08.01.2018

VW kollaborierte jahrelang mit der Militärdiktatur in Brasilien

Der deutsche Autobauer VW prüft derzeit die Zahlung von Entschädigung an ehemalige Arbeiter seiner brasilianischen Niederlassungen. Damit will er einer  Anklageerhebung seitens der brasilianischen Staatsanwaltschaft zuvorkommen, die 2015 mit Ermittlungen gegen VW do Brasil wegen der Beteiligung an Diktaturverbrechen begonnen hatte.

In der Zeit der Brasilianischen Militärdiktatur, die von 1964 bis 1985 währte, hat der Autobauer in Brasilien gute Gewinne gemacht und von der Ausschaltung des gewerkschaftlichen Widerstandes profitiert. Dokumente aus den Archiven der brasilianischen politischen Polizei belegen, dass er auch aktiv an Menschenrechtsverbrechen beteiligt war.

VW do Brasil hat z.B. vertrauliche Informationen über Gewerkschaftsmitglieder gesammelt und an die politische Polizei weitergegeben. „Der Werkschutz von VW hat agiert, als wäre er ein verlängerter Arm der brasilianischen politischen Polizei innerhalb des VW-Werkes“, erklärt Guaracy Mingardi, Gutachter der Bundesstaatsanwaltschaft. Auf Grundlage der Informationen des Werkschutzes wurden viele VW-Arbeiter verhaftet und später gefoltert. Mingardi kommt sogar zu dem Schluss, dass VW systematisch das Folterzentrum OBAN unterstützt hat.

 

Bereits im Abschlussbericht der 2011 von Dilma Rousseff eingesetzten nationalen Wahrheitskommission war VW do Brasil als Mittäter bei Diktaturverbrechen genannt worden. Ein Bündnis aus betroffenen ehemaligen VW-Arbeitern, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen hatte daraufhin Belastungsmaterial zusammengestellt und 2015 eine Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht.

Die Staatsanwaltschaft begann im gleichen Jahr mit Ermittlungen. Der Hauptbelastungszeuge heißt Lúcio Bellentani. Er arbeitete zwischen 1964 und 1972 bei Volkswagen und wurde wegen seiner politischen Aktivitäten von den Militärs verhaftet. Noch Innerhalb des Werks wurde er geschlagen und dann ins Folterzentrum DOPS gebracht. Dort war er 6 Monate lang schwerster Folter ausgesetzt. Danach blieb er noch ein Jahr inhaftiert.

Was Lúcio Bellentani, der kürzlich durch Deutschland tourte, und die anderen Arbeiter mit ihrer Anzeige erreichen wollen, ist vor allem die Anerkennung der Wahrheit und die Übernahme der Verantwortung durch VW. Es ist zu hoffen, dass durch die Bereitschaft des Konzerns zur Zahlung von Entschädigungen auch in Deutschland die öffentliche Aufmerksamkeit für die erfolgten Menschenrechtsverletzungen wächst. 


zurück

Der ehemalige VW-Arbeiter und Gewerkschafter Lúcio Bellentani. Foto: Verena Glass