ASW-Newsletter abonnieren
Um Ihr Abonnement des ASW-Newsletter zu beenden, klicken Sie bitte hier.
[zurück]

NEWSLETTER JUNI 2006

INHALT

1 EDITORIAL

2 UMLEITUNG DES RIO SãO FRANCISCO

3 DAS POLAVARAM-STAUDAMMPROJEKT

4 FILM MOOLAADÉ - BANN DER HOFFNUNG

5 UMWELTWEIT AKTIV - NEUER THEMENSCHWERPUNKT DER ZEITSCHRIFT "SOLIDARISCHE WELT"

6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: ENDA-GRAF (SENEGAL) SCHAFFT PERSPEKTIVEN FÜR DAS ÜBERLEBEN IN DEN STÄDTEN

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

1 EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Regierungen der Schwellenländer Brasilien und Indien forcieren mit Megaprojekten die Industrieentwicklung und die Modernisierung der Landwirtschaft. In Südindien entsteht derzeit nahe dem Dorf Polavaram ein neuer Großstaudamm, in Nordostbrasilien soll ein ganzer Fluss, der Rio São Francisco, umgeleitet werden. Vor allem arme und ohnehin benachteiligte Bevölkerungsgruppen in beiden Ländern sind von Umsiedlungen und Wasserentzug betroffen. Hier in Deutschland über die verheerenden ökologischen und sozialen Kosten dieser beiden Großprojekte zu informieren ist ein Bestandteil der Umweltarbeit der ASW.

DIE NEWSLETTER-REDAKTION

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

2 UMLEITUNG DES RIO SãO FRANCISCO

Die Regierung unter Präsident Lula preist ein gigantisches Flussumleitungsprojekt als innovative Lösung der Wasserprobleme von 12 Millionen Menschen an. Teile des Wassers des Rio São Francisco, dessen Delta acht Prozent des Landes ausmacht, sollen in zwei zusammen 700 Kilometer lange Kanäle umgeleitet werden. Angeblich würde nur ein Prozent des Wassers des Rio São Francisco benötigt, um die Wasserprobleme des Sertão zu lösen. Außerdem würden zahlreiche Arbeitsplätze beim Bau der Kanäle und sonstigen Anlagen sowie in den neu entstehenden Industrien und in der Landwirtschaft geschaffen.
Allerdings ist schon den Planungen zu entnehmen, dass das Wasser in erster Linie der Garnelenzucht, Bewässerungsprojekten und der Industrie der Hafenstadt Fortaleza zugute käme. Nur höchstens sieben Prozent des umgeleiteten Wassers kämen bei der Bevölkerung im semiariden Sertão an. Fraglich ist außerdem, woher das Wasser für die Umleitung überhaupt kommen soll, ist doch das vorhandene Wasser schon längst an die Energie- und Bewässerungswirtschaft verkauft.
Die geplante Entwicklung wird also, entgegen den populistischen Beteuerungen der Regierung Lula, an den KleinbäuerInnen, den Fischern und den indigenen Völkern des Nordostens vorbei gehen.

Sollten Sie detailliertere Informationen wünschen, schreiben Sie uns - mail@aswnet.de . Wir senden Ihnen gerne die aktuelle Ausgabe unserer Zeitschrift "Solidarische Welt" zu, in der wir über das Rio São Francisco-Projekt berichten. Möchten Sie dauerhaft über den Stand des Projektes informiert werden, setzen wir Sie gerne auf die entsprechende Mailingliste.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

3 DAS POLAVARAM-STAUDAMMPROJEKT

Das neue Staudammprojekt am Godavarifluss nahe dem Dorf Polavaram im Bundesstaat Andhra Pradesh wird seit 2005 umgesetzt. Der Stausee soll Trinkwasser, Wasser für Bewässerung und Industrie sowie Elektrizität in die ohnehin etwas wohlhabenderen Küstenregionen liefern. Durch den Stausee, der etwa die Größe des Bodensees erreichen wird, werden ca. 200 000 Menschen Behausungen und Land verlieren. Mehr als 50 Prozent von ihnen sind Adivasi - Indigene - die zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen Indiens zählen. Besonders fatal ist, dass diese nicht mit einer angemessene Entschädigung rechnen können. Sie verfügen über keinerlei Urkunden über Privatbesitz, die für die Inanspruchnahme von Geldern nötig sind. Von anderen indischen Dämmen wie dem Sardar-Sarovar-Damm an der Narmada ist bekannt, dass bis heute über 30.000 Menschen, die dem Stausee weichen mussten, auf Entschädigung und Umsiedlung auf kultivierbares Land warten.

Die Menschen, die sich vor Ort gegen den Polavaram-Damm wehren, werden seit rund zwei Monaten von einigen deutschen Organisationen, darunter die ASW, die Adivasi-Koordination Deutschland und die Andheri-Hilfe Bonn, durch eine Kampagne unterstützt. Wer zu Polavaram weitere Informationen haben möchte, kann sich gerne bei uns auf die entsprechende Mailingliste setzen lassen. Außerdem kann ein Faltblatt oder die aktuelle Ausgabe unserer Zeitschrift "Solidarische Welt", in der wir etwas detaillierter über den Polavaram-Staudamm berichten, angefordert werden. Schreiben Sie an mail@aswnet.de

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

4 FILM MOOLAADÉ - BANN DER HOFFNUNG

In Burkina Faso fördert die ASW derzeit zwei Projekte, die sich gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen einsetzen, über die körperlichen und psychischen Folgen aufklären und alternative Rituale des Erwachsenwerdens entwickeln.
Eine spannende Erzählung über diese Tradition, ihre gesellschaftlichen Hintergründe und darüber, wie sich Betroffene zur Wehr setzen, bietet der neue Film des senegalesischen Regisseurs Ousmane Sembène. "Moolaadé" zeigt die Geschichte einer Frau irgendwo in Burkina Faso, die vier Mädchen bei sich zu Hause aufnimmt und damit vor der Beschneidung schützt. Zuerst scheint sich mit ihrer Haltung ganz alleine, aber nach und nach findet sie Verbündete...
Sembènes Film lässt lokale Machtverhältnisse deutlich greifbar werden: die Macht der Älteren, der Männer, der Tradition, aber auch, wie die ganze Bevölkerung des Dorfes in diese Machtverhältnisse verstrickt ist, sie mit trägt, oft unter ihnen leidet und manchmal mutige Schritte unternimmt, sie zu ändern. Ein eindrücklicher und sehenswerter Film, der seit dem 11. Mai in vielen Kinos läuft.
Zum gleichen Thema wird in diesem Jahr auch ein Dokumentarfilm fertig gestellt. "Frauen im Schatten einer Tradition" spielt ebenfalls in Burkina Faso. Der Film wird mit Unterstützung der ASW realisiert.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

5 UMWELTWEIT AKTIV - NEUER THEMENSCHWERPUNKT DER ZEITSCHRIFT "SOLIDARISCHE WELT"

Auf der südlichen Halbkugel des Globus treten die weltweiten Umweltprobleme am deutlichsten zutage - lokale, zum Teil von internationalen Firmen verursachte kommen hinzu. Die ASW, die sich für eine gerechtere Welt und insbesondere für benachteiligte Bevölkerungsgruppen des Südens einsetzt, fördert schon seit den 80er Jahren Umweltprojekte. Denn wir und unsere Partnerorganisationen in Afrika, Brasilien und Indien wissen, dass sich Verbesserungen für alle nur einstellen, wenn weltweit und lokal die Umwelt bewahrt wird.

Unsere ProjektpartnerInnen sind in den Bereichen angepasste Landwirtschaft, Wasserbewirtschaftung, Sammelwirtschaft, Landrechte und Umweltbildung aktiv.

Die neue "SOLIDARISCHE WELT" informiert über die Grundsätze unserer Umweltarbeit und zeigt in weiteren Beiträgen, wie pestizidfreier Landbau südindische Kleinbauern vor dem Ruin bewahrt, welche sozialen und ökologischen Folgen aktuelle Wassergroßprojekte in Brasilien und Indien haben und warum Kleinbauern in Brasilien durch Biotreibstoff bedroht sind.

Das Heft kann ab Ende Juni 2006 bei uns bestellt werden unter
mail@aswnet.de

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: ENDA-GRAF (SENEGAL) SCHAFFT PERSPEKTIVEN FÜR DAS ÜBERLEBEN IN DEN STÄDTEN

Dakar, die Hauptstadt des Senegal, zieht täglich Hunderte von MigrantInnen an, die auf dem Land keine Perspektive mehr sehen und ihr Glück in der Stadt suchen. Die meisten gelangen allerdings nur bis in die Vororte, die heute selbst zu Millionenstädten herangewachsen sind.
In diesen neuen städtischen Ballungsgebieten sind soziale Probleme vorprogrammiert. 80 Prozent der dort lebenden Menschen sind Analphabeten, mehr als die Hälfte der Erwachsenen ist arbeitslos. Der Zugang zu sauberem Wasser ist unzureichend, ebenso die Ernährungslage. Gesundheitsdienste oder Müllentsorgung sind kaum vorhanden. Soziale Netze zur gegenseitigen Hilfe müssen unter den neu zugewanderten Menschen erst noch aufgebaut werden.
ENDA-GRAF unterstützt den Aufbau solcher Selbsthilfenetze. In etwa 70 maßgeblich von Frauen mitbestimmten Gruppen werden kleine Gesundheitskassen - eine Art gegenseitiger Versicherung - aufgebaut, Kleinkredite verwaltet und städtischer Gartenbau praktiziert. Verbesserte Ernährung durch eigenes Gemüse und stabileres Einkommen und der durch die Kassen eröffnete Zugang zum Gesundheitswesen verbessern die gesundheitliche Situation der BewohnerInnen.

Wir bitten Sie, die Arbeit von ENDA-GRAF mit einer Spende zu unterstützen

http://www.aswnet.de/westafrika/spendenaufruf.html

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

WENN SIE DEN NEWSLETTER KÜNFTIG NICHT MEHR BEZIEHEN WOLLEN SCHICKEN SIE EINE KURZE MAIL AN
oeffentlichkeit@aswnet.de

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

IMPRESSUM:

ASW - Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V.
Hedemannstraße 14
10969 Berlin

Telefon: 030 / 25 94 08 01
Fax: 030 / 25 94 08 11
E-Mail: mail@aswnet.de

Redaktion: Isabel Armbrust
E-Mail: oeffentlichkeit@aswnet.de