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NEWSLETTER DEZEMBER 2005


INHALT

1 EDITORIAL

2 EIN JAHR NACH DEM TSUNAMI: REHABILITATION MIT ASW-SPENDENGELDERN

3 ASW PROJEKTBESUCHSREISE WESTAFRIKA

4 SENEGAL: EINE NEUE SCHIFFSVERBINDUNG ZWISCHEN DAKAR UND DER CASAMANCE

5 BURKINA FASO: BLAISE CAMPAORE ERNEUT PRÄSIDENT

6 VON MAUERN UND FAVELAS – EIN FILM ZU POLIZEIGEWALT IN RIO

7 ATTENTAT AUF ASW-PROJEKTPARTNER IN AMAZONIEN

8 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: ASW – PROJEKTPARTNER KÄMPFEN FÜR DEN ZUGANG ZU WASSER FÜR ALLE

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1 EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,
Sie erhalten die Dezember-Ausgabe unseres Newsletters. Fast ein Jahr ist nun seit den unvorstellbaren Zerstörungen und Verlusten an Menschenleben durch den Tsunami in Südasien vergangen. Eine Rückkehr zur Normalität ist in den am stärksten betroffen Küstenregionen Indonesiens, Sri Lankas und Indiens noch auf Jahre hinaus nicht möglich. Und für die vom Verlust von Angehörigen betroffenen Menschen, und das sind die meisten, wir es diese Normalität vermutlich nie wieder geben.
Dennoch versucht die ASW in Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation CWS in Südindien, vor allem in der Region Nagapattinam in Tamil Nadu, so gut es geht die Überlebensgrundlagen für betroffene Menschen wieder herzustellen oder alternative Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Zielgruppen dieser Rehabilitierung sind vor allem benachteiligte Dalits und Adivasi, die der indische Staat bei seinen Tsunami-Unterstützungsprogrammen vernachlässigt hat.

DIE NEWSLETTER-REDAKTION

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2 EIN JAHR NACH DEM TSUNAMI: REHABILITATION MIT ASW-SPENDENGELDERN

Insgesamt erreichten uns etwa 29.000 Euro an zweckgebundenen Spenden für den Tsunami und seine Folgen. An direkter Nothilfe wurden von unserem Partner, dem CWS in Hyderabad, und den am Küstenstreifen angesiedelten Partnerprojekten knapp 10.000 Euro der ASW-Spendengelder eingesetzt.
Mit den verbliebenen zweckgebundenen Spendengeldern finanzieren wir ein längerfristig angelegtes Rehabilitationsprojekt mit, das unser Partner CWS im Anschluss an die Nothilfe in der besonders betroffenen Küstenregion Nagapattinam gestartet hat.
Die Schwerpunkte sind die gleichen wie die der regulären ASW-Unterstützung: benachteiligte Frauen, Männer und Kinder sollen in die Lage versetzt werden, sich für ihr Überleben, ihre Rechte und ihre Interessen einzusetzen und am gesellschaftlichen Prozess aktiv teilzunehmen.
Das passiert zum Beispiel durch Schulungen in angepasster Landwirtschaft und Aufbau alternativer Einkommensmöglichkeiten für die vom Staat ‚vergessenen’ Nicht-Fischer-Gemeinschaften, (meist Dalits und Adivasi, die von Tätigkeiten existiert hatten, die der Fischerei vor- oder nachgelagert waren), durch Produktion und Bereitstellung von angepasstem Saatgut, durch Bau von Wasserspeichern und Schutzdämmen und durch Wiedernutzbarmachung von Gemeinschaftsland.

Kontakt: Detlef Stüber, Indienreferat, indien@aswnet.de

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3 ASW PROJEKTBESUCHSREISE WESTAFRIKA
Die ASW bietet im Februar 2006 eine SpenderInnen-Rundreise mit Projektbesuchen im Senegal an.
Die Reisegruppe lernt die Alphabetisierungsarbeit und die Frauen-Bildungsprojekte von ASAFODEB kennen, besucht die Selbsthilfeinitiativen im Ort Fandène und die Bauerngruppen von UCEM im Osten des Landes.
Die Mitreisenden können sich vor Ort über die Arbeit der Frauenorganisation ORGENS informieren. Und sie erhalten einen Einblick, wie sich Gemüseproduzenten und Händlerinnen am Rand von Dakar in kooperativen Netzwerken organisieren, um auf der Basis von Spar- und Kreditprogrammen einen Hinterhof-Gartenbau zur Selbstversorgung aufbauen.
Die Reise ist vom 12. bis 23. Februar 2006 und kostet 1.050,- €; plus Flug. Ein Treffen zur Vorbereitung (28.Januar) wird ebenso angeboten wie ein Nachbereitungstreffen (Mai).
Eine individuelle Reiseverlängerung ist möglich und die ASW hilft gerne bei der Programmgestaltung.
Kontakt: Michael Franke, Afrikareferat, Tel.: 030 – 2594 0805 afrika@aswnet.de

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4 SENEGAL: EINE NEUE SCHIFFSVERBINDUNG ZWISCHEN DAKAR UND DER CASAMANCE

Vor gut drei Jahren sank vor der Küste Westafrikas das senegalesische Passagierschiff Joola und riss mehr als 1.800 Menschen in den Tod. Es war eines der größten Schiffsunglücke der Menschheit, mit weitaus mehr Toten als beim Untergang der Titanic.
Für die Menschen in der Casamance-Region, dem südlichen Landesteil des Senegal, war die Schiffsverbindung eine preisgünstige Möglichkeit, ihre Agrarprodukte in die Hauptstadt zu bringen. Auch viele Schüler und Studenten nutzten gerne diese Verbindung, war sie doch billiger und weniger anstrengend als 10-15 Stunden mit dem Buschtaxi zu fahren und stundenlang an Gambias Grenze und darauf an der Fährverbindung über den Gambiafluss zu warten.
Das neue Schiff, "Wilis", auch mit deutscher Hilfe finanziert, schließt diese Lücke nur teilweise. Es ist als Passagierschiff für Touristen konzipiert, die Plätze sind teurer geworden und es dürfen nur 20 kg Gepäck mitgenommen werden. Händlerinnen, die Obst und Gemüse nach Dakar bringen wollen, warten weiter darauf, dass ein preisgünstigeres Handelsschiff die Verkehrsverbindungen und Vermarktungsmöglicheiten für den abgeschnittenen Süden verbessert.

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5 BURKINA FASO: BLAISE CAMPAORE ERNEUT PRÄSIDENT

Burkina Faso bestätigte in den Präsidentschaftswahlen vom November den bisherigen Amtsinhaber. Obwohl die Kandidatur für eine dritte Amtszeit als verfassungswidrig kritisiert wurde, galt die Wiederwahl von Staatschef Campaore als sicher. Drei andere Präsidentschaftskandidaten hatten erfolglos gegen die Kandidatur geklagt. Ihrer Ansicht nach dürfe der seit 1991 regierende Präsident nur zwei Amtsperioden à fünf Jahre innehaben. Doch wurde diese Regelung erst vor kurzem eingeführt und so argumentierte die regierende Partei, dass die Beschränkung der Amtszeit auch erst mit der entsprechenden Verfassungsänderung begonnen hat.
Die Opposition in Burkina ist schwach und zerstritten. Sie konnte sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen und so gewannen die konkurrierenden Präsidentschaftskandidaten nur zwischen 0,3 und knapp 5% der Stimmen.
Andere Kritiker bemängeln das niedrige Bildungsniveau in Burkina Faso. Mehr als 80% der Erwachsenen gelten als Analphabeten und weniger als 40% der Bevölkerung war überhaupt zur Wahl zugelassen.

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6 VON MAUERN UND FAVELAS – EIN FILM ZU POLIZEIGEWALT IN RIO

Ab sofort kann bei der ASW der Dokumentarfilm „Von Mauern und Favelas“ von Susanne Dzeik, Kirsten Wagenschein und Marcio Jeronimo ausgeliehen werden. Der von der ASW finanziell unterstützte Streifen – eine deutsch-brasilianische Produktion – berichtet von der ausufernden Polizeigewalt in den Favelas von Rio de Janeiro und von den Folgen für die Favelabewohner. Der Film stellt die Situation aus Sicht von betroffenen Familienangehörigen dar und befragt brasilianische Menschenrechtler zu den Hintergründen.

Im Jahr 2003 gab es bislang die meisten Morde durch die Polizei. In diesem Jahr entstanden mehrere Widerstandsbewegungen gegen die Polizeigewalt.
Die Regisseurinnen lernten 2003 bei der Bewegung CCAP (Zentrum für eine Kooperation gesellschaftlicher Aktivitäten) Marcio Jeronimo kennen, ohne den dieser Film nicht entstanden wäre. Er leitete damals das Videokollektiv und Kommunefernsehen aTreVer (Trau Dich!) und lebt selbst in einer Favela. Er ermöglichte es, dass die beiden Frauen überhaupt Interviews und Filmaufnahmen mit den Favelados machen konnten und die erforderlichen ‚Drehgenehmigungen’ der Drogenhändler erhielten.

Der Film ist für verschiedene Zielgruppen konzipiert. Er soll nicht nur interessierte Menschen in Deutschland informieren, sondern auch brasilianische Mittelschichtsangehörige, die von der Situation in den Favelas ein völlig verzerrtes Bild haben. Weit verbreitet ist bei ihnen das Vorurteil, dass Favelados von Natur aus gewalttätig seien und dass die die Polizei eben nur ihren Job tut und gegen den Drogenhandel und die Gewalt in den Favelas vorgeht. So gesehen ist der Film für die Bewegung der Favelados ein wichtiges Mittel ihrer Öffentlichkeitsarbeit.


Bitte mit Angabe des Leihzeitraums anfordern unter mail@aswnet.de. Leihgebühr 8 Euro

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7 ATTENTAT AUF ASW-PROJEKTPARTNER IN AMAZONIEN

Am Abend des 19. Novembers wurden ohne Vorwarnung Schüsse auf einen Bewohner der Flussgemeinde Riozinho do Anfrísio im Bundesstaat Pará abgegeben. Nur knapp verfehlten sie ihr Ziel.
Dahinter stecken vermutlich ‚grileiros’, Pioniere auf der Suche nach Land. Sie eignen sich im Auftrag von Großgrundbesitzern illegal riesige Gebiete für massiven Holzeinschlag, Viehzucht oder Sojaanpflanzungen an.
Seitdem sich die Einwohner von Riozinho do Anfrísio gegen den verheerenden Einfall der Landräuber und für den Erhalt der von ihnen praktizierten nachhaltigen Sammelwirtschaft einsetzen, sind sie den ‚grileiros’ ein Dorn im Auge.
Dabei steht das Recht klar auf ihrer Seite. Erst im vergangenen Jahr wurde von der gegenwärtigen Regierung ein Dekret erlassen, das die Einrichtung des Naturschutzreservats (RESEX) Riozinho do Anfrísio anordnete und nur noch nachhaltiges Wirtschaften erlaubt. Anlass war auch zu jener Zeit ein aktuelles Bedrohungsszenario gewesen. Damals wie diesmal ermöglichte eine von der ASW finanzierte solarbetriebene Amateur-Funkstation den isoliert lebenden Flussanwohnern, die Außenwelt über ihre Situation zu informieren und Hilfe anzufordern.

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8 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: ASW – PROJEKTPARTNER KÄMPFEN FÜR DEN ZUGANG ZU WASSER FÜR ALLE
Der Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht. Dieses Menschenrecht ist aber nur auf dem Papier für alle Menschen gültig. Insbesondere ohnehin schon benachteiligten Gruppen wird allzu häufig der Zugang zu ausreichendem und sauberem Wasser verwehrt - KleinbäuerInnen, die für den Eigenbedarf produzieren, Dalits (Kastenlose) in Indien oder Indigene in Brasilien. Besonders betroffen sind dabei die Frauen, die für die Versorgung der Familien zuständig sind.

Unsere indischen Projektpartnerinnen von Echo Trust setzen deshalb seit einigen Jahren ein nachhaltiges Watershed-Programm in ihrer Region um. Sie haben Dämme und Wälle angelegt, um das spärlich vorhandene Wasser in den Böden zu halten. Bei Watershed geht es aber auch um die gerechte Verteilung der Wasserressourcen, denn die Großplantagen senken mit ihren Tiefbrunnen kontinuierlich den Grundwasserspiegel ab.

In Simbabwe führt Dabane Trust gemeinsam mit den KleinbäuerInnen der Dorfgemeinschaften in Matabeleland ein umfassendes Wassermanagementprogramm durch, um das Überleben in der Trockenheit zu sichern.

Das Indigenennetzwerk APOINME in Amazonien kämpft für die Landrechte der indigenen Völker und gegen Großprojekte wie die geplante Umleitung des Flusses São Francisco, die vielen BewohnerInnen des Flusses und seiner Nebenarme schlichtweg die Überlebensgrundlage entziehen würde.

Wir bitten Sie herzlich, die Arbeit unserer Partnergruppen für das Menschenrecht auf Wasser mit Ihrer Spende zu unterstützen.
http://www.aswnet.de/menschenrechte/spendenaufruf.html

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WENN SIE DEN NEWSLETTER KÜNFTIG NICHT MEHR BEZIEHEN WOLLEN SCHICKEN SIE EINE KURZE MAIL AN
oeffentlichkeit@aswnet.de

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IMPRESSUM:

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Redaktion: Isabel Armbrust
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