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NEWSLETTER AUGUST 2007



INHALT:

1 EDITORIAL: DIE FEIER ZUM 50 STEN GEBURTSTAG DER ASW STEHT VOR DER TÜR

2 FACHTAGUNG: AKTUELLE HERAUSFORDERUNGEN ZIVILGESELLSCHAFTLICHER ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT

3 BRASILIANISCHER REGENWALDSCHÜTZER TARCISIO FEITOSA FORDERT VON EUROPÄISCHEN KONSUMENTEN VON AGROTREIBSTOFFEN MEHR VERANTWORTUNG

4 BRASILIEN: ENDLICH URTEIL FÜR MORD AN UMWELTAKTIVISTIN STANG

5 BRASILIEN: REFORM FÜHRT ZU MASSIVEN KAPAZITÄTSEINBUßEN BEI DER UMWELTSCHUTZBEHÖRDE

6 AUSZEICHNUNG FÜR ASW-PARTNERORGANISATION APFG AUS BURKINA FASO

7 ASW UNTERSTÜTZT BEI DER INDISCHEN POLIZEI ANGESIEDELTE FRAUEN-BERATUNGSSTELLEN

8 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: RECHTE FÜR DIE INDIGENEN DES BRASILIANISCHEN NORDOSTENS

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1 EDITORIAL: DIE FEIER ZUM 50 STEN GEBURTSTAG DER ASW STEHT VOR DER TÜR
Noch drei Wochen, und dann wird gefeiert. Unsere Vorfreude auf die Party am 15. September wird immer größer, denn neben treuen SpenderInnen und Mitgliedern sagen auch immer mehr ProjektpartnerInnen ihr Kommen zu. Außer Tarcisio Feitosa aus Brasilien, Rukmini Rao und Kalamani aus Indien und der Theatergruppe Hakili So aus Burkina wird jetzt auch Ini Damien, die Koordinatorin unserer Partnerorganisation APFG in Burkina, mit uns feiern. APFG sensibilisiert im Südwesten Burkina Fasos gegen die Genitalverstümmelung bei Frauen.
Unser anderer Partner aus Burkina Faso ist aktiv an unserem abendlichen Kulturprogramm beteiligt: die jungen SchauspielerInnen von Hakili So werden mit ihrem jüngsten Stück auftreten. Ein weiteres Highlight des Abends wird der Auftritt des Berliner Improvisationstheaters Die Gorillas sein - mit ihren nach den Vorschlägen der Zuschauer spontan entwickelten Szenen ist die Truppe Garant für gute Komik. Später am Abend darf getanzt werden - u.a. zur Lifemusik der Berliner Band The Special Guests feat. Willie Ocean.
Wir laden alle Freunde und Freundinnen der ASW herzlich ein, mit uns zu feiern.

Wir bitten um Anmeldung an marek.burmeister@aswnet.de oder 030 - 2594 0801

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2 FACHTAGUNG: AKTUELLE HERAUSFORDERUNGEN ZIVILGESELLSCHAFTLICHER ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT

am Sonnabend den 15. September 2007, von 11.00 - ca. 16.30 Uhr in Berlin

11.00 Uhr Begrüßung und Einführung durch Dr. Benjamin Nölting (Vorsitzender der ASW)

11.30 Uhr - 13.30 Uhr
ERSTES PODIUM: Arme Riesen? Neue Wege zivilgesellschaftlicher Entwicklungszusammenarbeit mit Partnern in aufstrebenden Schwellenländern.

- Dr. Imme Scholz, (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik DIE)
- A. Kalamani, (Centre for World Solidarity, Indien, Projektpartnerin der ASW)
- Prof. Dr. Franz Nuscheler, (Politologe und emeritierter Professor für Internationale und vergleichende Politik, Duisburg)
- Thilo Hoppe, (Vorsitzender des Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und MdB Bündnis 90/ Die Grünen) - angefragt
- Prof. Dr. Shalini Randeria, (Soziologin und Professorin am Ethnologischen Seminar der Universität Zürich) - angefragt

14.30 Uhr - 16.30 Uhr
ZWEITES PODIUM: Hungern für die Tankfüllung? Der Weltmarkt für Agrartreibstoffe: Nutzen oder Schaden für Armutsbekämpfung und Umwelt?

- Tarcisio Feitosa da Silva, (Komitee für nachhaltige Entwicklung an der Transamazônica und am Xingu, Brasilien, Amazonien, Träger des goldman prize 2006, Projektpartner der ASW)
- Thomas Fritz, (Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika FDCL)
- Dr. Kilian Delbrück, (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Abteilung Naturschutz, Referatsleiter Land- und Forstwirtschaft)
- Björn Pieprzyk, (Referent Bioenergie, Informationskampagne Erneuerbare Energien IKEE)
- Dr. V. Rukmini Rao, (Vorstand Centre for World Solidarity, Indien, Projektpartnerin der ASW)

Beide Podien werden von Harald Groß moderiert und professionell übersetzt.

16.30 Uhr Schlusswort/ Ende der Fachkonferenz

ab 18:00 steigt das Fest

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3 BRASILIANISCHER REGENWALDSCHÜTZER TARCISIO FEITOSA FORDERT VON EUROPÄISCHEN KONSUMENTEN VON AGROTREIBSTOFFEN MEHR VERANTWORTUNG

Die ausländischen Konsumenten der Agrotreibstoffe müssen von produzierenden Ländern wie Brasilien fordern, dass sie Waldschutz betreiben, sagt Tarcisio Feitosa in einem Interview, das Tina Kleiber für die VCD-Zeitschrift fairkehr zum Thema Agrosprit-Boom mit dem ASW-Partner geführt hat. Tarcisio wird diese Forderung vermutlich auch auf unserer Fachtagung am 15. September und auf den sieben Veranstaltungen im Rahmen seiner Deutschlandrundreise vom 11. bis 20. September wiederholen (Programm: www.aswnet.de/aktuelles/Tarcisioneu.html )

Waldschutz, so fährt er fort, müsse im brasilianischen Kontext mehr als nur Schutz des amazonischen Regenwaldes sein. Auch Savannen und Buschwald müssten einbezogen werden - denn sämtliche Ökosysteme seien vom Agrospritboom betroffen. "Treibstoffe auf Pflanzenbasis können Waldflächen in eine einzige große grüne Wüste verwandeln, in eine einzige Plantage, so wie es bereits in Mato Grosso der Fall ist mit dem Soja.(...) Als Problem kommt hinzu, dass der Anbau in Monokultur in Brasilien immer gleichbedeutend ist mit der Konzentration von Landbesitz in den Händen einiger weniger Großgrundbesitzer".
Die ungekürzte Fassung des Interviews können Sie anfordern bei unserem Brasilienreferat -
lateinamerika@aswnet.de

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4 BRASILIEN: ENDLICH URTEIL FÜR MORD AN UMWELTAKTIVISTIN STANG

Über zwei Jahre nach dem Mord an Dorothy Stang ist nun, nach den Urteilen für die beiden Täter, auch einer der Auftraggeber, Vitalmiro Bastos de Moura, zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Insgesamt soll er mit zwei weiteren Großgrundbesitzern 20.000 Euro für die Ermordung der aus den USA stammenden Nonne gezahlt haben.
Dorothy Stang war für ihren fast drei Jahrzehnte währenden Einsatz für die Rechte landloser Bauern und den Schutz des Regenwaldes mehrfach ausgezeichnet worden.
Sie war in derselben Region des brasilianischen Bundesstaates Pará aktiv wie unsere Partnerprojekte CPM, CRA, und der ebenfalls ausgezeichnete Umweltaktivist Tarcisio Feitosa da Silva, der im September auf unsere Einladung hin eine Vortragsreise durch Deutschland machen wird.
Die einheimischen Bauern in der Region kämpfen gegen illegale Landaneignungen durch Großgrundbesitzer, die für Tropenholzhandel, Rinderzucht und Sojaanbau die Abholzung der Wälder vorantreiben. Dies entzieht der lokalen Bevölkerung vielfach die Lebensgrundlage. In diesem Konflikt wurden in Pará von 1971 bis zum Jahr 2004 bereits 772 Bauern ermordet.

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5 BRASILIEN: REFORM FÜHRT ZU MASSIVEN KAPAZITÄTSEINBUßEN BEI DER UMWELTSCHUTZBEHÖRDE

Die brasilianische Umweltbehörde Ibama, die zuständig ist für Umweltprüfungen, Überwachung und Zulassung von geplanten Infrastrukturmaßnahmen wie zum Beispiel Staudämme und andere Großprojekte, soll im Zuge einer Verwaltungsreform drastisch verkleinert werden.
Von bisher 150 Standorten sollen in ländlichen Regionen nur 16 erhalten bleiben. Dreizehn Bundesstaaten werden ein Büro der Umweltbehörde nur noch in der jeweiligen Landeshauptstadt haben.
Doch die Behörde ist ohnehin schon stark überfordert, leidet unter Geld- und Personalmangel und ist selbst immer wieder in Korruptionsfälle und Umweltskandale verwickelt. So wurden im November 2006 sechs Mitarbeiter in Rondônia festgenommen, die illegal geschlagenes Tropenholz gegen Bestechungsleistungen zertifizierten.
Die Ankündigung der Reform folgte direkt auf eine Debatte, in der sich einzelne Wirtschaftsverbände und auch der brasilianische Präsident Lula da Silva negativ über Verzögerungen beim Ausbau großer Infrastrukturprojekte beklagten. Langwierige Umweltprüfungen und Auflagen der Umweltbehörde, die die Projekte verzögern oder verteuern, werden als massive Behinderung der ehrgeizigen Wachstumsziele der Regierung empfunden.
Die Reform zeigt überdeutlich, welchen Stellenwert Nachhaltigkeit und die natürlichen Ressourcen wie der Amazonas in der derzeitigen Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik der Regierung Lula haben. Dabei werden nicht nur die Erhaltung von Ökosystemen oder „Laichgründe von Welsen“ für lästig empfunden, sondern auch die Rechte der Indigenen mit Füßen getreten.

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6 AUSZEICHNUNG FÜR ASW-PARTNERORGANISATION APFG AUS BURKINA FASO

Das Engagement der Frauenorganisation APFG (Association pour la Promotion des Femmes de Gaoua) wird in diesem Herbst erstmals auch international gewürdigt: APFG erhält den Landfrauenpreis der Schweizer Stiftung Frauenweltgipfel WWSF. Die WWSF prämiert seit der Weltfrauenkonferenz in Peking (1995) jedes Jahr einige der kreativsten Landfrauenprojekte auch in den Ländern des Südens. Zum "Welttag der Landfrauen" im Oktober wird die Vorsitzende der APFG Ini Damien den internationalen Preis ("Prix pour la créativité des femmes en milieu rural“) für ihre Organisation entgegennehmen.

Landfrauenorganisationen haben weltweit starken Einfluß auf sozio-ökonomische Veränderungsprozesse. Auch APFG hat im eigenen Wirkungsbereich schon sichtbare Entwicklungen angestoßen. APFG-Bildungsprogramme haben zu einem deutlich höheren Alpabetisierungsgrad unter Frauen geführt, einkommensschaffende Maßnahmen wie die Produktion von lokalem Bier, die Herstellung von Seifen, Körpercremes sowie Tierzucht haben die ökonomische Lage vieler Frauen verbessert.

Das z.Zt. innovativste Projekt aber ist das Programm gegen weibliche Genitalverstümmelung. Insgesamt haben schon 30 von 48 einflußreichen Beschneiderinnen in der Region ihre Tätigkeit aufgegeben und erhalten dafür von der APFG Beratung und Unterstützung, um sich auf andere Art mit einem kleinen Unternehmen selbständig machen zu können. Neu am Ansatz der APFG ist, das gefährliche, blutige und inhumane Ritual kultursensibel zu transformieren.

Wir freuen uns sehr darauf, Ini Damien am 15. September zum 50. Jubiläum der ASW in Berlin begrüßen können. Es ist eine großartige Gelegenheit, Fragen an sie zu stellen und mit ihr persönlich zu diskutieren. Dazu laden wir Sie herzlich ein.

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7 ASW UNTERSTÜTZT BEI DER INDISCHEN POLIZEI ANGESIEDELTE FRAUEN-BERATUNGSSTELLEN

Indische Polizeibeamte sind berüchtigt für ihr frauenfeindliches Verhalten. Es gehört zum Alltag auf Polizeistationen, dass weibliche Gewaltopfer beim Erstatten einer Anzeige zum Schaden auch noch Hohn dazubekommen. Da klingt es fast wie ein Märchen, dass jetzt genau bei der Polizei angesiedelte Beratungsstellen den Frauen in einigen Bundesstaaten neue Hoffnung geben. Zum Beispiel in Andhra Pradesh.
Die sogenannten Womens Police Cells (WPC) wurden dort auf Druck von Frauenorganisationen schon vor Jahren eingerichtet. Aber mangels Finanzen und Personal waren sie lange nicht arbeitsfähig. Erst jüngst wurden sie durch den Einsatz der Zivilgesellschaft wieder zum Leben erweckt. Für den Schwerpunkt "Frauenhandel", (der von internationalem Interesse ist und offensichtlich höher bewertet wird) fließen mittlerweile öffentliche Mittel. Dagegen konnte der Schwerpunkt Familienberatung, von dem vor allem die zahlreichen Opfer häuslicher Gewalt profitieren, nur durch private Spendenmittel funktionsfähig gemacht werden.
Auch der indische ASW-Partner Centre for World Solidarity (CWS) hat sich für einen finanziellen Anschub für diese Beratungsstellen stark gemacht - mit der Perspektive, danach den indischen Staat in seine Pflicht zu nehmen. Das CWS und alle Frauenorganisationen Andhra Pradeshs halten die Arbeit der WPC-Beratungsstellen deshalb für so wichtig, weil damit die Implementierung eines richtungsweisenden indischen Gesetzes von 2006, das Frauen besser vor Gewalt schützen soll ("Protection of Women from domestic Violence Act"), beschleunigt wird.
Die ASW ist dabei - wir unterstützen die WPC. Genauere Informationen erhalten Sie bei unserem Indienreferat - indien@aswnet.de

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8 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: RECHTE FÜR DIE INDIGENEN DES BRASILIANISCHEN NORDOSTENS

Im Netzwerk APOINME haben sich verschiedene indigene Völker wie die Truká, die Tuxá, Geripankó und Xukuru zusammengeschlossen. Die meisten dieser Völker leben im dürregeplagten Sertão.
Absolute Armut und Arbeitslosigkeit charakterisieren ihren Lebensalltag. Es fehlt an Saatgut, Zugang zu Trinkwasser, Bewässerung, aber vor allem fehlt Land zur Selbstversorgung.

APOINME verschafft den Anliegen der Indigenen bei staatlichen Behörden Gehör und setzt sich für den angepassten Umgang mit der Trockenheit ein: Für Wasser sparende Landwirtschaft, einfache Methoden der Regenwasserbevorratung und den Schutz von Quellen. Völker wie die Xukuru haben ein Bewusstsein dafür, dass Land, Wasser und Wald nicht nur unter Produktivitätsaspekten betrachtet werden können. Bodenversalzung, Erosion, versiegende Wasserquellen sind „Phänomene der Gier“, vor denen sie warnen.
Doch das offizielle brasilianische Entwicklungsmodell für den Nordosten setzt explizit auf die maximale Ausbeutung der vorhandenen Ressourcen. Es fördert die Wassernutzung für die Exportwirtschaft anstatt für den Trinkwasserbedarf, so auch bei der geplanten Umleitung des größten Flusses des Nordostens, des Rio São Francisco.
Dafür beansprucht die Regierung das von den Truká einst bewohnte Gebiet in Cabrobó in Pernambuco.
Dies veranlasst die Truká nun ihre Proteste gegen die Umleitung mit ihrer Forderung nach Land zu verbinden. Als Teil einer längerfristigen Kampagne gegen die Flussumleitung wurde Land friedlich besetzt und ein Protestcamp eingerichtet.

Bitte unterstützen Sie APOINME in den Bemühungen um indigene Landrechte, Selbstversorgung und ein angepasstes Leben mit der Trockenheit.

http://www.aswnet.de/brasilien/spendenaufruf.html

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