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NEWSLETTER MÄRZ 2010

1 EDITORIAL: NEUE GEN-PFLANZEN GEFÄHRDEN SICHERE ERNÄHRUNG

2 ASW-PROJEKTPARTNER BITTEN UM PROTEST-E-MAILS GEGEN EINE GEN-AUBERGINE

3 BRASILIEN: INDIGENE GEMEINSCHAFTEN UND SOZIALE BEWEGUNGEN PROTESTIEREN WEITER GEGEN DAS WASSERKRAFTWERK BELO MONTE

4 SENEGAL: DIE TAXI SISTERS WEITEN IHRE AKTIVITÄTEN AUS

5 SPENDENAUFRUF ZU ASPSP; SENEGAL: SICHERE ERNÄHRUNG DURCH SOUVERÄNE BAUERN

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1 EDITORIAL: NEUE GEN-PFLANZEN GEFÄHRDEN SICHERE ERNÄHRUNG

Die Europäische Kommission hat Anfang März eine Entscheidung getroffen, die neue Risiken für die Gesundheit von Millionen von Konsumenten birgt. Ab sofort darf die von BASF entwickelte Gen-Kartoffel Amflora kommerziell angebaut werden. Außerdem wird die Einfuhr von drei neuen Gen-Mais-Sorten des US-Konzerns Monsanto nach Europa erlaubt.

Die Kartoffel ist zwar nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt und soll ausschließlich Stärke für industrielle Zwecke und Tierfutter liefern. Weil sie aber in den menschlichen Nahrungskreislauf gelangen kann, hat die EU gleich noch die Obergrenze für Beimischungen in Tierfutter und menschlichem Essen auf 0,9 Prozent festgelegt.

Besonders beruhigend ist dieser Grenzwert nicht, weil Amflora ein Gen enthält, das bei Mensch und Tier zu erhöhten Antibiotika-Resistenzen führen kann.
Wenn Sie das Risiko durch den Anbau von Amflora nicht hinnehmen wollen, schicken Sie eine Protestmail an den Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso: http://www.avaaz.org/en/eu_health_and_biodiversity/?vl

Auch in Indien könnte die Gesundheit von Konsumenten bald den Interessen der Biotech-Industrie geopfert werden. Lesen Sie die folgende Meldung.

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2 ASW-PROJEKTPARTNER BITTEN UM PROTEST-E-MAILS GEGEN EINE GEN-AUBERGINE

Aufgrund massiven Protests von Wissenschaftlern, Umwelt- und Bauerngruppen hatte das indische Umweltministerium Anfang Februar ein Moratorium für eine Gen-Aubergine von Monsanto verhängt. Eine Initiative des gentechnikfreundlichen Wissenschaftsministeriums stellt dieses jetzt infrage. Projektpartner der ASW bitten daher um Teilnahme an einer von Greenpeace-Indien gestarteten E-Mail-Protestaktion.
Die Gegner der Monsanto-Aubergine BT-Brinjal hatten zunächst aufgeatmet, als der indische Umweltminister am 9. Februar erklärte, die transgene Nahrungspflanze dürfe solange nicht angebaut werden, "bis deren Sicherheit durch unabhängige Studien nachgewiesen ist."
Denn solche unabhängige Sicherheitstests gibt es in Indien bislang genauso wenig wie in Europa. Die für Gen-Zulassungen zuständige Behörde GEAC stützt sich in der Regel auf die Sicherheitsdaten der Hersteller. Außerdem sitzen in ihr genauso "Freunde" der Gentech-Industrie wie in der europäischen EFSA, die kürzlich grünes Licht für Amflora gab und deren Entscheidung dann die Kommission folgte.

Aber Jairam Ramesh steht mit seinem verantwortungsbewussten Ansatz auf verlorenem Posten. Vor allem Agrar- und Wissenschaftsministerium wollen nach der längst etablierten BT-Baumwolle weitere transgene Pflanzen auf Indiens Äckern durchsetzen.
Der Wissenschaftsminister Prithviraj Chavan pusht jetzt ein Gesetz, das sogar eine Verschlechterung gegenüber der aktuellen Situation bringen könnte: Der Entwurf beinhaltet, dass künftig eine direkt dem Wissenschaftsministerium unterstellte Behörde über die Zulassung von transgenen Pflanzen entscheiden soll.

Geben auch Sie ihre Stimme für die Ernährungssicherheit von über einer Milliarde Menschen in Indien ab:
http://greenpeace.in/safefood

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3 BRASILIEN: INDIGENE GEMEINSCHAFTEN UND SOZIALE BEWEGUNGEN PROTESTIEREN WEITER GEGEN DAS WASSERKRAFTWERK BELO MONTE

"Wenn ich in Europa über unseren Widerstand gegen das Wasserkraftwerk Belo Monte berichte, verstehen die meisten Menschen das nicht. Wasserkraft sei doch eine saubere Energie. Wir müssen die internationale Debatte über erneuerbare Energien unbedingt differenzierter führen", forderte Marcelo Salazar von der brasilianischen Umweltorganisation Instituto Socioambiental auf einer Informationsveranstaltung in Berlin, die die ASW gemeinsam mit acht weiteren Gruppen am 19.1.2010 organisierte.

Am Amazonasfluss Xingu - der auch durch das Regenwaldreservat "Médio Xingu" fließt, dessen Einrichtung die ASW unterstützte - soll mit "Belo Monte" das zweitgrößte Wasserkraftwerk Brasiliens entstehen. Zuletzt hatte 1989 eine breite Bewegung aus indigenen Gemeinschaften, Umweltschützern und Prominenten das Megaprojekt erfolgreich verhindert. Jetzt scheint die Regierung Lula aber entschlossen, den Bau auf jeden Fall im Jahr 2010 zu beginnen: Anfang Februar erteilte das brasilianische Umweltministerium die Zustimmung zur Baugenehmigung.

Umweltorganisationen, soziale Bewegungen und Wissenschaftler aus der Region erwarten eine ökologische und soziale Katastrophe, wenn das Wasserkraftwerk wie geplant realisiert wird. Die betroffenen indigenen Gemeinschaften haben bereits entschlossenen Widerstand gegen ihre Umsiedlung und den Bau der Kanäle angekündigt.

Marcelo Salazar kritisiert besonders, dass die Folgen des erwarteten Zuzugs von bis zu 300.000 Menschen in keiner Weise in der Umweltverträglichkeitsstudie berücksichtigt wurden. "Was passiert ist Folgendes: die Planer verringern einfach rechnerisch die Anzahl der Menschen, die von der Umleitung des Xingu betroffen sind", erläuterte er. "Sie gehen davon aus, dass nur diejenigen betroffen sind, deren Land überschwemmt wird. Was passiert, wenn so viele Menschen auf der Suche nach Arbeit in diese ökologisch sensible Region kommen, wird nicht untersucht. Alle diese Menschen brauchen Essen, Baumaterial für ihre Unterkunft und verbrauchen Energie. Nur weil die tatsächlichen ökonomischen, sozialen und ökologischen Kosten nicht berechnet werden, kann die Stromerzeugung dieses Megaprojektes wirtschaftlich erscheinen."
Die ASW hat gemeinsam mit 10 anderen deutschen Organisationen eine Solidaritätserklärung an das Bündnis Xingu Vivo geschickt, das sich gegen das Wasserkraftwerk und für eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Entwicklung der Region engagiert. Außerdem unterstützt die ASW einen Protestaufruf von Rettet den Regenwald e.V. gegen das Megaprojekt. Wir bitten auch Sie um Ihre Protestmail: https://www.regenwald.org/protestaktion.php?id=551

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4 SENEGAL: DIE TAXI SISTERS WEITEN IHRE AKTIVITÄTEN AUS

Seit drei Jahren arbeiten in Senegals Hauptstadt Dakar erstmals Frauen als Taxifahrerinnen. Die von der ASW bei ihrem Start unterstützten Taxi Sisters haben schon viel erreicht, aber immer noch zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden.

Die Initiative der zehn Senegalesinnen hatte einen guten Anfang erlebt, wurden sie doch vom Ministerium für Frauen, Unternehmerinnen und Mikrofinanz unterstützt. Jedoch verschwand mit dem Ende des Wahlkampfs das politische Interesse an den Taxi Sisters und damit fingen die Probleme an.

Aufgrund unfairer Verträge haben die Frauen vom Anfang an mit ihrem Autohändler, der ihnen ihre Taxis geliefert hatte, um die Kreditrückzahlungen gekämpft. Die senegalesische Nichtregierungsorganisation ASAFE brachte aber mit Hilfe der ASW das Frauenministerium dazu, die Vertragskonditionen für die Taxi Sisters mit dem Autohaus neu auszuhandeln. Die Beziehung zu diesem bleibt jedoch gespannt. Denn die Firma 'Espace' stellte plötzlich 10 eigene Fahrerinnen ein, die sie ebenfalls Taxi Sisters nannten und die nun mit der Taxi Sisters Kooperative konkurrieren.

Einen Vorteil haben die Taxi Sisters jedoch. Durch die ASW und über die NRO ASAFE erhielten sie Schulungen in Verwaltung und Finanzen, Technik, Öffentlichkeitsarbeit und gewerkschaftlicher Organisation. Und: sie haben sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen und arbeiten gemeinsam. Die Taxi Sisters wollen ihre Aktivitäten erweitern und haben sich dieses Jahr darum beworben, in den Vorstädten von Dakar einen Kleinbus auf einer der lokalen Linien einsetzen zu dürfen.

Die ASW will die senegalesische Nichtregierungsorganisation ASAFE (Association pur l'Avenir de la femme et de l'enfant), deren Ziel die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen und Kindern ist, auch bei einem weiteren Vorhaben unterstützen. Eine Gruppe von Frauen wird in umweltgerechter Anwendung von Batiktechniken ausgebildet. ASAFE wird die Frauen auch bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützen und ihnen so zu einem festen Job verhelfen. Die Frauen kommen aus 15 unterschiedlichen Gruppen und werden auch den Austausch untereinander vorantreiben.

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5 SPENDENAUFRUF ZU ASPSP, SENEGAL: SICHERE ERNÄHRUNG DURCH SOUVERÄNE BAUERN

"Wir kämpfen hier seit vielen Jahren mit den Folgen des Klimawandels. Das Meerwasser dringt immer weiter in die Flussläufe ein und versalzt die Anbauflächen für Reis. Die Regenfälle kommen unberechenbarer und der Grundwasserspiegel sinkt beständig ab", stellt Arona Diedhiou, der Präsident einer ASPSP-Mitgliedsorganisation in der Casamance fest.
ASPSP, der senegalesische Verband bäuerlicher Saatgutproduzenten, der sich im ganzen Land für die souveräne Verfügung von Bauern über ihr Saatgut einsetzt, weiß, dass auf diese Situation reagiert werden muss. Bauern werden daher dabei unterstützt, ihre Ackerpflanzen an größere Trockenheit und schwankende Niederschlagsmengen anzupassen.

Das funktioniert am besten mit lokalen, robusten Pflanzensorten. "Mit neuen Pflanzenzüchtungen wie der von der Regierung propagierten Reissorte NERICA funktioniert diese Anpassung nicht", sagt Landing Shonko, ein weiterer Mitarbeiter von ASPSP.

Die Industrie-Sorte NERICA hat noch einen weiteren entscheidenden Nachteil: Bauern, die sich für deren Anbau entscheiden, müssen jedes Jahr tief in die Tasche greifen, um sich Saatgut für die neue Saison zu besorgen. Denn NERICA ist eine Hybridsorte und damit unfruchtbar.

Die ASPSP angeschlossenen Bauern sind daher von ihren lokal angepassten und robusten Sorten überzeugt. In Abstimmung mit den lokalen Veränderungen entwickeln sie diese weiter und bleiben so von der Saatgutindustrie unabhängig. "Die Verfügung über eigenes Saatgut bedeutet die Autonomie des Bauern, seine Souveränität", ist sich Lamine Biaye, der Koordinator von ASPSP, sicher. "Sie ist auch der Schlüssel zur Ernährungssouveränität."

ASPSP will die Lobbyarbeit für Ernährungssouveränität im Senegal, die Weiterbildungen für die Mitglieder und die internationale Vernetzung weiter ausbauen. Wir bitten Sie, diese wichtige Arbeit mit Ihrer Spende zu unterstützen.

http://www.aswnet.de/westafrika/spendenaufruf.html

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