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    11.08.2004

    Brasilianische VW-Werkstatt warb mit geschlagener Frau

    ...und wurde dafür verurteilt

    11.08.2004

    „Man sieht, sie hat’s nötig“ stand unter dem Foto eines grün und blau geschlagenen Frauengesichtes, mit dem eine VW-Autowerkstatt in Natal für Autoreparaturen warb.

     

    Die geschmacklose und Gewalt gegen Frauen verharmlosende Werbeanzeige veranlasste Frauen- und Menschenrechtsorganisationen des Bundesstaates zu einer Klage gegen die Werkstatt Via Costeira und die verantwortliche Werbeagentur Lúminavor dem Ministério Público.

     

    Das Ministério Público funktioniert als vorgerichtliche Instanz und kann auch entsprechende Sanktionen formulieren. Der Staatsanwalt Eduardo Cavalcanti gab der Beschwerde der NROs statt und „verurteilte“ die Autowerkstatt dazu, die Kosten für eine Veranstaltung zum Thema „Gewalt an Frauen“ zu tragen. Die Werbeagentur muss die Kosten für die Gestaltung der entsprechenden Plakate und Flyer übernehmen.

     

    Eine solche zügige „Verurteilung“ ist ausgesprochen ungewöhnlich und die Entrüstung der Menschenrechts-NROs kann durchaus nicht als Selbstverständlichkeit in der öffentlichen Meinung gelten. Dies zeigt zum Beispiel die verbale Hetze gegen die Organisation Tecido Social, die nach der Klage gestartet wurde. Als „Gesinnungspolizei“ diffamierte ein Journalist der Zeitung, die die frauenfeindliche Anzeige veröffentlicht hatte, diejenigen Organisationen, die dafür sorgten, dass Via Costeira die Anzeige zurückziehen musste.

     

    Gewalt an Frauen, insbesondere Gewalt, die im familiären Umfeld stattfindet, ist in Brasilien weit verbreitet und führt in den seltensten Fällen zu Sanktionen gegenüber den Tätern.

    Machismus und überkommene Machtstrukturen führen nach wie vor zu diesen Gewalttätigkeiten. Die Zahl der Übergriffe ist in Brasilien enorm hoch. Und nicht selten endet diese Gewalt an Frauen tödlich.

    Auf Druck der Frauenbewegung gibt es zwar inzwischen eigene Frauenkommissariate und einige wenige Frauenhäuser. Jedoch nur im städtischen Bereich und meist mit mangelhaft geschultem Personal sowie schlechter Ausstattung. Und noch können sie nicht verhindern, dass Gewalt gegen Frauen - selbst Mord - straflos bleibt.

     

     

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