30.04.2015

Simbabwes StraßenhändlerInnen lassen sich nicht entmutigen

Simbawes StraßenhändlerInnen, die an ihren Ständen Kleidung, Eier und verschiedene Lebensmittel verkaufen, sind zurzeit starken Repressionen ausgesetzt. Am 7. April 2015 forderte Harares Stadtverwaltung alle HändlerInnen, die außerhalb von 13 ausgewiesenen Standorten tätig sind, in diese erlaubten Standorte umzuziehen oder ihre Stände zu schließen. Andernfalls würden die verbleibenden "Tuck Shops" abgerissen. Die Stadt setzt damit Maßnahmen um, die die Regierung schon seit Oktober angekündigt hat.

Für die Tuck Shop-Betreiber ist das nicht hinnehmbar. Denn die Stadt hat ihnen viel zu wenig Platz zugewiesen. Laut Schätzungen gibt es mehr als 50.000 StraßenhändlerInnen im zentralen Geschäftsgebiet von Harare, während die offiziellen Standorte nur 6.000 Tuck Shops aufnehmen können.

Für viele SimbabwerInnen ist heutzutage das Betreiben eines Tuck Shops die einzige Möglichkeit, ihr Einkommen zu sichern. Aktuell wird die Arbeitslosigkeit in Simbabwe auf 80 Prozent geschätzt. Für Frauen ist der Druck auf die Tuck Shops besonders gravierend, weil sie zu großen Teilen auf den informellen Sektor angewiesen sind. Viele Männer versuchen ihr Glück im Ausland und schicken gelegentlich Geld an ihre Familien, aber der Alltag wird von den zurückgebliebenen Frauen bewältigt. Wenn sie jetzt mit ihren Geschäften noch in die Illegalität gedrängt werden, spitzt sich die Situation zu. Denn Frauen haben aufgrund geringerer Bildung meist weniger Optionen im formellen Sektor als die Männer.

Die ASW unterstützt ein Projekt der simbabwischen Nichtregierungsorganisation Women’s Self-Promotion Movement (WSPM), bei dem Straßenhandel zur Stärkung der Frauen und der Gemeinschaft beiträgt: „Projektteilnehmerinnen in Mabvuku-Tafara haben sich an den Verkauf von selbstgenähter Kleidung und Eier gewagt und mit den Einnahmen einen Tuck Shop eröffnet. So bekämpfen sie Armut und schaffen eine nachhaltige Beschäftigung für die Mitglieder der Gemeinschaft. Entscheidungen werden diskutiert und gemeinsam getroffen“, berichtet Aziza Abemba, die für das Projekt verantwortlich ist.

Die Mitglieder der Straßenhändler-Gewerkschaft National Vendors’ Union of Zimbabwe haben sich geweigert, ihre Tuck Shops zu verlassen. Wenn die Regierung sie verjagen will, muss sie ihnen eine Alternative anbieten, so die Gewerkschafter. Die Schaffung von formeller Beschäftigung wäre ein Anfangspunkt.

Es bleibt abzuwarten, wie viele Tuck Shops in nächster Zeit tatsächlich abgerissen werden. Vielleicht entscheidet sich Simbabwes Regierung auch, einige illegale Tuck Shops hinzunehmen. Das wäre für sie jedenfalls einfacher, als mehr Beschäftigung im formalen Sektor zu schaffen. 


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