanzen ist, würden durch die Aufstauung des Godavari-Flusses geflutet.

Noch nicht abgeschlossene öffentliche Anhörungen zum Projekt in den Bundesstaaten Odisha und Chhattisgarh werden von der Zentralregierung in Delhi und der des Bundestaates Andhra Pradesh ignoriert. Am 20.10.15 begann der Bau der Staumauer. Ingenieure, Verantwortliche und mehrere Regierungsbeamte bestätigen, dass der Staudamm 2018 fertiggestellt werden soll.

Am 11.10.15 entschied das Kabinett in Delhi das Projekt von den jetzigen Bauauflagen zu befreien, welche unter anderem den Bau des Dammes verboten. Von verschieden Seiten wurde der Vorwurf geäußert, die Regierung missachte Normen und verbreite falsche Fakten. Trotzdem beteiligt sich die deutsche Bauer GmbH in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem indischen Partner Larsen & Toubro am Bau der Staumauer. Im November will Bauer mit dem Bau der Schlitzwand beginnen und diese im Jahr 2017 fertig gestellt haben. Das Auftragsvolumen beträgt 60 Millionen Euro. In einer Pressemitteilung vom 28.09.15 wirbt Bauer damit, die Wasser- und Stromversorgung der Region zu unterstützen.

Viele der von der Zwangsumsiedlung betroffenen Menschen wurden kaum entschädigt und ihr Recht auf Mitbestimmung wurde ignoriert. Dorfbewohner, die bereits vor 9 Jahren umgesiedelt wurden, haben bis heute nicht das ihnen zustehende Ackerland erhalten.

Seit Jahren berichtet die ASW nun schon über das Großprojekt und die dramatischen Folgen und unterstützt in Indien das Netzwerk ADRF, das sich gegen den Bau und für die Betroffenen einsetzt.  

Quellen u.a.: The Hindu ; fmd-online.de ; downtoearth.com


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Das vom Polavaram-Projekt betroffene Gebiet erstreckt sich über drei Bundesstaaten