Der indische Staat reagiert nicht erfreut, wenn er an seine Versäumnisse bei der Abschaffung der manuellen Latrinenreinigung erinnert wird. Das erlebten ASW-Vertreter, die am 14. April in einer Gemeinschaftsaktion mit der Plattform ‘Dalit Solidarität in Deutschland’ und einem Vertreter eines indischen Dalitnetzwerks, Dr. Umakant, vor der indischen Botschaft in Berlin-Tiergarten demonstrierten. Der Botschafter hatte als Reaktion auf die in vielen europäischen Hauptstädten angekündigten Protestaktionen vor indischen Botschaften den Dr. Ambedkar-Tag* kurz entschlossen zum arbeitsfreien Tag ausgerufen.
Überraschend erschien dann aber doch ein Vertreter der indischen Botschaft, um die Resolution der Protestierenden am Eingang in Empfang zu nehmen.
In Indien gibt es rund 1,3 Mio kastenlose Latrinenreiniger. Sie sind von Geburt an dazu verdammt, in Handarbeit die Latrinen (Toiletten ohne Wasserspülung) höherkastiger Menschen zu reinigen und Fäkalien von öffentlichen Plätzen zu beseitigen. Offiziell hat der indische Staat diesen menschenunwürdigen Beruf 1993 per Gesetz abgeschafft. Aber lokale Behörden ignorieren gesetzliche Bestimmungen und die Regierung in Delhi hat bislang wenig getan, den Druck zur Umsetzung der Regelung zu erhöhen.
Genau das fordert aber nun die internationale Dalitbewegung sowie ein neu gegründetes Netzwerk von Latrinenreinigern in Indien. Bis 2009 – so die Zeitvorgabe - soll die manuelle Latrinenreinigung in Indien definitiv abgeschafft sein.
* Dr. B.R.Ambedkar, ein Dalit, war der erste Justizminister des unabhängigen Indien und gilt als Vater der indischen Verfassung. Seinen Geburtstag am 14. April nimmt die internationale Dalitbewegung zum Anlass, um auf die immer noch skandalöse Situation der indischen Kastenlosen aufmerksam zu machen.
ASW 15.04.2008