27.11.2017

Ein Kopfgeld auf PEGIDA - wie pfiffige Dresdner die Rechten austricksen

PEGIDA bringt zwar längst nicht mehr 20.000 Menschen auf die Straße, wie zu ihren besten Zeiten. Aber durch den Schulterschluss mit der AFD ist sie weiterhin eine nicht zu ignorierende Kraft. Was also können weltoffene Menschen tun?

Zum Beispiel können sie dafür sorgen, dass die rechten Demonstranten gegen sich selbst auf die Straße gehen und eine Art unfreiwilligen Spendenlauf absolvieren. „Rechts gegen Rechts“ heißt demnach auch eine Initiative, die erstmals am 15. November 2014 in Wunsiedel im Ruhrgebiet Spenden gegen Neonazis sammelte. „Für jeden gelaufenen Meter gingen 10 € an EXIT-Deutschland – das Aussteigerprogramm für Neonazis.“ 

Angelehnt an diese Idee startete im November 2016 der Dresdner Ingenieur Martin Barth die Aktion „Prokopfgeldspende“ gegen die wöchentlichen „Spaziergänge“ von PEGIDA zugunsten der Initiative Mission Lifeline. Diese sammelte zu diesem Zeitpunkt noch Geld für ein Rettungsschiff und operiert inzwischen auf dem Mittelmeer um Flüchtlinge aus ihren seeuntauglichen Booten zu retten. Im Unterschied zu „Rechts gegen Rechts“ wird bei Prokopfgeldspende die Teilnehmerzahl als Grundlage für die Spendenhöhe genutzt. Die Zahlen dafür liefert die Leipziger Forschergruppe „Durchgezählt“.

Schnell fand der Initiator Unterstützung durch die Ingenieurin Dörte Drechsler, die bereits im Dresdner Verein Atticus e.V. aktiv ist. Sie hat sich u.a. um Aufbau und Gestaltung der Website gekümmert. „Dresden soll wieder für Weltoffenheit, Toleranz und Gastfreundschaft stehen“, wünschen sich beide. Seit April dieses Jahres gehört auch die in Bautzen lebende Annalena Schmidt zum Team. Denn sie organisierte sehr erfolgreich in Bautzen eine Prokopfgeld-Spendenaktion gegen eine Neonazi-Demonstration am 1. Mai und kümmert sich seit dem um die Präsenz auf Twitter.

Die Aktion wurde im weiteren Verlauf ausdrücklich auch zugunsten weiterer Initiativen für Flüchtende und Geflüchtete ausgedehnt um den Spendern eine große Auswahl zu lassen. Jede und jeder – egal ob aus Dresden oder nicht – kann dabei mitwirken, so gut sie oder er kann: „Wenn keine Zeit ist, sich selbst für Flüchtlinge zu engagieren, dann wird eben für Organisationen gespendet, die das tun. Es geht darum, eine maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand zu erreichen.“

Und weil nach dem Prinzip des Kopfgeldes gegen Rechts gespendet wird, wirken letztlich die Rechten – also PEGIDA selbst – an dieser Umgestaltung Dresdens zu einem menschlicheren Ort mit. Denn je mehr von ihnen auf die Straße gehen, desto mehr wird gespendet. So die Idee.

„Damit die Botschaft bei den Rechten ankommt, ist es wichtig, dass wir Gegner uns selbst auf einen bestimmten Betrag pro PEGIDA-Teilnehmer verpflichten“, sagt Martin Barth. „Wie hoch der jeweilige Betrag pro Kopf ist, entscheidet jeder Spender selbst nach eigenem Ermessen. Das können 5 Cent, das kann ein halber Cent sein. Bei einem Cent pro Kopf erlaufen 3.000 PEGIDA-„Spaziergänger“ eine Spende von 30 €. Je mehr PEGIDA mobilisieren kann, desto höher wird der Betrag. Das sollen die Rechten erfahren.“

Die Spendeneinnahmen kommen Initiativen zugute, die PEGIDA nicht zu ihren Freunden zählt: Initiativen für „Integration, für Inklusion, für Flüchtlingshilfe, für politische und interkulturelle Bildung, für alle neu angekommene und bereits in Dresden lebende Bedürftige", so die Homepage von Prokopfgeldspende.

Die Summe aller bisherigen Prokopfgeldspenden beläuft sich zurzeit auf knapp 17.200 Euro. Allein anlässlich des PEGIDA-Geburtstages Ende Oktober wurden über 3.000 Euro gespendet. Davon erhielt auch die ASW eine Prokopfgeldspende in Höhe von 100 Euro (3,5Ct x 2800 Patrioten), „weil sie mit der Förderung einer ökologischen Landwirtschaft in Afrika für die Menschen vor Ort eine bessere Zukunft schafft“, so Martin Barth.

 

Mehr Infos zur Aktion gibt es unter den folgenden Links:

www.prokopfgeldspende.de
https://twitter.com/PKGSpende
https://twitter.com/hashtag/prokopfgeldspende
www.facebook.com/prokopfgeldspende/
www.sz-online.de/nachrichten/pegidisten-spazieren-fuer-spenden-3556582.html
www.neues-deutschland.de/artikel/1033772.pegida-spendet-unfreiwillig-fuer-gefluechtete.html
https://facebook.com/martin.bartholomaus/posts/1046094675517738


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Ein Cent, zwei Cent, fünf oder 10? Wie hoch die Spende pro PEGIDA-Spaziergänger ist, entscheidet jeder Spender nach eigenem Ermessen