Genau wie auf internationaler Ebene sollte es auch innerhalb Indiens unterschiedliche Verantwortlichkeiten für den Klimaschutz geben. Die oberen und mittleren Klassen würden dann ihre Emissionen auch deshalb reduzieren, damit arme Bevölkerungsgruppen die Chance zu nachholender Entwicklung erhalten.
Zu einer solchen Debatte wollen die Autoren einer Greenpeace-Studie Entscheidungsträger in Indien anregen. Ihre Untersuchung zeigt, wie unterschiedlich die verschiedenen Sektoren der indischen Gesellschaft das Klima belasten.
Der Kohlenstoff-Fußabdruck einer nur ein Prozent der Bevölkerung ausmachenden wohlhabenden Klasse wird versteckt von 823 Millionen sehr armen Indern, die das Klima kaum belasten und die unfairerweise am meisten unter den Folgen von Klimaveränderung leiden. Ihr geringer CO2-Ausstoß hält die durchschnittlichen pro Kopf Emissionen in Indien unter dem Level von 2 Tonnen pro Jahr.
Die Studie geht von einem akzeptablen Limit von 2,5 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf und Jahr aus. Bei diesem Durchschnittsausstoß weltweit ließe sich die Erderwärmung auf zwei Celsiusgrade limitieren.
Die rund 10 Millionen Inder, die über ein Monatseinkommen von 30.000 RS (520€) und mehr verfügen, stoßen pro Kopf etwas weniger als 5 Tonnen pro Jahr aus und erreichen damit ungefähr den weltweiten Pro-Kopf-Emissionsdurchschnitt von 5 Tonnen. Alle Inder zusammen haben einen pro Kopf-Ausstoß von etwas weniger als 2 Tonnen pro Kopf und Jahr.
Insgesamt liegen rund 150 Millionen Inder - und zwar alle, die in die Einkommensgruppen ab 8.000 RS (140 €) monatlich fallen - über dem noch akzeptablen Emissionsniveau von 2,5 Tonnen. Die anderen 980 Millionen – Menschen mit einem Familieneinkommen von weniger als 8.000 RS (140€) im Monat – liegen darunter. 823 Millionen von ihnen (alle mit weniger als 5000 RS Familieneinkommen (90 €) ) gelten im indischen Kontext als arm.
Um Gerechtigkeit für diese Armen geht es den Autoren der Studie. Die indische Regierung sollte die Entwicklung des Landes De-Carbonisieren, d.h. künftig mehr auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz setzen als weiterhin auf Kohlekraft. Dadurch würde sie für die Entwicklung bisher armer Bevölkerungsgruppen einen „carbon space“ schaffen, einen CO2-Verschmutzungsspielraum.
23.11.2007