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NEWSLETTER JUNI 2010

1 60 JAHRE INDISCHE VERFASSUNG - WIE STEHT ES UM DIE GERECHTIGKEIT?

2 BENACHTEILIGT UND IN IHRER EXISTENZ BEDROHT: INDISCHE KLEINBAUERN UND INDIGENE

3 EIN LICHTBLICK FÜR INDIENS FRAUEN? FRAUENQUOTE IM PARLAMENT NÄHER GERÜCKT

4 SOLIDARITÄTS-FAHRRADTOUR ZUM DORF ‚AFRIKA’ IN BRANDENBURG - FÜR KURZENTSCHLOSSENE IST NOCH PLATZ

5 BRASILIEN: PROTESTE AM INTERNATIONALEN TAG DER FRAUENGESUNDHEIT

6 ERSTE FUßBALL-WM IN AFRIKA - DIE WESTSAHARA BLEIBT IM ABSEITS

7 SPENDENAUFRUF: INDIGENE GEMEINSCHAFTEN IN INDIEN KÄMPFEN FÜR IHR ÜBERLEBEN


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1 60 JAHRE INDISCHE VERFASSUNG - WIE STEHT ES UM DIE GERECHTIGKEIT?

Vor 60 Jahren trat die indische Verfassung in Kraft. Ihre Präambel verspricht allen Bürgern soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit und Artikel 15 verbietet ausdrücklich die Diskriminierung aufgrund von Kastenzugehörigkeit. Dennoch gehört die Benachteiligung von kastenlosen Menschen noch immer zum indischen Alltag.
Zum Beispiel gibt es bei kastenlosen UnistudentInnen eine erschreckend hohe Selbstmordquote, weil diese von MitstudentInnen und von UnidozentInnen gedemütigt und an der Entfaltung ihrer Fähigkeiten gehindert werden.

Unsere indische Partnerorganisation NATIONAL DALIT FORUM hat in Zusammenarbeit mit anderen NGOs eine Kampagne zur Beendigung der Kastendiskriminierung in Ausbildungsinstitutionen gestartet.

Um diese Kampagne zu unterstützen, können Sie online eine Petition an die indische Staatspräsidentin Pratibha Devisingh Patil unterzeichnen:
http://www.petitiononline.com/93466770/petition.html

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2 BENACHTEILIGT UND IN IHRER EXISTENZ BEDROHT: INDISCHE KLEINBAUERN UND INDIGENE

60 Jahre nach Inkrafttreten der im internationalen Vergleich fortschrittlichen Verfassung ist die indische Gesellschaft noch immer weit von sozialer Gerechtigkeit entfernt. Daran hat auch das beeindruckende Wirtschaftswachstum der vergangenen 15 Jahre nichts ändern können. Im Gegenteil: Teilen der Bevölkerung, insbesondere Kleinbauern, Landlosen und Indigenen, geht es heute schlechter als zu Beginn des Booms. Kleinbauern sind vor allem die Verlierer der von der Regierung propagierten Agrarmodernisierung.
Die Opfer von Bergbau- und Infrastrukturprojekten sind die indischen Indigenen (Adivasi), die meist in rohstoffreichen Bergregionen siedeln. Sie werden, obwohl sie gesetzlich gesicherte Kollektivrechte an ihrem Land haben, von einer Allianz von Unternehmen und indischem Sicherheitsapparat vertrieben. Aktuell findet in Bundesstaaten mit einem großen Anteil an Adivasibevölkerung die "Operation Green Hunt" statt, die sich offiziell gegen die maoistischen Naxaliten richtet, im Ergebnis allerdings einer großen Offensive der Vertreibung auch noch der letzten indigenen "Störfaktoren" in rohstoffreichen Gebieten gleichkommt.

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3 EIN LICHTBLICK FÜR INDIENS FRAUEN? FRAUENQUOTE IM PARLAMENT NÄHER GERÜCKT
Erfreulicher sind die Entwicklungen für Indiens Frauen. Obwohl gerade auf dem Land die Unterdrückung von Frauen ungebrochen ist - Zwangsverheiratungen von Minderjährigen, Zwangsprostitution und häusliche Gewalt sind an der Tagesordnung - , organisieren sich immer mehr Frauen und fordern erfolgreich ihre Rechte ein. Der indischen Frauenbewegung ist zu verdanken, dass Politiker seit 13 Jahren die Einführung einer Frauenquote für das Nationalparlament diskutieren und diese 33-Prozent-Quote im März 2010 vom indischen Oberhaus beschlossen wurde. Jetzt muss noch das Unterhaus seine Zustimmung erteilen - das Gesetz wird nicht nur vom regierenden Kongress, sondern auch von der oppositionellen hindu-nationalistischen BJP unterstützt.

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4 SOLIDARITÄTS-FAHRRADTOUR ZUM DORF ‚AFRIKA’ IN BRANDENBURG - FÜR KURZENTSCHLOSSENE IST NOCH PLATZ

Kurzentschlossene sind herzlich eingeladen, am kommenden Samstag, den 19.06, mit uns, der ASW, und einer kleinen Gruppe von sympathischen FahrradfahrerInnen von Berlin/Bernau bzw Eberswalde in das Dorf Afrika in der Uckermark zu radeln.
Wir fahren kein Rennen, sondern radeln in gemütlichem Tempo. Den Abend lassen wir mit einem kleinen Fest, afrikanischen Speisen und Getränken im nahegelegenen Flieth-Stegelitz ausklingen. Neben dem Spaß am gemeinsamen Radfahren wollen wir die Tour nutzen, um über drei unserer Projekte in Afrika zu informieren.
Genaueres zur der Solidaritäts-Radtour finden Sie auf der Homepage
http://www.radtour-afrika.de

Auch denjenigen, die sich bereits angemeldet haben, empfehlen wir, sich auf dieser Seite über den aktuellen Stand bei den Bahnverbindungen zu informieren.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen unter der Mailadresse engagement@aswnet.de zur Verfügung. In ganz dringenden Fällen können Sie uns unter der Telefonnummer 0178 - 83 66 44 0 erreichen.

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5 BRASILIEN: PROTESTE AM INTERNATIONALEN TAG DER FRAUENGESUNDHEIT

Am diesjährigen Frauengesundheitstag am 28. Mai demonstrierten 250 Frauen in der Kleinstadt Vitória de Santo Antão im Bundesstaat Pernambuco gegen die Missstände in Krankenhäusern. Unterstützt von der feministische Theatergruppe Loucas de Pedra Lilás forderten sie lautstark die Selbstbestimmung von Frauen über ihren Körper. Der Internationale Tag der Frauengesundheit wurde 1987 in Costa Rica anlässlich der 5. Internationalen Frauengesundheitskonferenz ausgerufen.

Die Müttersterblichkeit ist im Bundesstaat Pernambuco besonders hoch, in den wenigsten Fällen wird die Todesursache anschließend aufgeklärt. Wie in allen Kliniken in Brasilien werden sehr häufig Kaiserschnitte durchgeführt: bei 43 % aller Geburten. Nach Empfehlungen der WHO soll die Kaiserschnitt-Rate 15% nicht übersteigen. "Gebärindustrie - Gesundheit ist keine Ware!" hieß es deshalb auf einem der Plakate der protestierenden Frauen.

Die Theatergruppe Loucas de Pedra Lilás beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit der hohen Müttersterblichkeit im Bundesstaat Pernambuco. Mitglieder der Theatergruppe gehören einer Kommission zur Untersuchung dieser Fälle an. Gigi Bandler von den Loucas beschreibt die Situation folgendermaßen: "Gerade sozial schwache Frauen werden in den Krankenhäusern häufig von dem überforderten Personal schlecht betreut. Patientinnen werden viel zu spät behandelt, erhalten keine Informationen und werden nicht dem Ernst ihres Gesundheitszustandes entsprechend überwacht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in Brasilien viele Frauen heimliche Abtreibungen vornehmen und danach im Krankenhaus verbluten. Diskriminierungsfreies, schnelles Eingreifen könnte viele Frauen retten."

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6 ERSTE FUßBALL-WM IN AFRIKA - DIE WESTSAHARA BLEIBT IM ABSEITS

Die ganze Welt verfolgt zurzeit die erste Fußball-WM in einem afrikanischen Land. Der Gastgeber Südafrika zeigt sich der Herausforderung einer solchen Megaveranstaltung durchaus gewachsen. Und viele afrikanischen Länder, deren Mannschaften in Durban, Johannesburg und den anderen Orten auf dem Spielfeld dabei sind, hoffen auf einen Imagegewinn.

Völlig im Abseits des Großereignisses sind dagegen die rund 100.000 Menschen aus der Westsahara, die seit Jahrzehnten in Flüchtlingslagern auf dem Territorium des WM-Teilnehmers Algerien leben. Ihre Situation ist perspektivloser denn je. Nach einem Waffenstillstand zwischen Marokko und der sahrauischen Unabhängigkeitsbewegung sollten die Menschen schon 1991 per Referendum über ihre Zukunft entscheiden. Marokko blockierte diese Abstimmung und verhindert bis heute jede Lösung nach den Regeln des Völkerrechts.
Besonders Kinder und Jugendliche leiden unter der auswegslosen Situation. Um diesen eine Perspektive zu geben, unterstützt die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V. (ASW) Projekte im Flüchtlingslager Smara und Ferien für sahrauische Kinder in Deutschland.
http://www.solidarische-welt.de/westsahara-jugendarbeit.html

Fußball ist den Kindern in den Flüchtlingslagern genauso wichtig wie überall auf dieser Welt. Denn selbst in der unwirtlichen Geröllwüste lässt sich mit einem Ball ein Spiel spielen, das begeistert, Selbstvertrauen und Teamfähigkeit fördert und von den Sorgen des Alltags ablenkt. Und natürlich würden die jungen Sahrauis gerne ihrer Mannschaft zujubeln: Es gibt auch eine Nationalmannschaft und einen Verband - aber dieser ist aufgrund der völkerrechtlich ungeklärten Situation der Besatzung Marokkos nicht bei der afrikanischen CAF und somit auch nicht bei der FIFA zugelassen. Damit steht die Westsahara in einer vergleichbaren Situation wie Tibet - im Abseits!

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7 SPENDENAUFRUF: INDIGENE GEMEINSCHAFTEN IN INDIEN KÄMPFEN FÜR IHR ÜBERLEBEN

Der Niyamgiri-Berg in Orissa ist den indigenen Gemeinschaften der Dongria Kondh heilig. Sie leben von dem, was seine Wälder und Flüsse ihnen zur Verfügung stellen. Seit Jahren verschmutzt eine Aluminiumfabrik des britisch-indischen Konzerns Vedanta die Region. Jetzt soll der heilige Berg zur Bauxit-Gewinnung abgebaut werden.

Adivasi-Gemeinschaften wie die Dongria Kondh sind die Verlierer des indischen Wirtschaftsbooms. Sie werden aus den rohstoffreichen Bergregionen vertrieben, häufig mit Gewalt und unter Umgehung geltender Gesetze. Die bekannte indische Schriftstellerin und Aktivistin Arundhati Roy sprach kürzlich gar von einem Völkermord an den Adivasi.

Unsere Partnerorganisation FARR arbeitet seit vielen Jahren in 28 Dörfern der Niyamgiri-Region. In Workshops werden die Gesetze zum Schutz der Adivasi und der Wälder vermittelt. Denn nur wer seine Rechte kennt, kann auch entschlossen für diese eintreten. Vielfältige Programme zur Stärkung der Frauenrechte, Gesundheitscamps oder die Einführung von Saatgutbanken haben die Lebenssituation der Kondh deutlich verbessert.

Für die FARR- Koordinatorin Pramilla Swain ist die geplante Mine eine Katastrophe, die all diese Erfolge zunichte macht. „Die Ökosysteme werden unwiderruflich zerstört und damit die Überlebensgrundlage der Dongria Kondh. Dagegen wehren sich die Menschen hier mit äußerster Entschlossenheit. Sie wissen, es geht um ihre Zukunft und ihr Überleben.“

Unterstützen Sie bitte die Arbeit von FARR, damit die Dongria Kondh in den Niyamgiri- Bergen ihre Lebensgrundlagen verteidigen können:

http://www.aswnet.de/indien/spendenaufruf.html

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