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NEWSLETTER JUNI 2009



1 EDITORIAL

2 VERÄNDERUNGEN SIND MÖGLICH - DIE ARBEIT DER ORGANISATION LAFTI IN SÜDINDIEN

3 SIMBABWE: DER ERFOLGREICHE EINSATZ DES ASW-PARTNERS DABANE TRUST GEGEN DIE CHOLERA MUSS WEITERGEHEN

4 BRASILIEN: JURISTISCHER TEILERFOLG GEGEN DAS STAUDAMMPROJEKT BELO MONTE

5 AKTUELLER SPENDENAUFRUF, BURKINA FASO: GEGEN GEWALT - AUCH WENN SIE TRADITION HAT

6 DER JAHRESBERICHT 2008 DER ASW IST ERSCHIENEN

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1 EDITORIAL

Die Kongresspartei ist als klare Siegerin aus den indischen Parlamentswahlen im Mai 2009 hervorgegangen. Sie kann mit diesem Mandat ihre durch Sozialprogramme abgemilderte wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik im Interesse der städtischen Mittelschichten fortsetzen. Eine durchschlagende Verbesserung der Lage der benachteiligten ländlichen Bevölkerungsmehrheit ist von dieser Politik nicht zu erwarten.

Wie in den zurückliegenden Dekaden müssen Veränderungen zugunsten benachteiligter Gruppen von zivilgesellschaftlichen Organisationen erkämpft werden. Wie solche Veränderungen erreicht werden können und wie weit sie tragen - darüber sprach Krishnammal Jagannathan auf ihrer von der ASW organisierten Deutschlandrundreise im Mai 2009. Krishnammmal, die 2008 mit dem alternativen Nobelpreis geehrt wurde, stellte die Arbeit der von ihr gegründeten ASW-Partnerorganisation LAFTI auf neun öffentlichen Veranstaltungen rund 800 Interessierten vor.

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2 VERÄNDERUNGEN SIND MÖGLICH - DIE ARBEIT DER ORGANISATION LAFTI IN SÜDINDIEN

"Das Land denen, die es bebauen" ist die Parole aus zahlreichen Landreformbewegungen dieser Welt. Krishnammal Jagannathan hat ihre 1981 in Tamil Nadu gegründete NRO "Land for the Tillers Freedom" genannt (Land für die Freiheit der landlosen Tagelöhner). Denn die Ausbeutung von Landlosen durch Großgrundbesitzer, die es weltweit über die Jahrhunderte gab und gibt, wird in Indien durch das Kastensystem noch verschärft: In den meisten Gegenden des Subkontinents sind es kastenlose Menschen, die als Sklavenarbeiter den Grundbesitzern dienen.

Zur Ausbeutung dieser Menschen, die früher "Unberührbare" genannt wurden und sich heute selbst "Dalits"(Zerbrochene) nennen, kommt noch eine extreme Diskriminierung hinzu. Sie müssen am Rande der Dörfer leben, dürfen keine öffentlichen Brunnen nutzen, keine Tempel betreten. Der indischen Verfassung und indischen Gesetzen zufolge darf es diese Diskriminierung gar nicht mehr geben. Aber sie besteht fort - auch davon handelten etliche Episoden, die die 83-jährige Krishnammal, selbst eine Dalit, auf ihrer Rundreise berichtete.

1968 wurden in der Region Nagapattinam, wo heute LAFTI aktiv ist, 44 Dalitfrauen von Landlords in eine Hütte gesperrt und verbrannt, weil ihre Gemeinschaft es gewagt hatte, höhere Löhne für die Feldarbeit zu fordern. Solche Akte von Kollektivbestrafung durch höherkastige Gruppen sind typisches Dalitschicksal.
"Die Dalits müssen Bildung erwerben, damit sie auch ihre Rechte kennen lernen", informierte Krishnammal. "Und sie müssen sich aus der sklavenähnlichen Abhängigkeit von den Landlords befreien."

Das funktioniert am zuverlässigsten, wenn sie das Land, das sie bebauen, selbst besitzen. Daher hat LAFTI seit 1981 ein Landkaufprogramm etabliert. Mit staatlichen Fördergeldern und günstigen Bankkrediten kauft LAFTI den Landbesitzern Land ab. Jeweils ein Acre (0,4 Hektar) wird davon einer Dalitfamilie auf Kreditbasis zugeteilt - das Geld muss innerhalb von 5 Jahren zurückbezahlt werden. Dieses Vorgehen funktioniert, weil die Menschen sich zu Kooperativen zusammenschließen und sich gegenseitig unterstützen.
Das Resultat: 13.500 Dalitfamilien sind heute Landbesitzer - und das Land wurde zudem auf die Namen der Frauen eingetragen. "Das ist eine kleine Revolution", findet auch Krishnammal, die durch ihren zähen Einsatz und ihre Reputation sehr viel erreicht hat.

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3 SIMBABWE: DER ERFOLGREICHE EINSATZ DES ASW-PARTNERS DABANE TRUST GEGEN DIE CHOLERA MUSS WEITERGEHEN

Mit Beginn der Regenzeit im November diesen Jahres wird ein erneuter Ausbruch der Cholera in Simbabwe erwartet. Sollte sich der desolate Zustand der Abwasserinfrastruktur bis dahin nicht verbessert haben, droht ein herber Rückschlag in der Eindämmung der Epidemie, die sich seit 2008 im ganzen Land ausgebreitet und bereits über 4000 Todesfälle gefordert hat.

Der ASW-Partner Dabane Trust ist mittlerweile zu einem wichtigen Akteur im Kampf gegen die Cholera geworden. In wachsendem Umfang stellt die Organisation den Gemeinden ihre Kenntnisse in der Wasseraufbereitung zur Verfügung und baut zusammen mit diesen Sandfiltertanks (Wir berichteten in Newsletter 12/2008.) Zusätzlich unterstützt Dabane die teilweise überforderten Gemeinden und Gesundheitsbehörden bei Kampagnen zur Choleraaufklärung sowie bei der Verteilung von Wasseraufbereitungspräparaten.

Die Zusammenarbeit unterschiedlicher lokaler und internationaler Akteure auf mehreren Ebenen der Cholerabekämpfung zeigt erste Erfolge. Im März 2009 verzeichnete die WHO die Eindämmung der Cholera aufgrund von Aufklärungskampagnen, abnehmendem Regen sowie verbessertem Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dabane Trust hat dazu im Einsatzgebiet beigetragen. Im Hinblick auf die negativen Prognosen für die kommende Regenzeit jedoch muss die Arbeit von Dabane Trust weitergehen, damit die Zahl der Toten nicht weiter steigt.

Spenden bitte unter Kennwort "Umweltfonds Afrika".

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4 BRASILIEN: JURISTISCHER TEILERFOLG GEGEN DAS STAUDAMMPROJEKT BELO MONTE

"Wir müssen das Staudammprojekt Belo Monte unbedingt verhindern", sagte Antonia Melo von der ASW-Partnerorganisation "Stiftung Leben, Produzieren und Schützen" im Interview mit der ASW im April 2009. Ein Teilerfolg wurde jetzt vor Gericht erzielt, den die Umweltaktivistin nachdrücklich begrüßte.

Am 2.6.2009 stoppte Antonio Carlos Almeida Campelo, zuständiger Richter am Bundesgericht von Altamira im Bundesstaat Pará, das Genehmigungsverfahren für Belo Monte, da die vorgelegten Gutachten lückenhaft sind. Insbesondere fehlen das vorgeschriebene "Integrierte Umweltgutachten" und anthropologische Untersuchungen über die Folgen des Staudammbaus auf die indigen Völker am Rio Xingu.
Die Umweltbehörde IBAMA hatte die Gutachten - trotz der jetzt gerichtlich festgestellten Mängel - im Mai 2009 bereits akzeptiert und muss nun seine Gründe dafür dem Gericht darlegen. Bis zur Klärung ist die Fortsetzung des Genehmigungsprozesses durch öffentliche Anhörungen oder die Bewilligung von Geldern der staatlichen Entwicklungsbank BNDES für Baumaßnahmen ausgesetzt.

Das Staudammprojekt Belo Monte wurde bereits vor 20 Jahren geplant, seine Umsetzung wird von der Regierung Lula entschieden vorangetrieben. Nach seiner Fertigstellung wäre Belo Monte das zweitgrößte Wasserkraftprojekt Brasiliens. Die organisierte Zivilgesellschaft Amazoniens schätzt die sozialen und ökologischen Folgen von Belo Monte als verheerend ein. Im Mai 2008 trafen sich mehr als 3.000 Vertreter indigener Völker, Flussanwohner und UmweltaktivistInnen zum "Grito de Guerra dos Povos Indigenas", um gegen den Bau von Belo Monte zu protestieren. Die ASW unterstützte dieses Treffen.

Das komplette Interview mit Antonia Melo unter: http://www.lateinamerikanachrichten.de

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5 AKTUELLER SPENDENAUFRUF, BURKINA FASO: GEGEN GEWALT - AUCH WENN SIE TRADITION HAT

Trotz eines gesetzlichen Verbotes werden in Burkina Faso noch immer Frauen und Mädchen an den Genitalien verstümmelt. Die ASW-Partnerorganisation "Association pour la Promotion Féminine de Gaoua" (APFG), die im Südwesten Burkina Fasos tätig ist, hat sich zum Ziel gesetzt, diese Praxis in ihrer Region zum Verschwinden zu bringen. Die Organisation erzielt große Erfolge mit ihrer Aufklärungsarbeit, die die Kultur der Ethnien des Südwestens einbezieht.

Der Dorfgemeinschaft werden neue, gewaltfreie Rituale angeboten, mit denen sie den Übertritt der Mädchen ins Erwachsenenalter zelebrieren können. Die Beschneiderinnen werden einbezogen, denn ihnen wird die Ausführung des neuen Rituals übertragen. Begleitend werden in Gesprächen und mit Theateraufführungen die Männer über die gesundheitlichen Konsequenzen des Eingriffs informiert.

Sobald die Beschneiderinnnen von dem neuen, unblutigen Ritual überzeugt sind, bildet APFG sie zu Beraterinnen weiter. Diese bewegen dann die in den Dörfern noch tätigen Beschneiderinnen dazu, die alte Praxis aufzugeben. Mit diesem Konzept hat APFG von 1995 bis 2009 über 10.000 Mädchen in 55 Dörfern vor der Beschneidung gerettet.

Der zweite Programmschwerpunkt von APFG sind Projekte zur Bildung und zur Förderung des Einkommens von Frauen. Sie stärken ihre Unabhängigkeit und ihre Fähigkeit, für ihre Rechte einzustehen.


Bitte unterstützen Sie die "Association pour la Promotion Féminine de Gaoua" im Südwesten Burkina Fasos in ihrem Kampf gegen die Genitalverstümmelung:



http://www.aswnet.de/westafrika/spendenaufruf.html

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6 DER JAHRESBERICHT 2008 DER ASW IST ERSCHIENEN

Die Juniausgabe unserer Zeitschrift "Solidarische Welt" enthält den Jahresbericht 2008 der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V.. Interessierte Leserinnen und Leser können sich die Printausgabe oder die pdf-Version kostenlos zusenden lassen. Bestellungen bitte per Mail an mail@aswnet.de

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