06.01.2015

Weggesperrt und missbraucht –psychisch kranke Frauen in Indien

Frauen und Mädchen mit psychischen Krankheiten oder Behinderungen vegetieren in Indien unter menschenunwürdigen Bedingungen. Dies brachte eine Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kürzlich zutage. Meist werden sie in völlig überbelegte und katastrophal ausgestattete staatliche oder private Einrichtungen gesperrt, dort gegen ihren Willen medikamentiert und in vielen Fällen sexuell missbraucht.

Weil die Regierung bei Beratung und Betreuung von psychisch kranken Menschen versage – auf 1 Mio Menschen kommen in Indien nur drei Psychiater und 0.47 Psychologen, ganze 0,06 Prozent des Gesundheitsetats werden für psychische Gesundheit aufgewendet – würden Frauen und Mädchen oft von den eigenen Familienmitgliedern in solche Einrichtungen gebracht, so die Menschenrechtsorganisation.
In einem berichteten Fall wollte sich der Ehemann seiner Frau entledigen und eine Scheidung aufgrund einer vermeintlichen psychischen Erkrankung erzwingen. Die Frau wurde von einem staatlichen Gesundheitsdienst zuhause abgeholt und mit Gewalt sediert. „Ich wurde behandelt wie ein Stück Gemüse“, berichtet diese in einem Interview.
Mit 200 Personen – Opfern, Familienmitgliedern, Psychologen, Polizisten und Regierungsvertretern – hat HRW für den Bericht gesprochen, 24 Einrichtungen in Indien wurden angeschaut. Überall war die Situation katastrophal und überall waren verbale und körperliche sexuelle Attacken an der Tagesordnung. „Schlechter behandelt als Tiere“ lautet denn auch der Titel der HRW-Studie, die im Dezember 2014 veröffentlicht wurde und die wir dringend zur Lektüre empfehlen (in Englisch).

www.hrw.org (zum pdf)


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