11.07.2011

Rollenbilder und Frauenförderung – ASW-Public Viewing Lounges am 9. und 10. Juli

Awa Fall Diop am 9.Juli auf dem Frauen-am-Ball-Podium

Awa Fall Diop am 9.Juli auf dem Podium der ASW-Public-Viewing-Lounge

Wenn Fußballerinnen, wie jüngst geschehen, sich für das Männermagazin Playboy ausziehen: ist das ein Akt der Selbstbestimmung von Frauen über ihren Körper oder eine Unterwerfung unter männliche Sichtweisen? Von dieser Frage ausgehend entwickelte sich am 9. Juli bei der ASW Fußball-Lounge auf dem Cassiopeia-Gelände in Berlin eine überaus spannende Diskussion. Neben ASW-Partnerin Awa Fall Diop aus dem Senegal bezogen Sibylle Schreiber von terre des femmes, die Medienwissenschaftlerin Kathrin Friederike Müller und die Bloggerin Helga Hansen von maedchenmannschaft.net Stellung.

„Für mich ist das eine Katastrophe, wenn Frauen sich zum Objekt machen. Denn ein Objekt hat keine Rechte - daher die häufigen Menschenrechtsverletzungen an Frauen“ - stellte Sibylle Schreiber ihre Sicht der Dinge klar.

„Als Darstellung der Frau für den männlichen Blick“ empfand auch Kathrin Friederike Müller den Versuch von fünf Bundesliga-Spielerinnen, das Fußballerinnnen-Image des Mannweibs loszuwerden. Immerhin aber habe eine Normalisierung von Frauenfußball stattgefunden und Fußballerinnen, die der männlichen Vorstellung von weiblich entsprächen, würden als Sportlerinnen akzeptiert. Auch Awa Fall Diop sah in der Playboy-Inszenierung keinen Befreiungsakt von Frauen: „Die deutschen Fußballerinnen treten gesellschaftskonform auf und bestätigen die Binarität der Geschlechter.“

Diese Geschlechterpolarität und zugehörige Rollenerwartungen zu überwinden, ist der Kern der Arbeit der Frauenorganisation ORGENS, die Awa Fall Diop koordiniert. Diop stellte ihre Arbeit im anschließenden Teil der Veranstaltung vor. „Wir setzen dort an, wo Rollenbilder entstehen: In der Schulbildung und Erziehung.“ Dazu hat ORGENS Comics und eigene Unterrichtsmaterialien erarbeitet, in denen Männer Perückenmacher sind und Frauen Automechaniker. „Wenn die Jungen nach der Arbeit mit diesen Schulbüchern sagen: ich will später einmal Krankenpfleger werden und die Mädchen Elektrotechnikerinnen, dann haben wir viel erreicht auf dem Weg zu einer gerechteren Gesellschaft“, so Diop.

Frauen-Empowerment an der Basis

Bei der Veranstaltung am 10. Juli präsentierte die indische ASW-Partnerin Devi Kalyani vom Centre for World Solidarity ihre Arbeit zu Frauen-Empowerment im ländlich geprägten Bundesstaat Orissa. „Dass Frauen sich zusammenschließen ist der erste Schritt. Was sie dann mit ihrer Arbeit erreichen, hat oft Vorbildcharakter für andere. Es werden immer mehr, die sich wehren wollen,“ beschrieb Kalyani ihre Erfahrung. Und sie nannte ein Beispiel: In einem Dorf wurde einem Mädchen aus der benachteiligten Gemeinschaft der Kastenlosen der Zugang zur Schule verwehrt. Darauf ging eine Selbsthilfegruppen von Frauen zum Direktor der Schule und beschwerte sich. Weil die Frauen über ein indisches Gesetz informiert waren, das allen Kindern den Zugang zu Schulen garantiert (Right to Education Act von 2009), konnten sie Druck ausüben und hatten dabei auch den Schulbeauftragten des Distrikts auf ihrer Seite. Das kastenlose Mädchen konnte darauf zur Schule gehen und die Frauen hatten gelernt, dass Widerstand sich lohnt.

„Wenn Druck von unten, durch die Frauen der Gemeinschaften, kombiniert werden kann mit dem Bezug auf bestehende Gesetze, dann gelangen die Frauen schneller zum Ziel." Daher habe die Bewußtseinsbildungsarbeit an der Basis bei den vom CWS unterstützten Frauenorganisationen auch einen so hohen Stellenwert, so Devi Kalyani.

Auf dem Podium diskutierten außer Devi Kalyani die Frauenforscherin und Gutachterin für Entwicklungzusammenarbeit Claudia von Braunmühl, Lucia Muriel von der Initiative Selbstständiger Immigrantinnen ISI e.V. und Antje Ripking von der Gründerinnenzentrale Berlin.

Die nächsten Public Viewing Lounges mit Diskussion:
16. Juli: Frauen machen Politik
17. Juli: Frauenförderung vs. Frauenrechte

 

zurück