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NEWSLETTER DEZEMBER 2004

INHALT:



1 EDITORIAL

2 SENEGAL: WIE LANGE NOCH GENTECHNIKFREI?

3 BRASILIEN: NEUES GESETZ GEGEN HÄUSLICHE GEWALT

4 INDIEN: HUNGER INMITTEN DES WIRTSCHAFTSBOOMS

5 WELTBANK UNTERSTÜTZT DAS POLAVARAM-PROJEKT IN SÜDINDIEN

6 SPENDENAUFRUF: SENEGALESISCHES SAATGUTNETZWERK ASPSP

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1 EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,

In unseren Projektländern Indien und Brasilien sind gentechnisch veränderte Pflanzen längst etabliert. BT-Baumwolle, die gegen den Bollwurm resistent sein soll, wurde in Indien 2002 zugelassen. Seither ist die Anbaufläche für die mit einem Gen des ‚Bacillus thuringiensis’ (BT) ausgestattete Pflanze rapide angewachsen. Tausende von Kleinbauern, die sich von BT-Baumwolle höhere Erträge und geringere Ausgaben für Pflanzenschutz erhofften, sind mittlerweile hoch verschuldet, weil das Saatgut teuer ist und Erträge und Schädlingsresistenz geringer ausfielen als versprochen.

In Brasilien, dessen Landwirtschaft offiziell noch bis 2003 vor gentechnisch veränderten Organismen geschützt war, ist Gensoja infolge des Schmuggels von transgenen Pflanzen aus Argentinien schon längst auf den Feldern verbreitet.
Die US-Firma Monsanto, die auch die BT-Baumwolle vertreibt, hatte der illegalen Verbreitung ihrer transgenen Sojasorte „Roundup Ready“ in Brasilien bereitwillig zugeschaut, wohl wissend, dass geschaffene Fakten irgendwann die entsprechenden Zulassungen nach sich ziehen. Tatsächlich hat Präsident Lula die Einführung transgenen Sojas 2003 nachträglich genehmigt.

Ein drittes Projektland der ASW, nämlich der Senegal, steht kurz vor der Einführung von Gen-Baumwolle.

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2 SENEGAL: WIE LANGE NOCH GENTECHNIKFREI?

Offiziell gibt es im Senegal bislang keine Versuche mit Genetisch gentechnisch veränderten Organismen (GVO). Allerdings gibt es Hinweise auf eine inoffizielle Verteilung von gentechnisch verändertem (gv) Saatgut (Mais und Baumwolle) zu Versuchszwecken. Als sehr wahrscheinlich gilt außerdem eine Einführung von GVO in den Senegal über den Umweg von importierten Agrarprodukten, wie Mais aus Brasilien, Argentinien und den USA: von 1999 bis 2003 wurden 500 bis 100 000 Tonnen an Mais ohne vorherige Kontrollen in den Senegal importiert.

Die senegalesische Regierung hat noch keine offizielle Position zu GVO bezogen. In diesem Jahr hat allerdings die Weltbank u.a. für westafrikanische Länder ein mehrjähriges Projekt zur „Biosicherheit“ eingeleitet, zu denen neben Senegal mit Mali, Burkina Faso, Benin und Togo auch die anderen Länder der Westafrikanischen Wirtschaftsunion gehören. Im Zentrum der Initiative steht die so genannte „Harmonisierung“ der Gesetzgebung: gemeint ist eine regionale Vereinheitlichung der Gesetzgebung, um den unkomplizierten Einsatz von gv-Baumwolle zu erreichen.

Seit einigen Jahren schon versuchen US-Behörden und -Unternehmen, z.B. das Unternehmen Monsanto, afrikanische Länder für GVO zu öffnen. Das US-amerikanische Agrarministerium hat 2004 in Burkina Faso eine Konferenz unter dem irreführenden Titel „Perspektiven für Afrika“ zum Thema Gentechnik bei Pflanzen initiiert, um Vorurteile gegenüber gv-Pflanzen abzubauen. Mit dem Argument, dass widerstandsfähige Züchtungen Hungersnöte und Missernten verhindern helfen, warb man mit der Konferenz die Produkte heimischer Firmen. Die USA gelten als einer der größten Hersteller von gv-Saatgut.
Der Ort der Konferenz hat Bedeutung: Burkina Faso hatte als erstes Land in der Region Gentechnik-Saatgut für Baumwolle des Agrarkonzerns Monsanto zugelassen.

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3 BRASILIEN: NEUES GESETZ GEGEN HÄUSLICHE GEWALT

Mit dem Gesetz “Maria Penha” wurde im August das Strafmaß bei Gewalt gegen Frauen erheblich erhöht. Bisher waren die Täter mehrheitlich zu Alternativstrafen wie der Zahlung von Grundnahrungsmitteln oder zum Ableisten sozialer Dienste verurteilt worden. Jetzt hat sich das Höchstmaß von einem auf drei Jahre erhöht und das neue Gesetz ermöglicht, dass Täter als Schutzmaßnahme vorsorglich in Haft genommen werden können, wenn Gefahr für das Leben der Frau besteht. Ferner sieht die Gesetzesnovelle vor, Tätern den Zugang zur Wohnstätte und zu Frau und Kindern zu verbieten. Zudem fasst das Gesetz auch psychologische Gewalt unter häusliche Gewalt und sieht Schutzmaßnahmen für bedrohte Frauen vor.

Der Name des Gesetzes ist eine Hommage an Maria da Penha Maia Fernandes, deren Ex-Ehemann zweimal versuchte sie zu ermorden. Das erste Mal feuerte er Schüsse auf sie ab, durch die sie querschnittsgelähmt wurde. Wenige Wochen später versuchte er sie in der Badewanne mit einem Elektrogerät per Stromstoß zu töten. Maria da Penha hat seitdem für eine Strafverfolgung ihres Exmannes gekämpft. Erst 19 Jahre nach der Tat wurde dieser schließlich verurteilt, und dazu zu einer äußerst geringen Haftstrafe von nur zwei Jahren.

Da Penhas Klage führte 2001 zu einer Verurteilung Brasiliens durch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Den Strafverfolgungsbehörden wurde vorgeworfen, den Prozess zu diesem Fall von schwerer häuslicher Gewalt ungerechtfertigt verzögert zu haben. Brasilien verstößt damit gegen internationale Konventionen, die es unterzeichnet hat: Die Konvention zur Beendigung aller Formen der Diskriminierung von Frauen - CEDAW (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women) - wurde 1984 ratifiziert. Darin heißt es, dass die uneingeschränkte - und mit Männern gleichberechtigte - Teilnahme der Frau an allen Aspekten des Lebens Voraussetzung ist für die Entwicklung eines Landes, für das Wohl der Welt und für den Frieden.

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4 INDIEN: HUNGER INMITTEN DES WIRTSCHAFTSBOOMS

Der beeindruckende Wirtschaftsboom in Indien wird nicht von einem entsprechenden Rückgang der Armut begleitet. Die Regierung setzt verfügbare Ressourcen nicht für die Bekämpfung von Unterernährung ein.
Auf dem jüngsten Globalen Hunger Index (GHI) von 2006, auf dem 119 Entwicklungs- und Schwellenländer gelistet sind, schneidet Indien für ein Schwellenland extrem schlecht ab. Noch schlechtere Plätze belegen nur die Länder des subsaharischen Afrika.

Der Index wurde vom International Food Research Institute (IFPRI) entwickelt. Er basiert auf drei Parametern, die Auskunft über die Ernährungssituation der Bevölkerung geben: Unterernährung von Kindern, Kindersterblichkeit und Schätzungen des Anteils der Menschen, die mit einem Kaloriendefizit leben.
Die Zusammenführung dieser Parameter ergab bei dem diesjährigen GHI Indexwerte von 1.59 bis 42.70. Diesen schlechtesten Wert von 42,70 erreichte Burundi. Mexiko z.B. liegt bei 5.10, China bei 8.23.
Indien befindet sich mit einem Wert von 25.73 in trauriger Gesellschaft von einigen sehr armen afrikanischen Ländern. Burkina Faso liegt bei 25.80 und Sudan bei 27.20.
Die Ergebnisse des IFPRI-Berichts fügen sich gut zu den Zahlen, die das United Nations World Food-Programme veröffentlicht hat: dass fast 50 Prozent der Hungernden dieser Welt in Indien leben. Rund 35 Prozent der indischen Bevölkerung lebt in Nahrungsunsicherheit und konsumiert täglich weniger als 80 Prozent der nötigen Kalorien.

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5 WELTBANK UNTERSTÜTZT DAS POLAVARAM-PROJEKT IN SÜDINDIEN

Am 26.10.06 gab der Minister für Wasserwirtschaft in Andhra Pradesh, Ponnala Lakshmaiah, bekannt, dass die Weltbank einen Betrag von rund 640 Millionen Euro für Bewässerungsprojekte bereitgestellt hat, von denen ein Teil in das Polavaram-Staudammprojekt fließen wird. Er versicherte, dass an den bisherigen Vereinbarungen festgehalten werde und seitens der Weltbank keine neuen Konditionen auferlegt wurden.
Erneut sieht sich die indische Regierung jedoch Vorwürfen ausgesetzt, die Öffentlichkeit irrezuführen. Dies hängt mit der Auswertung von Satellitenbildern zusammen, die während der starken Überschwemmungen im August dieses Jahres in der Region gemacht wurden. Auf diesen Bildern ist deutlich zu erkennen, dass sich die Zahl der vom Stausee betroffenen Dörfer nicht auf 276 beläuft, wie das von Regierungsseite behauptet wird, sondern auf 322. Damit steigt die Zahl der umzusiedelnden Personen um ein Vielfaches.

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6 SPENDENAUFRUF: SENEGALESISCHES SAATGUTNETZWERK ASPSP

Die Agrarmodernisierung im Senegal hat die Ernährungslage von Kleinbauern und -bäuerinnen nicht verbessert. Neue Pflanzensorten haben sich als völlig ungeeignet für die lokalen Ökosysteme erwiesen. Aufgrund der größeren Empfindlichkeit dieser Sorten hatten die Bauern immer wieder Ernteausfälle, nach einigen Jahren waren auch ihre Böden ziemlich geschädigt und die Wasserreserven reduziert.
Von der ASW geförderte Bauerngruppen reagierten auf diese Misere mit einer Besinnung auf eigene Kräfte, eigenes Wissen und auf lokal angepasste, Wasser sparende Nahrungspflanzen. Sie taten sich mit anderen Organisationen zusammen und gründeten das Saatgutnetzwerk ASPSP.
Das Netzwerk bringt heute Kleinbauern aus dem ganzen Land zusammen, damit diese Saatgut und auch das zugehörige Wissen tauschen können. Es richtet Saatgutmessen aus. ASPSP-MitarbeiterInnen reisen sogar in die Nachbarländer des Senegal und beschaffen dort alte widerstandsfähige Nahrungspflanzen, die durch die Agrarmodernisierung verdrängt worden sind. Die Kleinbauern arbeiten gemeinsam daran, diese Sorten auf ihren besten Einsatz auszutesten. Alte Erfahrungen und neues Wissen werden zusammengeführt, um optimale Ergebnisse im Sinne einer nachhaltigen Weiterentwicklung zu erzielen.

Unterstützen auch Sie die wegweisende Arbeit der BäuerInnen von ASPSP!

http://www.aswnet.de/umwelt/spendenaufruf.html

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