02.11.2015

Brasilien: Geld für Spiele statt für Stärkung der Indigenenrechte

Die ersten Internationalen Spiele Indigener Völker - Jogos Mundiais dos Povos Indígenas – gingen am 1. November 2015 feierlich im brasilianischen Palmas, Hauptstadt des Bundesstaates Tocantins, zu Ende. Insgesamt nahmen etwa 2000 AthletInnen aus verschiedenen Ländern daran teil. Aus Brasilien waren 24 der insgesamt 305 bekannten Ethnien vertreten. Die Veranstalter wurden mit mehr Besuchern überrascht, als erwartet. Auch der Bürgermeister von Palmas zeigte sich zufrieden mit dem Erfolg der Spiele.

Mehr Geld für Spiele als für Indigenenbehörde 

Es bleibt jedoch die Frage, welchen Nutzen die Indigenen von diesem Schaulauf hatten. Bereits im Vorfeld der Spiele kam es zu Boykottaufrufen von Indigenen. Sie beklagten, dass der Etat für Planung und Ausrichtung der Spiele zehn Mal höher sei, als das Geld, das der Behörde für indigene Belange FUNAI 2014 zur Verfügung stand. Dabei warten viele indigene Gruppen seit Jahrzehnten auf die Demarkierung ihres überlebenswichtigen Landes. Die Situation der Guarani-Kaiowá in Mato Grosso do Sul hat sich in den letzten Jahren sogar verschlechtert. Viele von ihnen leben in Zeltlagern am Rande von Bundesstraßen oder in Slums am Rand der Städte. Aber auch indigene Gemeinschaften, die in demarkiertem Land leben, werden immer wieder Opfer von gewaltsamen Übergriffen und Drohungen durch Unternehmen. Die Gesundheitsversorgung in den Schutzgebieten ist mangelhaft und die Kindersterblichkeit liegt immer noch weit über dem brasilianischen Durchschnitt.

Zeitgleich mit den Spielen wurde in Brasilia ein Vorschlag eines Parlamentsausschusses zu einer Verfassungsänderung einstimmig angenommen. Diese Änderung hätte zur Folge, dass die weitere Demarkation von indigenem Land unwahrscheinlicher würde. Darüber hinaus könnten bereits demarkierte Gebiete im „Interesse der Nation“ für Infrastrukturprojekte bebaut werden. Das ist eine gefährliche Entwicklung im Kampf um Land und könnte dafür sorgen, dass bereits errungene Siege zunichte gemacht würden. Nachdem sich die Nachricht der Verabschiedung in Palmas bekannt wurde, kam es zu Protesten und etliche Sportlerinnen boykottierten weitere Wettkämpfe.

Imagepflege großer Unternehmen

Was von den Spielen bleiben wird, ist die Steigerung der Bekanntheit des Ausrichtungsortes Palmas, sind Einnahmen durch Tourismus und mögliche Investitionen aus der Wirtschaft. Zu den Förderpartnern des Events zählen der Energiekonzern Energisa und der brasilianische Global Player Odebrecht, der nicht nur im Diamantbergbau und der Ölförderung tätig ist, sondern maßgeblich am Bau von Staudämmen und Wasserwerken beteiligt ist.

Ganz im Zeichen von „panes et circenses - Brot und Zirkusspiele“ - von Staat und Wirtschaft als Wohltat dargestellt, könnte dieses Event ein weiterer Stolperstein auf dem Weg indigener Menschen zu Anerkennung, Landrechten und Souveränität sein.


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Keine Folklore, sondern handfester Protest der indigenen Munduruku gegen den Staudamm Belo Monte. Foto: Letícia Leite/ ISA