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NEWSLETTER MÄRZ 2009



1 EDITORIAL

2 ALTERNATIVE NOBELPREISTRÄGERIN KRISHNAMMAL JAGANNATHAN IN DEUTSCHLAND

3 AGRARÖKOLOGISCHE MODELLFARM IM SENEGAL: UMSTELLUNG AUF ANGEPASSTE LANDWIRTSCHAFT TRÄGT FRÜCHTE

4 SEXUELLE GEWALT GEGEN SCHÜLERINNEN IST IM SENEGAL ALLTAG - NEUE STUDIE DES ASW-PARTNERS ORGENS

5 INDIEN: GEZERRE UM POLAVARAM-PROJEKT GEHT WEITER

6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF ZUR LANDARBEITERINNENBEWEGUNG MMTR, BRASILIEN: MEHR SELBSTBESTIMMUNG ÜBER DIE EIGENE ERNÄHRUNG

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1 EDITORIAL

Die Produktion von Shrimps in indischen Aquakulturen bedroht die Ernährungssicherheit von Kleinbauern. In wertvolles, zum Teil illegal angeeignetes Ackerland graben die Shrimpsfarmen ihre Teiche - für die Herstellung eines Produktes, das ausschließlich auf die Teller wohlhabender Menschen gelangt. Das mit Pestiziden und Antibiotika versetzte Wasser verseucht das Grundwasser und die Böden angrenzender Felder.

Die ASW-Partnerorganisation LAFTI, die sich im indischen Bundesstaat Tamil Nadu für kastenlose Kleinbauern einsetzt und dafür 2008 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, kämpft erfolgreich gegen Shrimpsfarmen. Eine Eingabe der LAFTI-Koordinatoren Krishnammal und Sankaralingam Jagannathan beim Obersten Gericht Indiens hat 1996 den Weg bereitet für ein wichtiges Urteil, das Betreiber von Shrimpsfarmen zur Einhaltung von Auflagen zwingt.

Im Mai gibt es für unsere Leserinnen und Leser Gelegenheit, live mit Krishnammal Jagannathan über ihren Kampf gegen die Shrimpsfarmen und über weitere Aspekte ihrer Arbeit zu sprechen. Lesen Sie gleich den ersten Beitrag.


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2 ALTERNATIVE NOBELPREISTRÄGERIN KRISHNAMMAL JAGANNATHAN IN DEUTSCHLAND

Auf Einladung der ASW kommt Krishnammal Jagannathan, Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2008, nach Deutschland. Die 83-Jährige, die die Nichtregierungsorganisation LAFTI koordiniert, wird von 18.5. - 30.5.2009 auf mehreren Veranstaltungen über ihre Arbeit zu Ernährungssicherung, Krabbenfarmen und Landrechte für Dalits berichten.
Ein Schwerpunkt ihres Besuchs wird der Deutsche Evangelische Kirchentag in Bremen sein. Interessierte Initiativen, Gemeinden und Veranstalter können wegen zusätzlicher Termine Kontakt mit der ASW aufnehmen.
Krishnammal und ihr Ehemann Sankaralingam Jagannathan setzen sich seit 1950 für die Überwindung ländlicher Armut und die Rechte von Dalits (Kastenlose) ein. Am 8.12.2008 wurden sie in Stockholm mit dem "Right Livelihood Award" ausgezeichnet.

Die ASW unterstützt die Arbeit von Krishnammal und Sankaralingam Jagannathan seit 1968. Alle aktuellen Termine der Besuchsreise und weitere Informationen über LAFTI finden Sie auf unserer Homepage www.aswnet.de


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3 AGRARÖKOLOGISCHE MODELLFARM IM SENEGAL: UMSTELLUNG AUF ANGEPASSTE LANDWIRTSCHAFT TRÄGT FRÜCHTE


Seit Beginn der 90er Jahre erprobt der Agrarökologe El Hadj Hane auf der Modellfarm N’Diemane bei M’Bour/Senegal gemeinsam mit den Bauern der Region traditionelle landwirtschaftliche Methoden. Sie verzichten auf chemische Inputs und greifen auf alte, lokal angepasste Pflanzensorten zurück. Diese Anbaumethoden waren in den Jahren davor zugunsten einer exportorientierten Erzeugung vor allem von Erdnüssen aufgegeben worden. Die Folgen waren stark erodierte Böden und schließlich sinkende Erträge.
Die ASW unterstützte dieses Projekt von 1992 bis 2000. In dieser Zeit konnten sich die Böden regenerieren und die teilnehmenden Bauern ihre Ernte nachhaltig diversifizieren.

Nachdem die Modellfarm aufgrund lang anhaltender Dürrezeiten und Wasserknappheit in Bedrängnis kam, erfuhr die Initiative durch die Gründung der Organisation AFAFA (dt.: Hilfe für Afrikanische Frauen durch Agrarökologische Ausbildung) in Zusammenarbeit mit der französischen Organisation Sahel People's Service neuen Schwung. Bauern und Bäuerinnen erhalten über diese Kooperation Mikrokredite für Brunnenbau und effizientere Kochstellen. Allerdings sind die Kredite an ökologische Auflagen gekoppelt: Die KreditnehmerInnen müssen an einer Ausbildung in Ökolandbau teilnehmen und sich einer agrarökologischen Charta verpflichten.
Die ASW, die heute nicht mehr zu den Förderern von N’Diemane gehört, freut sich, dass ihre Unterstützung aus den 90er Jahren heute sichtbar Früchte trägt. In der kahlen Landschaft entstehen immer mehr grüne Oasen. Durch die neu entstandenen Perspektiven sehen sich auch immer weniger junge Dorfbewohner dazu gezwungen, in die Stadt abzuwandern, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.


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4 SEXUELLE GEWALT GEGEN SCHÜLERINNEN IST IM SENEGAL ALLTAG - NEUE STUDIE DES ASW-PARTNERS ORGENS

Im Senegal rückt das Problem sexueller Gewalt gegenüber Mädchen immer mehr ins öffentliche Bewusstsein, sodass auf staatlicher Ebene über eine Reform des Strafgesetzes beraten wird. Den Anstoß dazu gaben zivilgesellschaftliche Organisationen.
Auch ASW-Projektpartner ORGENS ist in dieser Debatte aktiv und hat eine Studie zu sexueller Gewalt gegen Schülerinnen erstellt. "Was uns begegnet ist überschritt unsere Vorstellungskraft", sagt die Koordinatorin Awa Fall Diop. Die Erfahrungsberichte bezeugten, wie sehr missbrauchte Mädchen, die zum Teil auch noch die Not einer Schwangerschaft zu erleiden hatten, stigmatisiert werden. In einigen Fällen haben Mädchen selbst Abtreibungen initiiert, um weiter zur Schule gehen zu können. Ein Mädchen kam dabei ums Leben.
In den Interviews schoben Jungen wie auch Männer die Schuld für ihre sexistische Haltung bzw. sexuellen Übergriffe auf die Mädchen selbst: Sie würden sich anzüglich benehmen und anziehen - im Grunde würden sie sich ja starke Männer wünschen. Diese gesellschaftlich verbreitete Einstellung ist eine Ursache für das Schweigen in betroffenen Familien sowie für die laxe Haltung der staatlichen Organe. Die Täter bleiben dabei mit einem Gefühl der Schuldlosigkeit zurück.
Die befragten Mädchen fordern mehr Schutz ein, um die Schule abschließen zu können und so eine Zukunftsperspektive zu haben. Schule wie auch Familien gewähren diese Sicherheit nicht. Um diesen Prozess in Gang zu setzen, organisiert ORGENS Diskussionen und Workshops mit Schülern und Lehrern, damit das Schweigen gebrochen wird.
Außerdem macht ORGENS umfassende Sensibilisierungsarbeit zum Thema Geschlechterrollen und Gewalt gegen Frauen. Damit will die Organisation einen Mentalitätswechsel in der Gesellschaft anstoßen, sodass Frauen mehr Respekt entgegengebracht wird.


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5 INDIEN: GEZERRE UM POLAVARAM-PROJEKT GEHT WEITER

Seit ihrer Amtsübernahme in 2004 forciert die Landesregierung von Andhra Pradesh unter Rajasekhara Reddy den Bau des Polavaram-Staudammprojektes, das Strom und Wasser für ferne Städte und für landwirtschaftliche Großbetriebe liefern soll. Bis vor kurzem sah es ganz danach aus, als könnte das Projekt bis 2012 fertiggestellt sein. Im Februar aber haben die von dem Projekt betroffenen Nachbarstaaten Orissa und Chhattisgarh beim Obersten Gerichtshof Indien einen Baustopp beantragt.

Dem geplanten Stausee, der nach der Aufstauung des Godavari-Flusses in Andhra Pradesh entstehen wird, werden mindestens 200.000 Menschen zu weichen haben, die Mehrheit von ihnen sind Adivasi (Indigene). Geschätzte 323 Adivasidörfer werden in den Fluten verschwinden. Außerdem könnten Dutzende von Dörfern in Orissa und Chhattisgarh in Flutzeiten von rückgestauten Wassermassen von zwei Godavari-Nebenflüssen überschwemmt werden.

Der Entwurf für das Projekt reicht in die 40er Jahre zurück. 1980 gab es erstmals konkrete Pläne zur Umsetzung. Danach geschah nichts, bis 2004 die Kongresspartei mit den Stimmen der armen ländlichen Bevölkerung die Parlamentswahlen in Andhra Pradesh gewann und den Ministerpräsidenten stellte. Dieser, Rajasekhara Reddy, nahm bereits im November 2004 die Bauarbeiten für das Großprojekt in Angriff, für das Teile der armen Dorfbevölkerung den Preis zu zahlen haben.

Weil gesetzlich vorgeschriebene Genehmigungen unter anderem in den Bereichen Umwelt, Forsten, Wildtierschutz noch nicht vorlagen oder infrage gestellt wurden, kam die Realisierung des Projektes nur schleppend voran. Erst nachdem im Januar 2009 die Zentrale Wasserkommission (CWC) eine Freigabe erteilt hatte, trat der Ministerpräsident vor die Presse und kündigte an, die Bauarbeiten bis 2012 abzuschließen.
In Andhra Pradesh wird allerdings in diesem Jahr ein neues Landesparlament gewählt. Sollte die Kongresspartei unter Rajasekhara Reddy nicht mehr zum Zuge kommen und die zweite starke Kraft im Bundesstaat, die Telegu Desam Party, die Regierung übernehmen, ist der weitere Gang der Dinge wieder offen.
Informationen zu einem von der ASW unterstützten Adivasi-Netzwerk, das Menschen vor Ort vermittelt, wie sie sich zur Wehr setzen können, erhalten Sie unter indien@aswnet.de

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6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF ZUR LANDARBEITERINNENBEWEGUNG MMTR, BRASILIEN: MEHR SELBSTBESTIMMUNG ÜBER DIE EIGENE ERNÄHRUNG

"Ein kleiner Garten, in dem ich selbst mein Gemüse anbauen kann, war schon immer mein Traum", schwärmt die 73-Jährige Rentnerin Dona Socorro aus São José do Belmonte im brasilianischen Nordosten. Gemeinsam mit zehn anderen Familien teilt sie sich das Pachtland. Dass die Frauen der Region gemeinsam für ihre Rechte und für konkrete Lebensverbesserungen eintreten, ist ein Erfolg des MMTR, der Bewegung der Landarbeiterinnen.
Seit über 20 Jahren sind die engagierten Frauen in der Dürreregion des Sertão aktiv. Mit einfachen Regentonnen und Gießkannen, kleinen Dämmen und Pumpen sichern sie die Wasserversorgung für den Anbau. Sie legen Gemüsegärten an und vermitteln Kenntnisse zu pestizidfreiem Gartenbau. In Santa Cruz da Baixa Verde haben die Frauen einen Biomarkt mit Gemüse und Eiern aus der eigenen Hühnerzucht eröffnet, und erzielen dadurch Einkommen. All das bedeutet mehr Sicherheit, Lebensqualität und Selbstbestimmung über die eigene Ernährung.
In vielen anderen Teilen des Sertão sieht die Realität leider immer noch ganz anders aus. Die Landarbeiterinnen bewirtschaften kein eigenes, sondern gepachtetes Land. Den Zugang zu Wasser müssen sie extra bezahlen. Von Selbstbestimmung über den Anbau der Produkte kann keine Rede sein. Biomärkte sind eine bloße Utopie. Hier wartet noch viel Arbeit auf die engagierten Frauen vom MMTR.
Damit MMTR dieses Engagement fortführen kann, bitten wir Sie um Ihre Spende.

http://www.aswnet.de/brasilien/spendenaufruf.html

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