28.11.2017

Die internationalen Kapitalströme und Afrikas Armut

Selten wurde die wahre Ursache der vermeintlichen Armut Afrikas in einem „Leitmedium“ so klar und deutlich ausgesprochen wie am 24.11.17  in der französischen Tageszeitung „Le Monde“:  Was Afrika am dringlichsten braucht, ist ein weniger zynisches Finanzsystem.

Mehrere internationale Studien haben belegt, dass in jedem Jahr weitaus mehr Geld aus Afrika abfließt, als dass Geld in Form von Entwicklungshilfe oder internationalen Investitionen nach Afrika gelangt. Die Hauptursachen für diesen „Money Drain“ sind: Verschleierte Profite multinationaler Firmen; illegale Geldströme durch Korruption, Drogen- und Waffenschmuggel; illegale Fischerei- und Holzexporte; Handel mit geschützten Tieren und Pflanzen; Schulden- und Zinstilgungen, die die geliehenen Summen bei weitem übertreffen; und nicht zuletzt Kosten, die durch den Klimawandel und die Anpassung an dessen Folgen generiert werden. Dazu kommt die mehr oder weniger legale Kapitalflucht der Eliten.

Dies alles wäre nicht ohne das gegenwärtige Finanzsystem möglich. Nicht ohne den durch IWF und Weltbank repräsentierten legalen Teil. Und nicht ohne den durch die zahlreichen Steueroasen repräsentierten unethischen oder illegalen Teil.

Naturgemäß sind illegale Finanzströme schwer zu beziffern. Laut einer aktuellen Studie der Organisation Global Justice hat Afrika 2016 insgesamt 161,1 Mrd. US$ an „Hilfe“ erhalten; gleichzeitig sind aber 203 Mrd US$ aus Afrika abgeflossen. Laut Global Integrity (das eine andere Methodologie anwendet) sind 2012 etwa 1.300 Mrd US$ nach Afrika geflossen, aber 3.300 Mrd US$ abgeflossen. Und laut der United Nations Economic Commission for Africa verliert Afrika jedes Jahr mindestens 50 Mrd. US$ durch illegale Finanzströme.

Die Zahlen und die Methoden mögen variieren, die Grundaussage ist die gleiche. Afrika wird nicht geholfen, sondern Afrika wird mehr denn je geplündert. Solange dem kein Ende gesetzt wird, müssen sowohl die staatliche „Entwicklungshilfe“ als auch die vermeintlich Wohlstand schaffenden Investitionen multinationaler Konzerne als das betrachtet werden, was sie sind: eine zynische Täuschung der Bevölkerung, die jedes Jahr zahllose Menschenleben fordert.

Von Christophe Mailliet

Alle vom Autor erwähnten Studien und Artikel sind außerdem auf Anfrage bei redaktion(at)aswnet.de erhältlich.


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Straßenszene in einer Kleinstadt Burkina Fasos