ASW-Newsletter abonnieren
Um Ihr Abonnement des ASW-Newsletter zu beenden, klicken Sie bitte hier.
[zurück]

NEWSLETTER SEPTEMBER 2008



1 EDITORIAL

2 ASW-PARTNER BERICHTEN: ERNÄHRUNGSLAGE IM SENEGAL WEITERHIN PROBLEMATISCH

3 RIO DE JANEIRO: ASW-PARTNERORGANISATION JUSTICA GLOBAL VERÖFFENTLICHT PUBLIKATION ZU BEWAFFNETEN MILIZEN

4 INDIENS ARME BEVÖLKERUNG ERHÄLT STAATLICHE LEISTUNGEN NUR GEGEN SCHMIERGELDER

5 DOKUMENTARFILM ÜBER AUFKLÄRUNG GEGEN GENITALVERSTÜMMELUNG AM 6.9. IM BERLINER KINO LICHTBLICK

6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: ANGEPASSTE LANDWIRTSCHAFT SCHAFFT ERNÄHRUNGSSICHERHEIT

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

1 EDITORIAL

"Ernährungssicherheit durch angepasste Landwirtschaft" - unter diesem Titel wird Adama Sarr von der senegalesischen Bauernorganisation AJEF auf einer Deutschlandrundreise von Mitte November bis Mitte Dezember über erfolgreiche Strategien der Überlebenssicherung berichten. Kleinbauern, mit denen seine Organisation in der Region Diourbel zusammenarbeitet, gehen neue Wege in der Landwirtschaft und haben ihre Anbaumethoden den lokalen Bedingungen - Wassermangel und degradierte Böden - angepasst. Begleitet wird Adama Sarr von einer Ausstellung zum "Menschenrecht auf Nahrung", die von der ASW erarbeitet wurde.

Wir freuen uns über Interesse unserer UnterstützerInnen und bitten alle, die eine Abendveranstaltung mit Adama Sarr in ihrer Stadt organisieren möchten, um eine rasche Rückmeldung an claudia.fix@aswnet.de

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

2 ASW-PARTNER BERICHTEN: ERNÄHRUNGSLAGE IM SENEGAL WEITERHIN PROBLEMATISCH

Infolge der Preiserhöhungen für Lebensmittel in der ersten Hälfte des Jahres 2008 und der schlechten Ernte des Vorjahres leidet aktuell ein Sechstel der rund 12 Millionen Einwohner Senegals an Ernährungsproblemen. Die UN-Presseagentur IRIN meldete am 11. August 2008, dass es für 2,1 Millionen Senegalesen schwierig sei, sich ausreichend zu ernähren. Die senegalesische Regierung hat es aus Eigeninteresse bisher vermieden, den Notstand zu erklären und damit Nothilfeorganisationen und NGOs davon abgehalten, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Viele Senegalesen sind enttäuscht vom Staat, wie LAMINE BIAYE von der ASW-Partnerorganisation ASPSP berichtet. Das Saatgutnetzwerk ASPSP hat jetzt eigene Anstrengungen zur Sicherung der Ernährung verstärkt.

"Der Preis von Lebensmitteln ist immer noch exorbitant hoch. In allen Bezirken, in denen das Netzwerk ASPSP arbeitet, können sieben von zehn Familien ihren täglichen Bedarf nicht decken. Die Menschen essen meistens nur einmal pro Tag. Dank unserer Sensibilisierungskampagne pflanzen die Bauern jetzt vermehrt lokale Getreide an. Dazu nutzen sie Flächen, die durch die Abwanderung in die Städte brachliegen. Fünfköpfige Familien, die bisher drei bis fünf Hektar bewirtschaftet haben, bebauen jetzt 5 bis 10 Hektar Ackerland," sagte Lamine Biaye Ende August.

SARA CAMARA von der BAUERNORGANISATION UCEM bestätigte: "Im ganzen Senegal gibt es eine große Ernährungskrise. Das Kilo Reis kostete vor dem Preisanstieg 300 Francs CFA und liegt jetzt bei 500 Francs. Der Preis hat sich also um fast 40 Prozent erhöht. Mehl und Pulvermilch sind sogar 50 Prozent teurer geworden, bei Speiseöl sind es 30 Prozent. Die Preise steigen unentwegt und wir sind immer mehr von importierten Produkten abhängig.
Auch auf dem Land ist die Ernährungslage unsicher. Die Ersparnisse der Bauern verlieren an Wert und die neue Ernte steht noch nicht zur Verfügung. In den Dörfern, in denen wir arbeiten, brauchen die Menschen zusätzlich zu ihrem Grundnahrungsmittel Hirse, das sie selbst anbauen, auch Reis, Mehl und Pulvermilch für ihre Ernährung. Sie haben daher jetzt begonnen, eingelagerte Getreidevorräte zu verteilen."

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

3 RIO DE JANEIRO: ASW-PARTNERORGANISATION JUSTICA GLOBAL VERÖFFENTLICHT PUBLIKATION ZU BEWAFFNETEN MILIZEN

Am 28.08. 2008 stellte die ASW-Partnerorganisation Justica Global in der Universität von Rio ihre neue Publikation "Sicherheit, Drogenhandel und Milizen in Rio de Janeiro" vor. "Milizen" sind bewaffnete Gruppen, die verschiedene Armenviertel in Rio de Janeiro durch Ausübung von Waffengewalt kontrollieren. Sie bestehen aus privaten Sicherheitskräften, Angehörigen der Feuerwehr, Angestellten im Strafvollzug, aktiven und ehemaligen Polizeibeamten und sind eng mit den offiziellen Sicherheitskräften verflochten, deren Infrastruktur und Waffen sie teilweise nutzen. Seit Anfang 2006 haben die Milizen ihre bewaffneten Aktionen in den Favelas von Rio ausgeweitet. Die Landesregierung und dieGemeindeverwaltungen rechtfertigen diese Einsätze als "kleineres Übel im Kampf gegen die Drogen".

Nach der Entführung eines Fernsehteams der Sendung "O Dia" durch bewaffnete Milizen im Juni 2008 fanden die systematischen Menschenrechtsverletzungen durch diese bewaffneten Gruppen in Brasilien eine größere Öffentlichkeit. Marcelo Freixo, Landtagsabgeordnete und Mitarbeiter von Justica Global, konnte daraufhin einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Verflechtung von Milizen mit Sicherheitskräften, Abgeordneten und der Legislative durchsetzen. Seither erhält Marcelo Freixo Todesdrohungen.

Die Publikation wurde mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung realisiert und steht als Download auf Portugiesisch zur Verfügung unter http://www.global.org.br

Weitere Informationen zur Arbeit von Justica Global unter
http://www.aswnet.de/brasilien/justica.html

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

4 INDIENS ARME BEVÖLKERUNG ERHÄLT STAATLICHE LEISTUNGEN NUR GEGEN SCHMIERGELDER

Eine Studie der indischen Sektion von Transparency International (TII) deckt auf, dass arme Inder nur gegen Schmiergelder staatliche Leistungen erhalten, die ihnen vom Gesetz her zustehen. Der Untersuchungszeitraum war November 2007 bis Januar 2008: korrupte Beamte heimsten in diesem Vierteljahr neun Milliarden Rupien, das sind rund 150 Millionen Euro, von den sozial schwächsten Gruppen Indiens ein.

Erstmals hat damit Transparency International den Einfluss von Korruption auf das Leben armer Menschen untersucht. Zu den gesetzlichen Programmen, bei denen Bestechungsgelder geflossen sind, gehören das öffentliche Nahrungsmittelverteilungsprogramm sowie das National Rural Employment Guarantee Scheme (NREGS), das jedem armen ländlichen Haushalt 100 Tage bezahlter Arbeit im Jahr garantiert. Auch für den Zugang zu Schulen, Elektrizität und Wasser sowie für Waldnutzungsrechte, Behausung, amtliche Eintragungen bei Land und für Polizeidienste mussten Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, Geld zahlen. Sogar die eigentlich kostenfreie Aufnahme in ein Krankenhaus und die ärztliche Grundversorgung war für vier Millionen von armen Haushalten nur gegen Bares zu haben.

Die Polizei erwies sich als die korrupteste staatliche Einrichtung. Zweien von fünf Menschen, die sich an die Polizei wandten, wurde nur gegen ein Bestechungsgeld geholfen. Auf Platz zwei auf der Korruptionsskala stehen die für Grundbucheintragungen zuständigen Stellen.Am wenigsten korrupt zeigte sich das Schulwesen. Aber auch hier wurden von Menschen unter der Armutsgrenze im Untersuchungszeitraum 120 Millionen Rupien (rund 2 Millionen Euro) Schmiergelder gezahlt.

"Üblicherweise wird über Korruption nur gesprochen, wenn sie in gehobeneren Milieus und damit in spektakuläreren Formen stattfindet. Aber tatsächlich sind es die Armen, die unter korrupten Regierungspraktiken am meisten leiden", sagt Arvind Kejriwal, ein Aktivist für das Recht auf Information.
Wie zu erwarten spielte die indische Regierung die Ergebnisse der Studie herunter. "Wir alle wissen, dass es auf den unteren Ebenen Korruption gibt, und wir brauchen keine Studien, die das belegen", sagte etwa der Minister für Energie, Jairam Ramesh.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

5 DOKUMENTARFILM ÜBER AUFKLÄRUNG GEGEN GENITALVERSTÜMMELUNG AM 6.9. IM BERLINER KINO LICHTBLICK

Am Samstag, den 6. September um 18 Uhr wird die ASW den Dokumentarfilm "Maimouna - la vie devant moi" im Berliner Kino "Lichtblick" (Kastanienallee 77, Prenzlauer Berg) zeigen. Im Anschluss an die Vorführung kann mit Dr. Solange Nzimegne-Gölz von der Gesellschaft für die Rechte afrikanischer Frauen, G.R.A.F, über das Thema "Genitalverstümmelung" diskutiert werden.

Der Film trägt den Namen seiner Hauptdarstellerin, die für die Organisation "Bangr Nooma" ("Wissen ist Macht") in Burkina Faso arbeitet. Maimouna Ouedraogo geht in die Dörfer und klärt Frauen und Männer über die Folgen der Genitalverstümmelung an Mädchen auf. Der Dokumentarfilm "Maimouna - la vie devant moi" begleitet sie bei ihrer Arbeit.

"Maimouna - la vie devant moi" wurde u.a. mit Mitteln der ASW realisiert. Die ASW unterstützt auch die Arbeit von "Bangr Nooma" mit Spendenmitteln.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: ANGEPASSTE LANDWIRTSCHAFT SCHAFFT ERNÄHRUNGSSICHERHEIT

Infolge von Bodenerosion und Trockenheit haben in der Region Diourbel im Senegal viele Menschen ihre Dörfer verlassen. Geblieben sind Kleinbauern, die bereit sind, neue Wege zu gehen. Mit der Unterstützung der Bauernorganisation AJEF - Association Jeunesse Education Formation - haben die Bewohner von sieben Dörfern auf nachhaltige Landwirtschaft umgestellt: Sie bauen weniger Erdnusspflanzen an, weil diese die Böden schädigen. Stattdessen pflanzen sie Hirse- und Gemüsesorten, die an die lokalen Bedingungen angepasst sind und wenig Wasser brauchen.

Der Hirse- und Gemüseanbau wird durch die Mast einzelner Rinder ergänzt. In Zeiten, in denen die Hirsevorräte knapp sind und die Familien Geld brauchen, werden die gemästeten Tiere zum Markt gebracht. Sie erzielen einen besseren Verkaufspreis als ein ungemästetes Rind. Auch die Ackerböden profitieren von der Rinderhaltung: Der Rindermist ist ein wertvoller Dünger.

In AJEF-Workshops lernen die Bauern weitere Techniken, um zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. Frauen stellen aus den Nüssen des Balanites-Baumes ein hochwertiges Öl her, das sich gut verkaufen lässt. Andere produzieren und vermarkten Melonen.

Die Erfolge der Arbeit von AJEF sind heute sichtbar: die Böden haben sich regeneriert und die Ernährung der Dorfbewohner ist sicherer geworden. Die Menschen sind nicht mehr zur Abwanderung gezwungen, manche kehren sogar aus der Stadt zurück.

Unterstützen Sie die Arbeit von AJEF zur Ernährungssicherung mit Ihrer Spende.


www.aswnet.de/westafrika/spendenaufruf.html

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

WENN SIE DEN NEWSLETTER KÜNFTIG NICHT MEHR BEZIEHEN WOLLEN SCHICKEN SIE EINE KURZE MAIL AN
oeffentlichkeit@aswnet.de

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

IMPRESSUM:
ASW - Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V.
Hedemannstraße 14
10969 Berlin
Telefon: 030 / 25 94 08 01
Fax: 030 / 25 94 08 11
E-Mail: mail@aswnet.de
Redaktion: Isabel Armbrust
E-Mail: oeffentlichkeit@aswnet.de