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NEWSLETTER JULI 2012

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1 Rio+20 und der ‘Gipfel der Völker’
2 Spendenaufruf: Die Getreidespeicher im Sahel rechtzeitig füllen
3 Eindrücke eines ASW-Unterstützers vom Gipfel der Völker in Rio
4 Stimmen von ASW-Partnern zum Gipfel der Völker
4 Senegal: Hoffnungsträger Macky Sall hat jetzt auch eine parlamentarische Mehrheit
5 Ackerbau ohne Pestizide - ein Erfolgsrezept für Indiens Kleinbauern
1 Rio+20 und der ‘Gipfel der Völker’
Am 22.06.12 ging in Rio die UN-Umweltkonferenz Rio+20 mit einem enttäuschenden Ergebnis zu Ende. Die von der brasilianischen Regierung aus dem Dokument der Vorverhandlungen kompilierte 48-seitige Abschlusserklärung war so zahnlos, dass alle Staaten und Ländergruppen unterzeichnen konnten. Bindende Verpflichtungen und Zeitvorgaben für Klima-, Ressourcen- und Artenschutz sowie eine nachhaltige Entwicklung fehlen. „Wieder einmal wird das Interesse der Mehrheit der Weltbevölkerung und insbesondere der Ärmsten nicht berücksichtigt“, resümierte unsere Partnerin Rakieta Poyga, Koordinatorin der Frauenorganisation ABN in Burkina Faso, in einer Mail.

Parallel zum UN-Umweltgipfel versammelten sich in Rio aber auch Vertreter von Zivilgesellschaft und Indigenenverbänden zum Peoples’ Summit. Brasilianische ASW-Partner waren dabei, ebenso unser langjähriger Unterstützer Uli Bosch.
Deren Eindrücke lesen Sie unter 3 und 4.
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2 Spendenaufruf: Die Getreidespeicher im Sahel rechtzeitig füllen
Für die Menschen in der Sahelzone wird die Ernährungslage immer dramatischer. Nach drei schlechten Regenzeiten sind die Reserven aufgebraucht. "Im Moment essen wir nur noch eine Mahlzeit täglich, seit März ist die Nahrung wirklich knapp“, beschreibt der Kleinbauer Seye Ndiaye aus dem Tal von Mininky die Situation.
Hier, im östlichen Senegal, arbeitet der ASW-Projektpartner UCEM seit vielen Jahren an der Überwindung der immer wieder auftauchenden Nahrungsengpässe. Sie werden verstärkt, weil in Dürrezeiten Saatgut-Vorräte aufgegessen und Tiere verkauft werden müssen.
Hier setzen die Ideen der solidarischen Getreidespeicher und der Gemeinschaftsfelder unseres Partners an. Die besonders betroffenen Familien erhalten Nahrung aus den Getreidespeichern als „Kredit“. So gehen das Saatgut oder die Tiere in der Krise nicht verloren, und die Kleinbauern können die nächste Aussaat optimal vorbereiten.
Doch in diesem Jahr ist es auch im Tal von Mininky knapp. Um die Ernährung der Familien der Region zu sichern, muss UCEM nun teures Getreide auf den Märkten dazukaufen.
Wir bitten Sie deshalb um Ihre solidarische und großzügige Unterstützung für die Familien im Senegal. Ihre Spende heute hilft, damit morgen dort niemand an Hunger leiden muss!
Zum Spendenaufruf
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3 Eindrücke eines ASW-Unterstützers vom Gipfel der Völker in Rio
„ Vielleicht war es eine gute Strategie, beim Peoples’ Summit dabeizusein, um halbwegs von der Post-Rio+20-Depression verschont zu bleiben“, mailte uns unser Unterstützer Uli Bosch. Er bezog sich dabei auf das magere Ergebnis der UN-Konferenz, das die Teilnehmer des Alternativgipfels vorhergesehen hatten. Als umso lebendiger erlebte Uli Bosch ihre Diskussionen.

1) Welch lebendiges Gewusel in der Zeltstadt im Flamengo-Park! Es war nahezu unmöglich, in einer machbaren Zeit das angepeilte Zelt zu finden. Die beste Strategie war, sich vom Strom zu einer interessanten Debatte tragen zu lassen…

2) Brasilianische Indigene überall, im vollen Ornat, bemalt und mit Federschmuck. Sie standen sehr sichtbar da, formulierten ihre Ansprüche und machten nicht den Eindruck, als könnte man sie noch einmal als unbedeutende, zurückgebliebene Minderheit abdrängen.

3) Aus der Perspektive des Südens sieht diese Welt offensichtlich anders aus: ‚Green Economy’ oder das Waldschutzinstrument REDD+ wurden von Rednern und Rednerinnen als Versuche des Kapitals gewertet, auch noch das letzte Stück Natur seinen Bewohnern und Nutzern zu entziehen. Die Monetarisierung der Natur ist somit nicht eine in-Wert-Setzung von Allgemeinbesitz, der bisher kostenfrei der privaten Bereicherung ausgeliefert war, sondern dient der Profitmaximierung der Mächtigen.

5) Die lateinamerikanischen Volksbewegungen, soweit auf dem Alternativgipfel vertreten, sind nicht traditionell sozialistisch. Die Wichtigkeit der Ökologie und der kleinbäuerlichen Produktion wurden überall betont, Ökologie und soziale Lage in direkten Zusammenhang gestellt. Der industriefixierte Fortschrittsglaube hat auch dort einen Knacks bekommen, kaum dass die Industrialisierung richtig losgeht.
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4 Stimmen von ASW-Partnern zum Gipfel der Völker
Einige der brasilianischen ASW-Partner hatten die Gelegenheit, selbst nach Rio zu reisen und sich beim Peoples’ Summit einzubringen. Silke Tribukait, die zurzeit in Brasilien Projekte besucht, sammelte ihre Statements.
„Es war wunderbar und hat uns Mut gemacht weiter zu kämpfen“, bekannte Matheus Otterloo vom amazonischen Netzwerk FAOR. „Wir hatten das nötig uns gegenseitig zu motivieren und unsere Batterien aufzuladen.“
Dona Dije, die die Bewegung der Babacu-Nussknackerinnen MIQCB koordiniert,
hat in einer Videokonferenz auf den Kampf ihrer Bewegung aufmerksam gemacht. „Wir dürfen bei solchen Veranstaltungen nicht fehlen!“
Für Eidia aus einer abgelegenen Quilombola-Gemeinde des FAOR-Projektes Ijè Ofê ging mit der Reise nach Rio ein Traum in Erfüllung. „Klar war es hart. Ich brauche ja schon Stunden mit dem Boot nur bis Belém. Und von dort sind wir 74 h mit dem Bus nach Rio gefahren. Ich bin die erste aus unserem Dorf, die soweit weg an einer Veranstaltung teilgenommen hat. Und die vielen Menschen aus den anderen Ländern. So etwas habe ich noch nie vorher gesehen. Ich werde jetzt viele neue Ideen mit in mein Dorf nehmen.“ Auch die Koordinatorin des Ijè Ofê-Projektes von FAOR, Maria Luiza, zeigt sich sehr zufrieden. „Für uns schwarze Frauen haben wir viel erreicht. Wir konnten eine Kampagne starten gegen Rassismus und gegen eine Umweltzerstörung, die uns als Quilombolas die Lebensgrundlage entzieht. Ich war superstolz auf eine unserer Teilnehmerinnen vom Ijè Ofê-Projekt. Queize, die ich auf den Seminaren bislang eher mit gesenktem Kopf erlebt habe, hat plötzlich vor 250 Menschen eine flammende Rede gehalten über den Kampf der Quilombolas. Das war echt toll!“
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4 Senegal: Hoffnungsträger Macky Sall hat jetzt auch eine parlamentarische Mehrheit
Drei Monate nach der Präsidentschaftswahl haben die Senegalesen ein neues Parlament gewählt und dem Parteienbündnis des neuen Staatspräsidenten Macky Sall zu einer satten Mehrheit verholfen. Sall muss künftig bei den dringenden Reformen, die die Senegalesen von ihm erwarten, zumindest nicht gegen politische Blockaden arbeiten. Der ökonomische Spielraum für Veränderungen ist ohnehin eng.
Schon mit der Bestellung seiner Minister im April hatte der neue demokratische Hoffnungsträger Senegals Zeichen gesetzt. Macky Sall ernannte zum Beispiel die Menschrechtlerin Aminata Touré zur Leiterin des Justizressorts und machte den Umweltaktivisten Haidar El Ali zum Minister für Umwelt und Naturschutz.
Die Ernennung von Haidar El Ali freut uns, die ASW, besonders. Seit 25 Jahren kämpft der 57-jährige Senegalese libanesischer Herkunft für den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Außerdem ist er ein Kooperationspartner eines ASW-Projektes in Burkina Faso. Ini Damien, Koordinatorin der von uns unterstützten Frauengruppe APFG, arbeitet mit El Ali in dem drei Länder übergreifenden Netzwerk 'Aliniha' zusammen. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, Umwelt, Frauenförderung und Mikrofinanzwesen miteinander zu verbinden.
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5 Ackerbau ohne Pestizide - ein Erfolgsrezept für Indiens Kleinbauern
In Indien ringen Millionen von Kleinbauern ums Überleben. Meist sind sie hoch verschuldet bei Pestizidhändlern, die aus Unwissenheit Kapital schlagen und ihren ‚Opfern’ zu große Mengen und teils ungeeignete Pestizide verkaufen. Das 'Centre for Sustainable Agriculture’(CSA), ein Ableger unserer Partnerorganisation CWS, vermittelt Bauern im Bundesstaat Andhra Pradesh mit umweltschonenden Anbaumethoden und Pflanzenschutz ohne Pestizideinsatz (NPM) eine neue Perspektive. Schädlinge auf den Feldern werden nun durch pflanzliche Präparate und durch eine natürliche Balance verschiedener Insekten und anderer Lebewesen kontrolliert. Die NPM(Non Pesticidal Management)-Methoden sind erfolgreicher und billiger als chemischer Pflanzenschutz. Daher hat sich in allen Dörfern, in denen der pestizidfreie Landbau praktiziert wurde, die Einkommenssituation der Bauern verbessert.
Film über das Centre for Sustainable Agriculture (In Englisch)
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