17.12.2015

#HappyToBleed – Indische Frauen wehren sich gegen Diskriminierung

Die Forderung eines Tempelwächters in Kerala nach einem Körperscanner für Frauen löste landesweite Proteste aus. Der Scanner solle erkennen, ob eine Frau gerade ihre Menstruation hat, da diese dann als unrein gelten würde. In diesem Fall wäre es ihr nicht gestattet, den Tempel zu betreten.

Auch heute noch ist der Glaube an die Unreinheit der Frau während ihrer Periode in Indien weit verbreitet. So ist es der Frau in einigen Kasten beispielsweise nicht erlaubt, während ihrer Periode die Küche zu betreten, Idole zu berühren oder einen Tempel zu besuchen.

Das Thema Menstruation ist in Indien ein Tabuthema. Viele Mädchen und junge Frauen werden nicht aufgeklärt und wissen nicht, was mit ihnen geschieht. Daraus folgt, dass schätzungsweise 23 Prozent der Mädchen die Schule verlassen, nachdem ihre Periode eingesetzt hat. Zudem wird befürchtet, dass ca. 88 Prozent der Frauen keinen Zugang zu Binden haben und daher gezwungen sind, alte Stoffe, sandgefüllte Taschen oder Stroh zu benutzen.

Die Studentin Nikita Azad schrieb als Protest gegen diese Forderung einen offenen Brief an den Tempelwächter des berühmten Sabrimala-Tempels. Dieser  Brief wurde in dem in Indien weitbekannten Jugend-Onlineportal „Youth ki Awaaz“ („Stimme der Jugend“) veröffentlicht und hat sich rasant in den Sozialen Medien verbreitete, wo er große Unterstützung fand und zur #HappyToBleed Bewegung führte.

Diese fordert junge Frauen auf, sich mit einem Schild #HappyToBleed zu fotografieren und das Bild auf Facebook zu stellen. Auch viele junge Männer schlossen sich diesem Protest an und fotografierten sich aus Solidarität mit den Frauen mit Schildern wie „We are happy that women bleed. That's why we exist.“ Die Sozialen Netzwerke gewinnen in den Studentenprotesten immer mehr an Bedeutung. Allerdings wird Nikita Azad durch diese von hindunationalistischen Gruppen auch massiv beleidigt und bedroht.

Die Organisatoren betonen jedoch, dass sich diese Kampagne nicht gegen eine Religion oder religiöse Praxis richtet, sondern gegen das generelle Tabu, Menstruation als natürlich anzuerkennen und über sie aufzuklären. Zudem wird an die Nationale Kommission für Frauen appelliert, sich gegen Diskriminierung zu stellen, egal ob im religiösen Kontext oder auf nationaler Ebene.

Quellen:
http://www.bbc.com/news/world-asia-india-34900825 http://www.youthkiawaaz.com/2015/11/sabrimala-temple-open-letter-statement/


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