13.08.2015

Indien vertagt Gespräche mit EU über Handelsabkommen

Am 28. August sollten die Verhandlungen zwischen der EU und Indien um ein bilaterales Freihandelsabkommen weitergeführt werden, die zuletzt 2013 wegen Uneinigkeiten über Einfuhrbestimmungen ins Stocken geraten waren. Nun hat Indien die Verhandlungen aber doch noch vertagt und reagierte damit auf ein im Juli erlassenes Verkaufsverbot von pharmazeutischen Produkten in der EU.

Die Unterredungen werden insbesondere von indischen Geflügel- und Milchproduzenten beargwöhnt, da ein Abkommen lokale Produkte durch bezuschusste EU-Importe zu verdrängen droht. In einem solchen Fall würde insbesondere Kleinbäuerinnen, die den Großteil der indischen Milch produzieren, die Lebensgrundlage entzogen.

Unter anderem durch die entwicklungspolitische Unterstützung der EU seit den 1970er Jahren, ist Indien heute das größte Milchproduktionsland der Welt (FAO, 2013). Der Hauptanteil der Milchprodukte wird indes im Inland konsumiert, sodass Indiens Milchausfuhr gering ist. Über 80 Prozent der Weltexporte kommen aus der EU, USA, Neuseeland und Australien. Diese Akteure hoffen seit längerem auch den stetig wachsenden indischen Markt für ihre Produktionsüberschüsse erschließen zu können. 

Die indische Aktivistin Smitu Kothari wirft der europäischen Investitionspolitik vor, Ungleichheit und Umweltschäden in Indien zu fördern um Gewinne einzufahren. Damit würde die heutige EU-Handelspolitik den entwicklungspolitisch motivierten Aufbau eines indischen Milchsektors in den 70er Jahren konterkarieren.

Treffend formuliert der indische Freihandelskritiker D. Sharma die größte Furcht der indischen Bauern: „Für eine Agrarwirtschaft heißt Nahrungsmittel importieren Arbeitslosigkeit importieren.“ Viele zivilgesellschaftliche Akteure unterstützen deshalb die Forderung, dass landwirtschaftliche Produkte aus dem Regelungswerk der Freihandelsabkommen entfernt werden. In Unterredungen hatten die indischen Vorgängerregierungen auf den Ausschluss von Agrarprodukten aus Handelsabkommen bestanden, so auch 2008 gegenüber den ASEAN Staaten.

Quellen:

www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/freihandelsabkommen-indien-setzt-verhandlungen-mit-eu-aus-a-1047089.html

www.bilaterals.org/IMG/pdf/fightingFTA-en-Hi-2-e-free-trade-killing-farmers-india.pdf

www.gmwatch.org/news/latest-news/16008-1000s-of-farmers-demonstrate-in-delhi-against-gm-crops-anti-farmer-policies

www.thehindu.com/opinion/editorial/go-forward-on-indiaeu-talks/article7224441.ece


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Der indische Milchsektor: kleinbäuerlich und feminin