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NEWSLETTER SEPTEMBER 2009


1 EDITORIAL

2 NEUE PUBLIKATION - AMAZONIEN: STADT, LAND, FLUSS

3 AMAZONIEN UND MENSCHENRECHTE - FILM UND VORTRÄGE IN BELZIG UND NEUSTRELITZ

4 SENEGAL ÜBERLÄSST CHINA FRUCHTBARES LAND

5 PROJEKTPARTNER DER ASW BEGRÜßEN DIE EINFÜHRUNG DER SCHULPFLICHT IN INDIEN

6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF

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1 EDITORIAL

Die nächsten Jahre werden entscheidend sein, um den Klimawandel (vielleicht) nicht zur Klimakatastrophe werden zu lassen - immerhin hierüber besteht international Einigkeit. Insofern ist die UN-Klimakonferenz, die im Dezember 2009 in Kopenhagen stattfinden wird, die wichtigste seit dem Kyoto-Abkommen von 1997.
In Kopenhagen wird es auch um Amazonien gehen, das als größtes zusammenhängendes Regenwaldgebiet der Erde große Bedeutung für den Stopp des Klimawandels hat. REDD (Reduced Emissions through Deforestation and Degradation) heißt die neue Zauberformel: Der bestehende Wald soll ökonomisch bewertet werden und sein Schutz sich damit finanziell lohnen. Über alle Details wird noch heftig gestritten. Doch schon jetzt wird deutlich: Amazonien ist Objekt, nicht Subjekt einer internationalen Debatte, die vor allem an technischen Fragen und nicht an sozialen Realitäten interessiert ist.

Diesen Blick auf Amazonien teilt die ASW nicht. In den von uns geförderten Projekten geht es um UMWELTSCHUTZ UND die Verwirklichung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen MENSCHENRECHTE. Denn der Schutz des Waldes funktioniert nur mit den Menschen, die in und von ihm leben.
Verschiedenste Sichtweisen von Amazonien finden Sie in unserer neuen Publikation "Amazonien: Stadt, Land, Fluss", die am 21.09.2009 erscheint. Siehe Punkt 2

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2 NEUE PUBLIKATION - AMAZONIEN: STADT, LAND, FLUSS

Fast 40 Fachartikel und zahlreiche Stimmen aus Amazonien beleuchten die vielfältige Realität der 22 Millionen Bewohner dieser Großregion, die nicht auf ihre Funktion als "grüne Lunge der Erde" reduziert werden kann. Den Reader hat die ASW gemeinsam mit dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile und Lateinamerika (FDCL) und dem brasilianischen Netzwerk Fórum da Amazônia Oriental (FAOR) herausgegeben.

"Amzonien : Stadt, Land, Fluss. Das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde zwischen Schutz und Nutzung" können Sie ab sofort gegen eine Schutzgebühr von 9 Euro bei der ASW bestellen.

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3 AMAZONIEN UND MENSCHENRECHTE - FILM UND VORTRÄGE IN BELZIG UND NEUSTRELITZ
Eine brasilianische Froschfarm, ein korrupter Politiker im amazonischen Bundesstaat Pará, ein reicher amerikanischer Geschäftsmann, ein Entführer aus den Slums von São Paulo. In dem Film "Manda Bala" porträtiert Jason Kohn eine Gesellschaft im Kriegszustand. Ein Krieg aller gegen alle, in dem jeder versucht, an die Spitze der Nahrungskette zu gelangen. Alle wollen sie Geld, ohne Rücksicht auf Verluste. Am Ende verliert die ganze Gesellschaft. Manda Bala (Send a Bullet) führt drastisch vor Augen, wie eine Gesellschaft ohne soziale Verantwortung, ohne Rechte für die Armen und ohne Regeln für die Reichen in den Verteilungskrieg treibt. Ein visueller Essay, dessen expressive Bilder und poppige Klänge mit der Härte der sozialen Realität kontrastieren.
Die ASW beteiligt sich an der Filmtournee "ueber Macht", die von dieGesellschafter.de organisiert wird. Im Anschluss an die Filmvorstellungen stehen am 21.09.09 in Belzig Christian Russau vom Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V. (FDCL) und Claudia Fix von der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW) für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Am 26.09.2009 in Neustrelitz wird Tina Kleiber, Brasilienreferentin der ASW, die Veranstaltung begleiten.
Heute, Montag den 21.09.2009, um 20.30 Uhr
Hofgartenkino in Belzig
Puschkinstr. 1
14806 Belzig

Samstag, den 26.09.2009, um 20.00 Uhr
Kulturzentrum Alte Kachelofenfabrik
Sandberg 3A
17235 Neustrelitz

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4 SENEGAL ÜBERLÄSST CHINA FRUCHTBARES LAND

Derzeit findet in Afrika ein größtenteils versteckter Kampf statt: Der Kampf um Land. Ausländische Regierungen und Investoren suchen auf dem afrikanischen Kontinent nach fruchtbaren Böden, um die Nachfrage ihrer Länder nach agrarischen Rohstoffen und Nahrungsmitteln zu decken.
Publik wurde das Thema erstmals, als der koreanische Konzern Daewoo in Madagaskar versuchte, sich 1,3 Millionen Hektar Land zu sichern um Biotreibstoffe anzubauen. Auch im Senegal ist "land grabbing" ("Landraub") ein Thema. Investoren bzw. staatliche Akteure aus China, Saudi-Arabien, Nigeria, Spanien und vermutlich auch aus Indien haben ihre Fühler in das westafrikanische Land ausgestreckt.
China möchte im Senegal großflächig Sesam für den chinesischen Bedarf anbauen. Statt den Boden einfach zu verkaufen, entschied sich der Staat Senegal für das Modell der Vertragslandwirtschaft. Folglich schließt China mit den jeweiligen senegalesischen Produzentenvereinigungen Verträge über die Bewirtschaftung des Landes. Die Bauern müssen hundert Prozent ihrer Sesamernte zu einem festgelegten Preis an die chinesische Gesellschaft DTE verkaufen. Dafür erhalten sie subventioniertes Saatgut, Düngemittel und Pestizide. Auf 30.000 Hektar will China ausschließlich Sesam anbauen lassen, 2009 sollen bereits 150.000 Tonnen geerntet und exportiert werden.
Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Ernährungssicherheit der senegalesischen Bevölkerung hat, ist noch nicht abzusehen. Die an die Bauern bezahlten Preise werden vorsichtig als "noch förderungswürdig" bezeichnet. Auch wenn die Vertragslandwirtschaft den großflächigen Landverkäufen in Madagaskar oder Kongo-Brazzaville vorzuziehen ist, werden dennoch in diesem Fall 30.000 Hektar fruchtbarer Erde der Produktion von Nahrungsmitteln für die wachsende Bevölkerung Senegals entzogen.

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5 PROJEKTPARTNER DER ASW BEGRÜßEN DIE EINFÜHRUNG DER SCHULPFLICHT IN INDIEN

62 Jahre nach der Unabhängigkeit und knapp 60 Jahre nach Inkrafttreten der Verfassung hat Indien endlich die allgemeine Schulpflicht gesetzlich verankert. Der Staat kann die rund 70 bis 80 Millionen Kinder, die nicht zur Schule gehen und meist als Kinderarbeiter arbeiten, nicht weiter still ignorieren.
Nichtregierungsorganisationen fordern schon seit Jahren die Umsetzung des Rechtes auf Bildung für alle. Einige bieten in entlegenen Gegenden eine Grundbildung für Kinder an. Von dem neuen Gesetz erhoffen sie sich, dass der Staat mehr Schulplätze zur Verfügung stellt und dem Recht auf Bildung mehr Bedeutung einräumt. Bislang konnten Schulleiter Kindern die Aufnahme in eine Schule verweigern oder Eltern durch die Erhebung von Aufnahmegebühren abschrecken.
Zu den indischen Organisationen, die im Grundbildungsbereich aktiv sind, gehört die von der ASW unterstützte Grüne Schule in Andhra Pradesh. Sie organisiert vor allem für Kinder aus kastenlosen Familien eine an ihre Lebensverhältnisse angepasste Schul- und Berufsausbildung. Das Problem: Nach Erntezeiten, Krankheiten oder Familienfesten bleiben die Kinder oft zuhause. Es ist zu hoffen, dass die neue Gesetzgebung bei den Eltern das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung stärkt und sie sich aktiver für den Schulbesuch ihrer Kinder einsetzen. Auch der ASW-Partner AWARD arbeitet im Bildungsbereich. AWARD gibt Kinderarbeitern aus Granitminen eine Ausbildung und sensibilisiert sie und die Eltern für die Notwendigkeit von Bildung.

Obwohl die Einführung der Schulpflicht ein wichtiger Schritt ist, bleibt die effektive Umsetzung des Gesetzes fraglich. Bereits vor einiger Zeit wurde ein Gesetz gegen Kinderarbeit erlassen. Doch es blieb weitgehend wirkungslos. Da im Falle der Schulpflicht bislang nicht einmal die Finanzierung geklärt ist, bleibt unklar, inwiefern der Staat tatsächlich an einer Umsetzung interessiert ist.

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6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF, INDIEN:
KASTENLOSE KÄMPFEN UM IHR LAND

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang rackern sich kastenlose Landarbeiter auf den Feldern der Großgrundbesitzer im indischen Bundesstaat Tamil Nadu ab. Der kärgliche Lohn, den sie dafür erhalten und der an manchen Tagen sogar ausbleibt, reicht nicht, um ihre Familien zu ernähren.
Für die Befreiung dieser Menschen aus dem archaischen Ausbeutungssystem setzt sich die ASW-Partnerorganisation LAFTI (Land for Tiller's Freedom) ein. LAFTI hat im Küstenbereich des Kaveri-Flusses bisher 13.000 landlosen Familien den Kauf von 5.400 Hektar Land ermöglicht. Dort sind jährlich drei Ernten möglich, so dass eine Familie mit 0,4 Hektar ihre Ernährung sichern und den Kredit für das Landstück zurückzahlen kann.

LAFTI unterstützt diese Menschen, die sich jetzt stolz "Landbesitzer" nennen, bei ihrer Selbstorganisation, damit sie gemeinschaftlich besser für ihre Rechte eintreten können.
Zurzeit müssen sich die neuen Landbesitzer vor allem gegen industrielle Shrimpsfarmen wehren, die sich in der Küstenregion Tamil Nadus ausbreiten. Diese eignen sich das Land für die Zuchtbecken zum Teil illegal an und verseuchen angrenzende Äcker mit ihren Abwässern.
Die ASW unterstützt LAFTI und die betroffenen Bauern bei ihrem Kampf gegen die Shrimpsfarmen. Denn die von diesen verursachten ökologischen Schäden gefährden die bisherigen Erfolge der Arbeit von LAFTI.

LAFTI wurde 1981 von Krishnammal und Sankaralingam Jagannathan gegründet. Das Ehepaar setzt sich schon seit 50 Jahren für Kastenlose ein und wurde dafür 2008 in Stockholm mit dem Right Livelihood Award - dem Alternativen Nobelpreis - ausgezeichnet.

Spenden Sie für den Schutz des von den ehemaligen Landarbeitern erworbenen Landes und der Küstenregion:
http://www.aswnet.de/indien/spendenaufruf.html

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