16.01.2015

Gentechnik macht BäuerInnen nicht froh

Brasilien erwartet eine Rekordhoch bei der Sojaernte. Dank der grünen Gentechnik? 93,2 Prozent der brasilianischen Sojapflanzen sind bereits gentechnisch verändert, beim Mais sind es 82,6 Prozent, Tendenz steigend. Doch weltweit wächst bei Bauern die Ablehnung von transgenem Saatgut. Denn Resistenzen, Monsterunkräuter und hoch verschuldete KleinbäuerInnen sind die Schattenseiten von 20 Jahren grüner Gentechnik. Mit neuen transgenen Ackerpflanzen wollte die Gentechnikindustrie die Landwirtschaft revolutionieren. Der Ansatz: Ackerpflanzen sind immun gegen Herbizide, die dann ungehindert in großen Mengen auf das Unkraut gespritzt werden können. Eine weitere Möglichkeit bieten sogenannte BT-Pflanzen. Diese sind mit dem Bakterium Bacilus thuringiensis versehen, das die Pflanze anregt, selbst Insektengifte zu produzieren. Dadurch sollen weniger Insektizide verbraucht werden.

Seit Mitte der 90er ist genverändertes Saatgut auf dem Markt, das wohl bekannteste ist die Sojapflanze Roundup-ready mit dem dazugehörigen Spritzmittel Roundup, beides von dem Marktriesen Monsanto hergestellt. Die Bilanz ist erschreckend. Durch die Aussaat von genmanipuliertem Saatgut und dem dazugehörigen Herbizid entwickeln Unkräuter zunehmend Resistenzen. In den USA, dem Land mit den meisten Genanbauflächen weltweit, verbreitet sich das Fuchsschwanzgewächs über Soja- und Maisfelder. Diese Pflanze ist inzwischen gegen Glyphosat, dem am häufigsten verwendeten Herbizid, immun und lässt sich selbst mit Traktoren nur noch schwer zerstören. Die Folge: Landwirte müssen vermehrt Arbeitskraft und Zeit in die Vernichtung von Unkraut investieren, Ernten fallen weniger ertragreich aus und mehr Herbizide müssen gespritzt werden, um den Befall einzudämmen.

Die Ausgaben für die Bekämpfung von Unkraut sind zwischen 2006 und 2010 um 475 Prozent gestiegen, Experten des US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium erwarten einen Rückgang der Erträge bei Soja um 78, bei Mais sogar um 91 Prozent. Resistenzen entstehen auch ohne die Verwendung von Genmais und sind eine natürliche Reaktion auf Pestizide. Werden aber bei Monokulturen viel und vor allem immer dieselben Herbizide verwendet, haben Unkräuter bessere Chancen, sich an das Gift anzupassen. Durch die Errungenschaften der Gentechnik wurden viele Landwirte animiert, immer mehr Agrochemikalien der gleichen Sorte auf den Feldern zu verteilen, statt sich mit natürlichen Mitteln gegen Resistenzen zu schützen. Die Firma Monsanto, die alleine 27 Prozent am Weltmarkt der Gentechnik hält, empfiehlt, einfach mehr Pestizide zu verwenden. Dabei wird neuerdings auch auf alte und umweltschädlichere Mittel zurückgegriffen, da die meisten Unkräuter inzwischen Resistenzen gegen das Mittel Glyphosat entwickelt haben. Die Folgen für Menschen und Umwelt sind noch nicht hinreichend erforscht, doch Berichten des BUND zufolge kommt es in Nähe von Feldern, die mit Pestiziden besprüht werden, gerade im globalen Süden vermehrt zu Krebserkrankungen, Missbildungen und Gendefekten. Auch bei BT-Pflanzen sieht es nicht gut aus: Sie sollen eigentlich von alleine Gift produzieren, das ihre natürlichen Fressfeinde abtötet. Doch auch dagegen hat beispielsweise der Maiswurzelbohrer überraschend schnell Resistenzen gebildet. Zudem sterben durch BT-Pflanzen auch die natürlichen Fressfeinde der Schädlinge, es entsteht ein ökologisches Ungleichgewicht. Die grüne Gentechnik hat versagt. Statt des versprochenen Rückgangs von Pestizideinsatz ist dieser gestiegen. Unkraut und Insekten bilden wesentlich schneller Resistenzen gegen Pestizide und statt der versprochenen höheren Erträge müssen die Landwirte nun sogar mehr Geld und Arbeitszeit in die Bewirtschaftung ihrer Felder investieren.
Siehe auch: Wem nützt die Gentechnik auf dem Acker?

Siehe auch: Bundesregierung will Weltagrarbericht nicht unterzeichnen


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