20.11.2014

Indien leugnet Zusammenhang zwischen Kastensystem und Frauendiskriminierung

Indien verhinderte kürzlich bei einer UN-Konferenz einen Text, der Kastenzugehörigkeit und Frauendiskriminierung in einen Zusammenhang bringt. Statt „Kaste“ ist es nun die „soziale Herkunft“, die die Minister der Asiatisch-Pazifischen UN-Konferenz zu Geschlechtergerechtigkeit und Frauenempowerment in ihrer Deklaration als verstärkenden Faktor für Geschlechterdiskriminierung benennen.

Ursprünglich hatte es in dem Entwurf der Ministererklärung geheißen, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts sei oft mit anderen Diskriminierungen etwa aufgrund des Alters, der Religion, der ethnischen Herkunft oder der Kastenzugehörigkeit verknüpft. Doch dann setzte sich die indische Delegation überraschend für einen Austausch des Worts „Kaste“ durch „soziale Herkunft“ ein. Da ein Protests von Seiten anderer Konferenzteilnehmer ausblieb, wurde die Änderung übernommen.

Anders als die Regierungssprecher meldeten sich die anwesenden NGOs jedoch umgehend zu Wort. In den Augen der AktivistInnen ist der Ausdruck „soziale Herkunft“ nicht identisch mit „Kaste“. Die Ersetzung des Wortes käme der bewussten Leugnung von Kastenzugehörigkeit als Ursache für Diskriminierung gleich. Die Diskriminierung aufgrund von Kastenzugehörigkeiten ist nicht nur eine der am längsten existierenden Ursachen für Diskriminierung, sondern ist, trotz eines Verbots in der indischen Verfassung, auch heute noch bittere Realität für die Angehörigen unterer Kasten und Dalits (Kastenlose).

Das Verhalten Indiens im Hinblick auf die Anerkennung des Kastensystems als Ursache für Diskriminierung ist jedoch kein Einzelfall. Bereits 2001 auf der UN-Weltkonferenz in Durban weigerte sich Indien die Diskriminierung auf Grund von Kastenzugehörigkeit als Form des Rassismus anzuerkennen. Zu dem aktuellen Vorfall wollte die Regierung bisher keine Stellung beziehen.

Quelle: The Hindu 19/11/14


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