09.06.2016

Klimasmarte Landwirtschaft – die große Mogelpackung

Wassereffizienter Mais für Afrika – das ist ein Vorzeigeprojekt des weltweit führenden Saatgutherstellers Monsanto. Neue dürreresistente Maissorten des Agrarkonzerns sollen, so der Anspruch, afrikanischen Kleinbauern bei der Anpassung an den Klimawandel helfen. Doch das Projekt hat Haken: Erstens sind die Sorten entweder gentechnisch verändert oder Hybride und können von den Bauern nicht nachgezüchtet werden. Zweitens geht durch ihren Anbau Sortenvielfalt verloren und dürreresistente alte Pflanzensorten der Bauern werden verdrängt. Weder in sozialer (Verschuldung von Bauern) noch ökologischer Hinsicht (Verlust von Arten und Bedrohung von Biodiversität durch Transgene) ist somit der neue Mais ein Gewinn.

Dennoch wird er von einem neuen Bündnis von Agrarkonzernen als eine der Maßnahmen gehandelt, die die Landwirtschaft „klimasmarter“ machen soll. Die GACSA – Global Alliance for Climate-Smart Agriculture - wurde 2014 gegründet. Ihr gehören mit Vertretern der führenden Agro-Chemie-Saatgutkonzerne genau jene Akteure an, die z.B. mit ihrer Düngersparte und der Vermarktung ihrer Produkte stark zum Klimawandel beitragen. Genaue Kriterien, welche Techniken und Maßnahmen unter klimasmart firmieren sollen, hat das Bündnis auch zwei Jahre nach seiner Gründung nicht vorgelegt. Zudem agiert es völlig losgelöst von bestehenden internationalen und UN-Institutionen im Bereich Welternährung und Klimaschutz.

Unstrittig ist, dass die Landwirtschaft weltweit „klimasmarter“ werden muss. Bemühungen in diese Richtung müssen aber eingebettet sein in eine Strategie für eine ökologisch und sozial nachhaltige Neuausrichtung von Ernährungssystemen. Statt einer weiteren agroindustriellen Intensivierung mit etwas mehr Ressourceneffizienz müssen die Durchsetzung des Rechts auf Nahrung, agrarökologische Prinzipien und Ernährungssouveränität zu Leitlinien für eine neue Landwirtschafts- und Handelspolitik werden. Die ASW hat sich im Verbund mit anderen entwicklungspolitischen-, Umwelt- Landwirtschaftsorganisationen kürzlich mit diesen Forderungen an die Politik gewandt und damit gegen die Mogelpackung „Klimasmarte Landwirtschaft“ Stellung bezogen. Laden Sie hier das ganze Papier als PDF herunter. 


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Besonders klimasmart: Vom senegalesischen Bauernnetzwerk ASPSP an lokale Bodenbedingungen angepasste alte Reissorte