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NEWSLETTER DEZEMBER 2008



1 EDITORIAL

2 ERNÄHRUNGSSICHERUNG IN ZEITEN STEIGENDER NAHRUNGSMITTELPREISE -
ADAMA SARR VON DER SENEGALESISCHEN BAUERNORGANISATION AJEF BERICHTET

3 INDISCHER EMPFÄNGER DES ALTERNATIVEN NOBELPREISES ZEIGT:
NAHRUNGSSICHERHEIT WIRD AN DER BASIS GESCHAFFEN

4 ARMUT UND HUNGER - MIT LULA VORBEI?
BRASILIENSOLIDARITÄTSGRUPPEN ZIEHEN BILANZ

5 SIMBABWE: ASW-PARTNER DABANE-TRUST UNTERSTÜTZT LOKALE BEHÖRDEN BEI PRÄVENTIVMASSNAHMEN GEGEN DIE CHOLERA

6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: INDIENS ADIVASI KÄMFPEN GEGEN VERTREIBUNG UND ZERSTÖRUNG IHRER KULTUR

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EDITORIAL

Zum 60-jährigen Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 2008 hat die Vollversammlung der UNO ein Zusatzprotokoll zum UN-Sozialpakt verabschiedet. Dadurch soll Opfern von Verletzungen Sozialer Menschenrechte, etwa des Rechts auf Nahrung, Bildung, Wohnung, die Möglichkeit eingeräumt werden, bei der UNO Beschwerde einzulegen, wenn der nationale Rechtsweg ausgeschöpft ist.

Die ASW begrüßt diesen wichtigen Schritt in Richtung Gleichstellung der Sozialen Menschenrechte mit den klassischen bürgerlichen Menschenrechten. Bislang wurden diese Menschenrechte der zweiten Generation von staatlicher Seite behandelt wie Menschenrechte zweiter Klasse. Entsprechend gering war und ist bei den Regierungen die Motivation, Instrumente für ihre Einklagbarkeit zu schaffen.

Aktuell engagiert sich die ASW zusammen mit ihren Partnern vorrangig für das Menschenrecht auf Nahrung. Im Rahmen unseres Zweijahresschwerpunkts zu diesem Thema haben wir jüngst die Ausstellung "Genug für alle - Nahrung ist ein Menschenrecht!" fertig gestellt und eine Rundreise mit einem Projektpartner aus dem Senegal organisiert. Adama Sarr von der Bauerngruppe AJEF berichtete in verschiedenen deutschen Städten von den Erfolgen seiner Organisation bei der Ernährungssicherung durch angepasste Landwirtschaft. Lesen Sie dazu unter 2 Auszüge aus einem Interview mit Adama Sarr.

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2 ERNÄHRUNGSSICHERUNG IN ZEITEN STEIGENDER NAHRUNGSMITTELPREISE -
ADAMA SARR VON DER SENEGALESISCHEN BAUERNORGANISATION AJEF BERICHTET

"Seit wir in der Region Diourbel aktiv sind, sind die Menschen über das Subsistenzniveau hinausgelangt. Wir haben mit Kompost die Bodenfruchtbarkeit verbessert und die Bauern pflanzen jetzt außer Hirse, die die tägliche Nahrung liefert, verschiedene Gemüsesorten, die sich vermarkten lassen. Mit diesem Geld kaufen sie auf dem Markt Reis, Öl und Zucker.
Von dem Anstieg der Preise für diese Güter sind wir natürlich direkt betroffen. Gleichzeitig ist aber auch der Preis für Maniok und Hirse gestiegen. Deshalb sind wir jetzt dabei, den Anbau von Maniok für den Verkauf auf nahen Märkten auszuweiten. Schon in den vergangenen Jahren haben wir Maniokfelder angelegt.
Leider können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen, wie unsere diesjährige Maniokernte ausfällt. Maniok wird, anders als Hirse, unabhängig von der Regenzeit gepflanzt. Die Wurzel braucht kaum Wasser, nach neun Monaten kann man sie ernten.
Zu unserer diesjährigen Hirseernte müssen wir leider sagen: Sie war schlecht. Wir haben daher keinen Überschuss, den wir verkaufen können und bei dem wir von den guten Preisen profitieren. Im Gegenteil: wir werden im Laufe des kommenden Jahres vermutlich Hirse dazukaufen müssen. Der Grund ist die zu kurze Regenzeit 2008. Die Regenzeiten sind in den vergangenen Jahren immer unkalkulierbarer geworden. Auf die Preissteigerungen immerhin haben wir gut und schnell reagiert. Wenn die Maniokernte gut wird, dann haben wir das Schlimmste abgewendet."

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3 INDISCHER EMPFÄNGER DES ALTERNATIVEN NOBELPREISES ZEIGT:
NAHRUNGSSICHERHEIT WIRD AN DER BASIS GESCHAFFEN

Die Mehrzahl der Hungernden Indiens lebt auf dem Land. Solange der indische Staat auf ein quantitatives Wirtschaftswachstum setzt, das an den ländlichen Armen vorbeigeht, muss die Initiative zur Verbesserung ihrer Situation von unten kommen.
Wie das geht, macht ASW-Projektpartner und Empfänger des diesjährigen Right Livelihood Awards vor: LAFTI (Land for the Tillers Freedom - Land für die Freiheit der Bauern) kämpft für landlose Dalits (Kastenlose), für die der Zugang zu Land der entscheidende erste Schritt zu einer Verbesserung ihrer Ernährungslage ist. 12.000 Dalit-Familien haben in den vergangenen drei Jahrzehnten jeweils ein Landstück von einem Acre - 0,4 Hektar - erhalten.
Mit neu gewonnenem Selbstbewusstsein verteidigen diese Menschen heute ihr Land gegen sich ausbreitende Shrimsfarmen, die die Böden versalzen und das Grundwasser ungenießbar machen. Außderdem streiten sie für die Landrechte weiterer kastenloser Tagelöhner.

Dalits, die Benachteiligtsten der Benachteiligten, stellen 90 Prozent der LAFTI-Mitarbeiter. Und auch die Gründerin von LAFTI, Krishnammal Jegannathan, stammt aus dieser Bevölkerungsgruppe, kommt also "von ganz unten". Zusammen mit ihrem Mann Jegannathan hatte sie sich 1968 entschieden, in die Region Nagapattinam in Tamil Nadu zu ziehen und dort mit den Opfern von Ausbeutung und Unterdrückung für Rechte und für ein Leben ohne Hunger zu kämpfen.
Schon in dieser frühen Zeit, noch bevor LAFTI als Nichtregierungsorganisation registriert wurde, hatte die ASW die Basisarbeit von Krishnammal und Jegannathan unterstützt. Aktuell kooperiert die ASW mit LAFTI im Rahmen langfristig angelegter Tsunami-Rehabilitationsarbeiten.

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4 ARMUT UND HUNGER - MIT LULA VORBEI?
BRASILIENSOLIDARITÄTSGRUPPEN ZIEHEN BILANZ

Vom 12.-14. Dezember tagte der "Runde Tisch der Brasiliensolidaritätsgruppen". Es war bereits das 17. Treffen aller in Brasilien engagierten Organisationen und Einzelpersonen. Über 130 Teilnehmende debattierten über die bisherige Amtszeit der Regierung Lula und werteten seine Politik und Maßnahmen zur Armutsbekämpfung aus. In sechs Arbeitsgruppen wurden die Politikfelder Gesundheit, Bildung, Hunger, Umwelt, Rassismus sowie Gleichberechtigung von Frauen und Männern untersucht.

Viele der Sozialindikatoren deuten darauf hin, dass sich die Armut im Land mildert, aber das Ziel, den Hunger zu beseitigen, längst noch nicht erreicht ist. Die Erhöhung des Mindestlohns auf 415 Reais (rund 140 Euro) hat für die ärmere Bevölkerung positive Auswirkungen. Ebenso die Bündelung der Sozialprogramme in "Bolsa Família": Familien mit einem pro Kopf-Einkommen unter 120 Reais (rund 40 Euro) werden mit 50 - 90 Reais bezuschusst. Eine finanzielle Hilfe, die die Landarbeiterinnen des MMTR so einschätzen: "Bolsa Família ändert nichts an unserer Armut, aber es lindert zumindest den Hunger."

Aber auch zu Kritik gab es genug Anlass, da "Bolsa Família" nur rund 10 Millionen der eigentlich berechtigten 15 Millionen Familien erreicht und kein Rechtsanspruch für die Aufnahme in das Programm besteht. Vielmehr erhält "Bolsa Família" nur, wer bestimmte Bedingungen erfüllt, wie zum Beispiel den Schulbesuch der Kinder oder die Durchführung von Impfungen. Fernanda Carvalho, Vertreterin des Sozialforschungsinstituts IBASE, und andere MenschenrechtlerInnen kritisieren hier, dass das Menschenrecht auf Nahrung bedingungslos gelten muss.

Kritisch untersucht wurde vor allem, was der derzeitige brasilianische Wirtschaftsaufschwung für die soziale Ungleichheit im Land bedeutet. Trotz allgemeiner Einkommensverbesserungen hat sich durch die immensen Unternehmensgewinne - vor allem in der Agrarexportwirtschaft - die Kluft zwischen extrem arm und extrem reich in Brasilien weiter vertieft.
Auch in Sachen Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen sowie zwischen Schwarzen und Weißen bleiben die Unterschiede bestehen: 2006 beträgt das Durchschnittseinkommen weißer Männer rund 1.180 Reais, während schwarze Männer etwa die Hälfte (rund 580 Reais) verdienen. Weiße Frauen erhalten zwei Drittel des Gehalts der weißen Männer (rund 740 Reais) und schwarze Frauen etwa die Hälfte des Gehalts von weißen Frauen.

Nachzulesen unter: http://www.kooperation-brasilien.org

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5 SIMBABWE: ASW-PARTNER DABANE-TRUST UNTERSTÜTZT LOKALE BEHÖRDEN BEI PRÄVENTIVMASSNAHMEN GEGEN DIE CHOLERA

Seit 18 Jahren engagiert sich die NGO Dabane Trust im Süden Simbabwes für die Verbesserung der Infrastruktur in ländlichen Gebieten. Schwerpunkt der Arbeit ist die Gewinnung von sauberem Trinkwasser und von Wasser für die kleinbäuerliche Landwirtschaft. Mit Unterstützung der ASW hat Dabane zusammen mit Dorfgemeinschaften ein Programm zur Wassergewinnung aus versandeten Flussbetten entwickelt.

Die im Laufe der Jahre erworbenen Fertigkeiten in der Wasseraufbereitung stellt die Organisation aktuell zur Eindämmung der Cholera zur Verfügung. Im Kusile-Distrikt hat Dabane in Absprache mit der Gesundheitsbehörde Familien und Gemeinden beim Bau von Sandfiltertanks geholfen. Ausgewählte Gemeindemitglieder erhielten Schulungen in Sandfiltertechnik. Nach der Fertigstellung von 30 Tanks findet jetzt eine Evaluierung statt, und wenn der zuständige Gesundheitsbeamte zufrieden ist, sollen weitere 300 Tanks an anderen Orten realisiert werden - von den von Dabane ausgebildeten lokalen "Tank-Konstrukteuren".

Zusätzlich ist Dabane an weiteren Aktivitäten zur Bekämpfung der Cholera beteiligt: Ebenfalls im Kusile-Distikt hat die Organisation von der UNICEF bereitgestellte Wasseraufbereitungspräparate verteilt und lokale Gesundheitsbehörden bei der Choleraaufklärung unterstützt. In Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes, ist Dabane in einem von UNICEF koordinierten Cholerapräventionssteam aus Stadtverwaltung und verschiedenen NGOs aktiv. Weil die Stadt über keinen Dieselkraftstoff mehr verfügte, mit dem Desinfektionsbeauftragte zu den Haushalten hätten fahren können, vermittelte Dabane den notwendigen Treibstoff.

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6 AKTUELLER SPENDENAUFRUF: INDIENS ADIVASI KÄMFPEN GEGEN VERTREIBUNG UND ZERSTÖRUNG IHRER KULTUR

ASW-Projektpartner in Indien setzen sich seit vielen Jahren für die Rechte der indigenen Adivasi ein, die zu den am meisten diskriminierten Bevölkerungsgruppen Indiens zählen. Das Schlagwort heißt Empowerment: Die Gemeinschaften sollen in die Lage versetzt werden, selber für ihre Rechte einzutreten und konkrete Projekte zur Verbesserung ihrer Lebenssituation umzusetzen.

Die Erfahrung unserer Partner zeigt, dass das funktioniert. Die Frauengruppe WORD in Orissa streitet für Frauenrechte und Waldschutz. Durch Sammelwirtschaft und nachhaltigen Anbau im Wald sichern sie die Existenz ihrer Familien und letztlich des Waldes, von dem sie leben. Unsere Partner JUDAV und PRAVAH im Bundesstaat Jharkhand initiieren Grundschulprogramme in abgelegenen Regionen und fördern ökologische Landwirtschaft und Wassermanagement. Oder die Gruppe BSS im südlichen Bundesstaat Andhra Pradesh: Sie bildet Jugendliche zu Multiplikatoren aus und macht direkte Lobbyarbeit bei der Verwaltung ihrer Region.

Durch die zunehmende Ausbeutung von Rohstoffen oder andere wirtschaftliche Großprojekte sind viele Adivasigemeinschaften aktuell von Vertreibung bedroht.
Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, die "ersten Bewohner" Indiens zu stärken, damit diese ihre Menschenrechte einfordern können. Gemeinsam mit unseren Partnern und den Betroffenen vor Ort schaffen wir Perspektiven für ein menschenwürdiges Leben.


http://www.aswnet.de/menschenrechte/spendenaufruf.html

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