17.01.2008
Aktuell siehe Polavaram 2009
Zur Bestürzung der Regierung des Bundesstaates Andhra Pradesh hat die Einspruchstelle der Obersten Umweltbehörde kürzlich die Umweltverträglichkeits-Freigabe für das milliardenschwere Indira Sagar Staudammprojekt widerrufen. Der Indira Sagar Damm firmierte bislang eher unter dem Namen Polavaram Bewässerungsprojekt.
Die Anordnung der Behörde vom 19. Dezember 2007 ist historisch zu nennen. Denn zum ersten Mal läßt sie die übliche Praxis nicht durchgehen, dass sich Träger eines Projektes über das gesetzlich geregelte Verfahren der Umweltfolgenabschätzung (environmental impact assessment - eia) und der Information der Bevölkerung hinwegsetzen. “Es ist offensichtlich, dass in den betroffenen Gebieten Orissas und Chhattisgarhs keine öffentliche Anhörung stattgefunden hat. Weder hatten die betroffenen Personen Zugang zum Planentwurf, weil der nicht korrekt öffentlich ausgelegt war. Noch hatten sie irgendeine Gelegenheit, bei einem öffentlichen Erörterungstermin ihre Einschätzung der Auswirkungen des Projektes auf die Umwelt der Region zum Ausdruck zu bringen”, so das Richtergremium der Behörde, das die Umweltfreigabe einkassierte.
Die Bauarbeiten zu dem Mehrzweck-Projekt (Bewässerung und Stromgewinnung) hatten 2005 begonnen, nachdem das Ministerium für Umwelt und Forsten in Delhi eine Umweltfreigabe erteilt hatte. Gegen diese hatte im Januar 2006 R. Sreedhar von der “Akademie für die Umwelt der Bergregionen”, New Delhi, Einspruch eingelegt mit der Begründung, dass die Umweltfolgenabschätzung für das betroffene Gebiet nicht adäquat durchgeführt worden sei. Dem Projekt, an dem die Bundesstaaten Andhra Pradesh, Orissa and Chhattisgarh beteiligt sind, werden 3,000 Familien aus Orissa und Chhattisgarh weichen müssen*.
“Die gesetzlichen Regeln zur Umweltfolgenabschätzung fordern eine Anhörung aller betroffener Menschen, aber die Regierung Andhra Pradesh ignorierte diese einfach” beklagt auch Ritwick Dutta, Anwalt von R. Sreedhar.
Ravi Rebbaparagada von “Samata”- eine NGO mit Sitz in Vishakapatnam, Andhra Pradesh, die schon seit einiger Zeit gegen das Projekt kämpft - freut sich zwar über das Urteil der Umweltbehörde. Rebbaparagada weiß aber auch zu berichten, dass die Regierung Andhra Pradesh bereits Dorfbewohner aus Distrikten in der West- und Ost-Godavari-Region vertrieben hat.
Die Regierung von Andhra Pradesh will nun beim Obersten Gericht Indiens eine Revision der Anordnung der Umweltbehörde erwirken.
Übersetzt aus: ‘Down to Earth’ (Indisches Umweltmagazin), 15. Januar 2008
Down to Earth hat erfreulicherweise seinen Bericht mit einem ASW-Foto illustriert, das ASW-Mitarbeiter während einer Spenderreise nach Südindien im Nov/Dez 2007 ins Netz gestellt hatten. Daher die Bildunterschrift ‘Indienreise07'
“*In Andhra Pradesh werden je nach Schätzung zwischen 200 und 350 Dörfer
dem Projekt weichen müssen. Die ASW und ihre indische Partnerorganisation Centre for World Solidarity (CWS) unterstützen über ein Netzwerk den Widerstand der betroffenen Dorfbewohner.
17.01.2008