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NEWSLETTER MÄRZ 2008

INHALT

1 EDITORIAL

2 REISEBERICHT SENEGAL: GEMEINSCHAFTLICHES ÜBERLEBEN AUF TROCKENEM LAND

3 BRASILIEN: PROJEKTPARTNER DER ASW ENTFÜHRT - OFFIZIELLE ANERKENNUNG DES AMAZONAS-SCHUTZGEBIETES MEDIO XINGU STEHT NOCH AUS

4 TAXI SISTERS: FÖRDERUNG DER ERSTEN TAXIFAHRERINNEN-KOOPERATIVE IM SENEGAL

5 FILM ZUM THEMA WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG: ERFOLGREICHE RUNDREISE – AUSLEIHE DES FILMS WEITERHIN MÖGLICH

6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: INDISCHE GEMEINDEARBEITER FORDERN IHRE RECHTE EIN

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1 EDITORIAL

Zwei Reisen standen für die ASW am Anfang dieses Jahres: mit dem preisgekrönten Dokumentarfilm "Maimouna - la vie devant moi" reisten zwei Aktivistinnen aus Burkina Faso durch Deutschland und berichteten über die Aufklärungsarbeit gegen weibliche Genitalverstümmelung. Und Afrikareferent Michael Franke besuchte gemeinsam mit Isabel Armbrust, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, die Projekte der ASW im Senegal. Über beide Reisen finden Sie ausführlichere Informationen in diesem Newsletter.
Besonders hinweisen möchten wir auf unseren aktuellen Spendenaufruf: das Leben der kastenlosen Gemeindearbeiter in Indien ist auch heute noch von völliger Rechtlosigkeit und Hunger geprägt. Allein im Bundesstaat Tamil Nadu leben 200.000 Menschen in dieser Situation. Das indische "Institut zur Selbstentwicklung" klärt die Kastenlosen über ihre Rechte und Möglichkeiten sie einzufordern auf - mit Erfolg.

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2 REISEBERICHT SENEGAL: GEMEINSCHAFTLICHES ÜBERLEBEN AUF TROCKENEM LAND

Im Februar 2008 besuchten Afrikareferent Michael Franke und die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Isabel Armbrust, verschiedene Partner der ASW im Senegal. Sehr eindrücklich war der dreitägige Aufenthalt im Dorf Kuki in der äußerst trockenen Region Diourbel. Dort unterstützt die Partnerorganisation AJEF (Association Jeunesse Education Formation) KleinbäuerInnen dabei, kreative Überlebenstrategien zu entwickeln.
"Heute funktioniert die Landwirtschaft hier nur noch, wenn wir Ackerbau mit Viehhaltung kombinieren", sagt eine ältere Bäuerin aus dem Komitee in Kuki, das sich zu einem Austausch mit uns auf dem Dorfplatz eingefunden hat. "Und dabei müssen wir alle an einem Strang ziehen. Auch die Männer brauchen wir."
In den Dörfern, in denen AJEF aktiv ist, sind die Frauen heute in der Mehrzahl. Viele Männer sind weggegangen, um Arbeit zu finden. Geblieben sind ältere Männer und Männer aus Familien, die traditionell Viehzüchter waren.

Vor zehn Jahren haben die Frauen in Kuki begonnen, sich zu organisieren. Heute hat das Komitee 51 Mitglieder - fast jede zweite Frau des Dorfes hat sich angeschlossen. Seitdem die Gruppe mit AJEF zusammenarbeitet, wird sie mit Weiterbildungen unterstützt. Jüngst sind auch zehn Männer dazugekommen. "Nun müssen wir darauf achten, dass die Männer nicht die Entscheidungen an sich reißen", sagt eine Frau. "Andererseits profitieren wir von ihnen beim Verkauf der Tiere auf dem Markt. Denn das können die Männer besser".

Beim Gang durch einzelne Gehöfte lassen wir uns den Vorteil der Viehhaltung erklären. Die Tiere, die wir in ihren Unterständen hinter den Wohnhütten sehen, sind sichtlich runder als jene, die auf den abgeernteten Feldern rund um die Dörfer ihre Nahrung suchen. "Die freilaufenden Tiere sind sozusagen unser Sparkapital", erläutert ein Bauer. "Wenn wir Geld brauchen, holen wir einzelne Tiere aus der Herde und mästen sie, weil wir nur so auf dem Markt einen anständigen Preis erzielen".
Durch den Verkauf dieser Masttiere haben die Bauern auch dann Einnahmen, wenn die Hirsevorräte zur Neige gehen. Der Viehdung erhöht zudem die Bodenfruchtbarkeit oder kann als Brennmaterial genutzt werden.

"Es ist besser geworden, es gibt wieder eine Perspektive", berichtet uns am Schluss unseres Besuches ein Mann, der nach längerer Zeit ins Dorf zurückgekommen ist. Auch das gewachsene Selbstbewusstsein der Frauen sieht er positiv. Allerdings kann er sich nicht verkneifen hinzuzufügen: "Wenn wir Männer nicht hinter den Frauen stünden, wäre das hier gar nicht möglich".

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3 BRASILIEN: PROJEKTPARTNER DER ASW ENTFÜHRT - OFFIZIELLE ANERKENNUNG DES AMAZONAS-SCHUTZGEBIETES MEDIO XINGU STEHT NOCH AUS

Herculano Costa Silva, langjähriger Aktivist verschiedener ASW-Partnerorganisationen in Amazonien, wurde am 17. Februar vor seinem Haus von drei Männern entführt und misshandelt. Er wurde nur unter der Bedingung freigelassen, das Gebiet nie wieder zu betreten. Costa Silva setzt sich seit Jahren für die Anerkennung der Region Médio Xingu als Schutzgebiet (RESEX) ein. Bereits acht Anwohner, die sich gegen die vorrückenden Holzfäller wehrten, wurden in Médio Xingu ermordet.

Die Bedrohung der Bevölkerung sowie illegaler Holzeinschlag in geplanten Schutzgebieten haben System, erklärte der brasilianische Staatsanwalt M.A. Delfino de Almeida. Ist der Wald erst zerstört und die Bevölkerung vertrieben, falle auch der Grund für die Einrichtung des Schutzgebietes weg.
Delfino de Almeida leitete deshalb in der ersten Märzwoche Ermittlungen gegen drei Männer ein, die in Médio Xingu für illegalen Holzschlag verantwortlich waren. Ein weiteres Verfahren soll die Regierung dazu verpflichten, die Abholzungen in der Region effektiver zu verhindern und die Bevölkerung besser zu schützen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wäre die seit 2005 beantragte offizielle Anerkennung der RESEX Médio Xingu, letztes Teilstück eines ganzen Mosaiks aus Schutzgebieten.

Insgesamt bleibt das Ausmaß der jährlichen Zerstörung des Amazonasregenwaldes weiter alarmierend. Nach dem Höchststand von 27.400 Quadratkilometern im Jahr 2004 sanken die Entwaldungszahlen zwar drei Jahre lang kontinuierlich. Neue Daten vom Januar 2008 zeigen jedoch, dass dies nur ein kurzer Abwärtstrend war. Für dieses Jahr wird ein erneuter Anstieg der gerodeten Fläche um 50% im Vergleich zu 2007 erwartet - dies entspricht einer Fläche, die halb so groß ist wie Baden-Württemberg.
Als Reaktion auf die aktuellen Zahlen leitete die Regierung Lula unter anderem großflächige Kontrollen von Sägewerken ein. Solche Maßnahmen können allerdings nur zum Teil zum Schutz des Amazonasgebiets beitragen. Nachhaltige Nutzungskonzepte, wie die Einrichtung von Schutzgebieten, die der traditionellen Sammelwirtschaft vorbehalten sind (RESEX), werden seit Jahren von ASW-Partnerorganisationen gefordert. Ihre offizielle Anerkennung verläuft jedoch schleppend.

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4 TAXI SISTERS: FÖRDERUNG DER ERSTEN TAXIFAHRERINNEN-KOOPERATIVE IM SENEGAL

Eine kleine Sensation war die Gründung einer Taxifahrerinnen-Kooperative in Dakar Ende letzten Jahres: Erstmals in der Geschichte des Senegal durften Frauen hinter das Taxi-Steuer - durchaus ein Affront gegen die bislang zu 100 Prozent männerdominierte Transportbranche. Doch die Initiative der zehn Senegalesinnen fiel in den Wahlkampf der Parlamentswahlen und wurde von der Politik interessiert aufgegriffen. Das Ministerium für Frauen, Unternehmerinnen und Mikrofinanz vermittelte einen Autohändler, der den Taxifahrerinnen Kredit gewährte. Präsident Abdoulaye Wade rief die Parole aus, innerhalb eines Jahres sollten aus zehn Kooperativistinnen 2.000 werden.
Doch mit dem Ende des Wahlkampfs versiegte die politische Unterstützung für die Taxi sisters. Die Frauen kämpfen um ihre Existenz, da sich die von der islamischen Bruderschaft der Mouriden dominierte Transportbranche organisiert hat und ihren Berufseinstieg verhindern will. Mit dem innovativen Marketingkonzept der Taxi sisters - neue Kleinwagen mit einheitlicher Lackierung statt informeller Rostlauben, gepflegtes Auftreten in gelber Bluse und roter Hose als Arbeitskleidung und der Nutzung der Fahrzeuge auch für Kurierdienste - könnte die Kooperative langfristig durchaus zur Konkurrenz werden.
Aber noch ist die wirtschaftliche Lage der Taxifahrerinnen schwierig: monatlich müssen sie 275 Euro Kreditrückzahlungen leisten, eine enorme Anstrengung bei einem Tagesumsatz von maximal 25 Euro. Taxi sisters wird von der kleinen senegalesischen Nichtregierungsorganisation ASAFE (Association pur l'Avenir de la femme et de l'enfant) unterstützt, deren Ziel die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen und Kindern ist. ASAFE plant die Taxifahrerinnen mit Schulungen in Verwaltung und Finanzen, Technik, Öffentlichkeitsarbeit und gewerkschaftlicher Organisation zu fördern. Im Februar 2008 beschloss die ASW daher, einen Projektantrag zugunsten der Taxi sisters mit rund 13.000 Euro zu unterstützen.

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5 FILM ZUM THEMA WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG: ERFOLGREICHE RUNDREISE - AUSLEIHE DES FILMS WEITERHIN MÖGLICH

Vier Wochen reisten die beiden Aktivistinnen Rakiéta Poyga und Maimouna Ouédraogo aus Burkina Faso durch Deutschland und berichteten über ihre Aufklärungsarbeit gegen weibliche Genitalverstümmelung. Begleitet wurden sie von der Ludwigsburger Filmemacherin Ulrike Sülzle, die in ihrem Film "Maimouna - la vie devant moi" die Arbeit der mutigen jungen Frau dokumentierte.
Der preisgekrönte Dokumentarfilm und die Rundreise wurden unter anderem mit Mitteln der ASW realisiert. Die Veranstaltungen stießen auf großes Interesse, alle Vorstellungen waren ausverkauft.
"Maimouna - la vie devant moi" kann weiterhin als DVD bei der ASW bestellt werden über: mail@aswnet.de

Dokumentarfilm Burkina Faso/Deutschland 2006
Originalton Französisch/Moorè
Untertitel Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
HDV, 60 Min, Farbe, 16:9

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6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: INDISCHE GEMEINDEARBEITER FORDERN IHRE RECHTE EIN

Allein im indischen Bundesstaat Tamil Nadu leben 200.000 kastenlose Gemeindearbeiter. Sie und ihre Familien sind für alle anfallenden Dreckarbeiten in den Dörfern zuständig, wie für die Latrinenreinigung oder Leichenbestattung. Noch heute dürfen kastenlose Gemeindearbeiter in vielen Dörfern Indiens nur ein Lendentuch tragen, müssen gebückt, wortlos und mit gefalteten Händen die Anweisungen des Gemeinderats abwarten. Trotz härtester körperlicher Arbeit werden sie schlecht, häufig monatelang gar nicht bezahlt, so dass sie von Nahrungsspenden der Dorfoberen abhängig bleiben. Andere, bezahlte Tätigkeiten dürfen sie nicht annehmen. "Ich bete, dass andere Menschen das nicht erleben müssen, was ich erlebe", sagte ein Mann, der bereits als Zehnjähriger gezwungen war, die Arbeit seiner Eltern im Gemeindedienst zu übernehmen.

Seit mehreren Jahren unterstützt das indische "Institut zur Selbstentwicklung" (ISM) mit Hilfe der ASW die kastenlosen Gemeindearbeiter und ihre Familien. Erste Erfolge sind bereits spürbar. So haben sich die Gemeindearbeiter eine Lohnerhöhung von 150 auf 600 Rupien erstritten– eine konkrete Verbesserung, auch wenn die umgerechnet 12 Euro noch nicht ausreichen, um die Ernährung einer Familie zu sichern.

Die Unterstützung für kastenlose Familien in den Gemeinden von Tamil Nadu kann nur durch Ihre Spende langfristig fortgesetzt werden. Bitte helfen Sie mit, dass auch diese Menschen ein menschenwürdiges Leben führen können!

http://www.aswnet.de/indien/spendenaufruf.html

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