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NEWSLETTER JUNI 2008



1 EDITORIAL: LANGFRISTIGE ERNÄHRUNGSSICHERHEIT DURCH NATURSCHONENDE LANDWIRTSCHAFT

2 ASPSP ERHÖHT ERNÄHRUNGSSICHERHEIT DURCH LOKALE PFLANZENSORTEN

3 HUNGERSTUDIE DES INDISCHEN ASW-PARTNERS CENTRE FOR WORLD SOLIDARITY

4 INDISCHER AKTIVIST, DER SICH FÜR DAS RECHT AUF NAHRUNG EINSETZTE, ERMORDET

5 AUF POLITISCHES CHAOS IN SIMBABWE FOLGT ERNÄHRUNGSUNSICHERHEIT: EIN BERICHT VON ASW-PARTNERN

6 PLANET DIVERSITY - ASW-PARTNER AUS DEM SENEGAL UND INDIEN BERICHTEN ÜBER ERFOLGREICHEN ÖKOLOGISCHEN ANBAU

7 GROSSER ERFOLG DER UMWELTAKTIVISTEN IN BRASILIEN: NEUES REGENWALD-SCHUTZGEBIET AM XINGU-FLUSS EINGERICHTET

8 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: WALDSCHUTZ IST BESTER KLIMASCHUTZ

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1 EDITORIAL: LANGFRISTIGE ERNÄHRUNGSSICHERHEIT DURCH NATURSCHONENDE LANDWIRTSCHAFT

Im Zuge der aktuellen Nahrungsmittelkrise hat die Entwicklungspolitik die Landwirtschaft neu entdeckt. Während allerdings die großen Institutionen wie die FAO, die Anfang Juni den Ernährungsgipfel in Rom organisiert hatte, hergebrachte Konzepte fortschreiben und auf eine technologische Modernisierung des kleinbäuerlichen Sektors setzen, plädieren immer mehr Nichtregierungsorganisationen für eine konsequente Agrarwende. Nur noch nachhaltige und lokal angepasste Anbaumethoden, wie sie ASW-Partner schon seit Jahrzehnten praktizieren, sollten gefördert werden.

Rückenstärkung erhalten die ASW und andere NGOs durch eine im April veröffentlichte Studie des Weltagrarrates - ein UN-Projekt ähnlich dem Weltklimarat. Darin kommen 400 namhafte Wissenschaftler nach einem vierjährigen Arbeitsprozess zu dem Ergebnis, dass nur eine natur- und bodenschonende Landwirtschaft langfristig das Potential hat, eine wachsende Menschheit sicher mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die konventionelle Landwirtschaft sei für einen beträchtlichen Teil der Degradierung der Böden dieser Welt verantwortlich. Die Experten sehen in der Rückbesinnung auf lokale Anbaumethoden und das zugehörige Wissen insbesondere für die Entwicklungsländer eine große Chance.
Konkrete Beispiele dazu in diesem Newsletter.

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2 ASPSP ERHÖHT ERNÄHRUNGSSICHERHEIT DURCH LOKALE PFLANZENSORTEN

Im Senegal fördert die ASW-Partnerorganisation ASPSP (Verband bäuerlicher Saatgutproduzenten) seit 2003 die Wiederverbreitung traditionellen, an die lokalen Bedingungen angepassten Saatguts. Moderne Pflanzensorten sind für die Ökosysteme des Landes meist ungeeignet. Aufgrund ihrer höheren Empfindlichkeit erlebten die Bauern häufige Ernteausfälle, so dass die Ernährungssicherheit abnahm, statt wie erwartet anzusteigen.

Der Verband ASPSP bringt Kleinbauern aus dem ganzen Land zusammen, damit diese bewährte, an die Trockenheit angepasste Pflanzensorten und Kenntnisse über ihren Anbau austauschen können. Die von ASPSP organisierten Saatgutmessen ziehen inzwischen selbst Bauern aus den Nachbarländern Mali, Gambia und Guinea-Bissau an.

Der Koordinator des Verbandes, Lamine Biaye, stellte im Mai dieses Jahres auf der internationalen Konferenz Planet Diversity in Bonn den Ansatz seiner Organisation einer breiteren Öffentlichkeit vor. Ein aktuelles Interview mit Lamine Biaye finden Sie unter http://www.planet-diversity.org/fr/programme/ateliers/forum.html?tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_post&tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=155

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3 HUNGERSTUDIE DES INDISCHEN ASW-PARTNERS CENTRE FOR WORLD SOLIDARITY

Im Jahr 2000 haben sich die Mitgliedsstaaten der UN zu einer konsequenten Bekämpfung des Hungers auf dieser Welt verpflichtet. Aber acht Jahre nach der Verabschiedung der Millenniumsziele ist die Zahl der Hungernden kaum zurückgegangen. Aktuell hungern weltweit über 860 Millionen Menschen, allein in Indien gibt es 400 Millionen Hungernde. Das heißt, dass beinahe 50 Prozent der absolut Armen dieser Welt in Indien leben.

Ende Mai präsentierte Monimoy Sinha, Mitarbeiter des indischen ASW-Partners Centre for World Solidarity (CWS), in Berlin eine aktuelle Hungerstudie seiner Organisation, die er im Februar bereits auf der UN-Konferenz zum Recht auf Nahrung in Genf vorgestellt hatte.
Die Untersuchung zeigt die Ernährungssituation in zwei Dörfern des indischen Bundesstaates Jharkhand. Bei der Erfassung wurde eine Methode entwickelt, mit der auch eine nationale Hungerstudie erstellt werden kann. Ziel des CWS ist, den Hunger in Indien sichtbar zu machen.

Die Studie zeigt, dass es verschiedene Formen von Hunger gibt. Akuter Hunger wird z.B. durch Nahrungsmittelkrisen und Katastrophen ausgelöst. Von chronischem Hunger sind Menschen betroffen, die an Unterernährung durch andauernden und wiederkehrenden quantitativen und qualitativen Mangel an Nahrung leiden. Frauen, Behinderte und ältere Menschen werden häufig aufgrund von soziokulturellen Traditionen und Einstellungen bei der Verteilung von Essen benachteiligt. Sie leiden besonders häufig an "unsichtbarem Hunger".

Die Studie belegt auch, dass in Indien Menschen trotz existierender staatlicher Nahrungsverteilungsprogramme nicht genug Nahrung zum Überleben haben. Häufig funktionieren diese Programme aus Gründen der Korruption nicht. In einem Dorf fehlt den Familien nach Angaben der Studie monatlich 6,5 kg Getreide, um den Mindestbedarf ihres Haushaltes zu decken.

In diesem Zusammenhang machte Monimoy Sinha deutlich, dass in Indien genügend Nahrungsmittel produziert werden, um die Bevölkerung zu ernähren. Seiner Meinung nach liegt das Problem in der falschen Verteilung der Nahrungsmittel.

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4 INDISCHER AKTIVIST, DER SICH FÜR DAS RECHT AUF NAHRUNG EINSETZTE, ERMORDET

Am 14. Mai wurde im indischen Unionsstaat Jharkhand der 36 jährige Menschenrechtsaktivist Lalit Mehta brutal ermordet. Lalit Mehta arbeitete mit dem Centre for World Solidarity (CWS), der wichtigsten indischen Partnerorganisation der ASW, zusammen und setzte sich für das Menschenrecht auf Nahrung ein. Insbesondere kämpfte er gegen die weitverbreitete Korruption bei Behörden, an der staatliche Hungerbekämpfungsprogramme scheitern. Zu diesen zählt etwa das Programm "National Rural Employment Guarantee Scheme" (NREGS), das jedem ländlichen Haushalt in den ärmsten Distrikten ein Minimum von 100 Tagen Arbeit im Jahr garantiert.

Vor seinem Tod arbeitete Mehta an einer Studie zum NREGS, die insbesondere die soziale Bilanz des Programmes erfassen sollte. Er deckte dabei Unregelmäßigkeiten und Korruption auf.
Lalit Mehta hinterließ seine Ehefrau und zwei Kinder.

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5 AUF POLITISCHES CHAOS IN SIMBABWE FOLGT ERNÄHRUNGSUNSICHERHEIT: EIN BERICHT VON ASW-PARTNERN

Die Lage in Simbabwe ist einen Tag vor der Stichwahl um das Präsidentenamt am 27. Juni total unübersichtlich. Einschüchterung und Terror durch das Regime von Robert Mugabe haben in den vergangenen Wochen neue Dimensionen erreicht. Die Opposition beklagt mittlerweile 86 Tote unter ihren Anhängern. Der Präsidentschaftskandidat von der oppositionellen MDC, Morgan Tsvangirai, will sich jetzt nicht mehr an der Wahlfarce beteiligen. Als wäre das nicht genug wird auch die wirtschaftliche Lage im Land immer kritischer.

Ein Bericht einer ASW-Partnerorganisation in Simbabwe bringt den politischen und wirtschaftlichen Niedergang des Landes in einen Zusammenhang. Er zeigt auch, dass Mugabe alles tut, um die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen zum Erliegen zu bringen. Den Namen unserer Partnerin und Ortsnamen haben wir nicht genannt, um ihre Sicherheit nicht zu gefährden.

"Es ist kaum noch möglich, mit den Gemeinschaften in unserer ländlichen Region zu arbeiten, da jedes Zusammentreffen als politische Versammlung verdächtigt und infolgedessen verboten wird.
Es gibt vor allem politische Gewalt. Es scheint, dass sich die Lage von Tag zu Tag verschlimmert. In einem Distrikt, wo Mitglieder von uns ein Gartenprojekt betreiben, haben auch Veteranen der ZANU-PF Partei Mugabes und deren Milizen ihr Lager aufgeschlagen. Die NGOs sollen in diesem Gebiet ihre Aktivitäten bis zur Wahl im Juni einstellen. Die Mitglieder der Gartengruppen können nur am Morgen bis zehn Uhr arbeiten. Danach starten die Milizen ihre täglichen "Übungen".
Eine unserer Mitarbeiterinnen wurde für die oppositionelle MDC Partei in den Gemeinderat gewählt. Als sie im Garten arbeitete, kamen die Veteranen und zwangen sie, bei sich zu Hause ein Treffen für die ZANU-PF Partei abzuhalten. Sie hinderten sie daran, weiter im Garten zu arbeiten um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie war gezwungen, den Anweisungen von den Kriegsveteranen und jungen Milizen zu gehorchen, um ihr Leben zu retten."

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6 PLANET DIVERSITY - ASW-PARTNER AUS DEM SENEGAL UND INDIEN BERICHTEN ÜBER ERFOLGREICHEN ÖKOLOGISCHEN ANBAU

"Lokal, vielfältig, gentechnikfrei"- unter diesem Motto fand vom 12. bis 16. Mai 2008 in Bonn die internationale Konferenz "Planet Diversity" statt. Eine Woche vor der UN-Konferenz (9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt) berieten mehr als 600 Bauern, WissenschaftlerInnen und AktivistInnen aus aller Welt über den Erhalt der Biodiversität und die Zukunft von Ernährung und Landwirtschaft. Zwei ASW-Projektpartner aus dem Senegal, Lamine Biaye von ASPSP und Sara Camara von UCEM sowie fünf Vertreter der indischen Partnerorganisation DDS nahmen an Planet Diversity teil, um über ihre positiven Erfahrungen mit ökologischer Landwirtschaft und der Wiederentdeckung von lokalem Saatgut zu berichten.

Ein aktuelles Interview mit Sara Camara finden Sie unter
http://www.planet-diversity.org/programme/workshops/forum.html?tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_post&tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=160

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7 GROSSER ERFOLG DER UMWELTAKTIVISTEN IN BRASILIEN: NEUES REGENWALD-SCHUTZGEBIET AM XINGU-FLUSS EINGERICHTET

Anlässlich des "Welttages der Umwelt" am 5. Juni kündigte der brasilianische Präsident Lula da Silva die Einrichtung von drei weiteren Schutzgebieten im Amazonasgebiet an. Darunter ist auch das Regenwaldreservat am Xingu-Fluss, dessen Einrichtung ASW-Partnerorganisationen seit Jahren fordern. Erst im Februar 2008 war der Präsident der Anwohnervereinigung, Herculano Costa Silva, entführt und bedroht worden, so dass er sein Land verlassen musste.

"Es hat lange gedauert, aber jetzt ist soweit. Neues Leben wird im Mosaik der Terra do Meio entstehen. Es hat nur noch dieses Teilstück gefehlt, um ein großes Gebiet komplett schützen zu können. Die Einrichtung des Reservats ist ein großer Schritt im Kampf gegen die Bedrohung der Natur und der Menschen, die dort leben. Ich bitte jetzt den Präsidenten um Unterstützung für meine persönliche Sicherheit, damit ich zu meiner Familie zurückkehren kann", erklärte Herculano Costa Silva, der während der Zeremonie im Sitz des Präsidenten anwesend war.

Das Sammelreserverat am Xingu-Fluss gehört mit 303.800 Hektar zu den kleineren Schutzgebieten. Seine Einrichtung ermöglicht es jetzt aber, ein zusammenhängendes Regenwaldgebiet von insgesamt 28 Millionen Hektar im brasilianischen Bundesstaat Pará zu schützen.

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8 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: WALDSCHUTZ IST BESTER KLIMASCHUTZ

Eines der größten und artenreichsten Regenwaldgebiete der Welt liegt im östlichen Amazonasbecken im Bundesstaat Para. Unterstützt von der ASW engagieren sich hier Kleinbauern, Kautschukzapfer und indigene Gruppen für die Einrichtung von speziellen Schutzgebieten. Mit Erfolg: seit 2004 wurden bereits drei solcher "Reservas Extrativistas" eingerichtet, am 5. Juni 2008 kam das Reservat am Xingu-Fluss hinzu. Auf fast 2,75 Millionen Hektar darf der Regenwald zukünftig nur noch nachhaltig genutzt werden.

Die Menschen in der Region haben sich so eine langfristige Perspektive geschaffen. Denn die Ölgewinnung aus der Paranuss oder das Kautschukzapfen bieten nur dann eine Lebensgrundlage, wenn das Ökosystem des Regenwaldes möglichst intakt bleibt. Doch auch innerhalb der Schutzgebiete dauern die illegalen Abholzungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Holzfällern weiter an. Großbauern, die ihre Ländereien verlassen müssten, bleiben auf ihrem nicht rechtmäßig in Besitz genommenen Land.

Deshalb unterstützt die ASW das Komitee für nachhaltige Entwicklung in Porto de Moz und die Gemeinden an den Flüssen Xingu, Iriri und Anfrísio ganz praktisch: Neue CB-Funkstationen ermöglichen es ihnen, bei Notfällen Hilfe zu rufen. Mit einem eigenen Boot können die Sammlerprodukte jetzt ohne Zwischenhändler in größeren Orten direkt vermarktet werden. Und Röstöfen zur Konservierung von Maniokmehl tragen zur Ernährungssicherheit bei.

All dies ermöglicht - auch kurzfristig - eine Lebensperspektive für die Menschen, ohne die auch der Schutz des Waldes nicht möglich ist.

Helfen Sie mit - durch Ihre Spende:
www.aswnet.de/brasilien/spendenaufruf.html

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