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NEWSLETTER DEZEMBER 2009


1 EDITORIAL: DER WELTKLIMAGIPFEL IN KOPENHAGEN UND DAS MENSCHENRECHT AUF NAHRUNG

2 BRASILIEN: WASSERKRAFTWERK BELO MONTE ZERSTÖRT REGENWALD

3 INDIEN: 500 ACRES LAND FÜR 500 FAMILIEN

4 BURKINA FASO: ASW-PARTNERORGANISATION WEITET PROGRAMME ZUR STÄRKUNG VON FRAUEN AUS

5 ASW SUCHT FREIWILLIGE FÜR SOLIDARITÄTS-FAHRADTOUR

6 SPENDENAUFRUF: SAMMELWIRTSCHAFT SCHÜTZT AMAZONIENS WÄLDER

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1 EDITORIAL: DER WELTKLIMAGIPFEL IN KOPENHAGEN UND DAS MENSCHENRECHT AUF NAHRUNG

Weit weniger beachtet als der Gipfel in Kopenhagen fand Mitte November in Rom der Welternährungsgipfel statt. Dort forderte die Welternährungsorganisation FAO eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um 70%, was erforderlich scheint angesichts über einer Milliarde hungernden Menschen. Doch wie verträgt sich diese Forderung mit dem Klimaziel? Wie kann der Ausstoß von Kohlendioxid um 80% vermindert werden, wenn schon heute 40% der Emissionen aus der Landwirtschaft stammen?
Wir meinen: eine reine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion verursacht mehr Probleme als sie zu lösen verspricht. Gestärkt werden muss eine kleinbäuerliche, ökologisch angepasste Landwirtschaft, die den Hunger dort beseitigt, wo er entsteht: auf dem Land. Denn 70% der Hungernden sind Landlose, LandarbeiterInnen und KleinbäuerInnen - und die meisten von ihnen sind Frauen.

"Weniger CO2 und mehr Rechte für Frauen!" fordert auch die Aktionstheatergruppe Loucas de Pedra Lilás aus dem brasilianischen Recife anlässlich des Weltklimagipfels. Als Stimme des Südens werden die Loucas de Pedra Lilás in Kopenhagen von der ASW unterstützt. Mit ihren Theateraktionen machen sie gleichzeitig in Recife und Kopenhagen auf die Entwaldung Amazoniens aufmerksam und fordern die brasilianische Regierung zu entschiedenem Handeln gegen Treibhausgase auf.

Zwei Drittel der Kohlenstoffemissionen Brasiliens entstehen durch die Rodung von Regenwäldern, um zusätzliche Flächen für die industrielle Landwirtschaft zu gewinnen. Bezieht man sie in die Kohlenstoffbilanz mit ein, rückt Brasilien auf Platz fünf der weltweit größten Verschmutzer vor.
Die Bewegung der brasilianischen Babaçu-Nussknackerinnen (MIQCB) - eine weitere Partnerorganisation der ASW - kämpft schon seit vielen Jahren gegen diese fortschreitende Industrialisierung der brasilianischen Landwirtschaft und die Entwaldung. 1992 hat das MIQCB auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro die Anerkennung der kollektiven Landrechte der Babaçu-Sammlerinnen und den Schutz der Babaçu-Palmen erstritten - Rechte, die in immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen mit mächtigen Großgrundbesitzern und Rinderfarmern verteidigt werden müssen.
Im März 2010 wird Maria do Rosário Soares Costa Ferreira vom MIQCB auf Einladung der ASW Deutschland besuchen und von diesen Auseinandersetzungen und ihren Erfolgen berichten. Die Termine der Veranstaltungen finden sie auf unserer Website.

Dass Wasserkraft nicht immer eine "umwelfreundliche" Energieform ist, darum geht es in der ersten Meldung dieses Newsletters. Das zweitgrößte Wasserkraftwerk Brasiliens soll an der Grenze zu dem erst vor einem Jahr eingerichteten Naturreservat "Médio Xingu" entstehen. Auch zu diesem Thema wird die ASW eine Veranstaltung durchführen: Marcelo Salazar vom brasilianischen Instituto Socioambiental (ISA) wird am 19.01.2010 über die sozialen und ökologischen Folgen dieses Großprojektes berichten. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile und Lateinamerika (FDCL) um 19.00 Uhr im Versammlungsraum des FDCL, Mehringhof, Aufgang 3, 1.Stock, Gneisenaustraße 2a in 10961 Berlin-Kreuzberg statt.
Bereits heute möchten wir Sie zu dieser Veranstaltung herzlich dazu einladen!

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2 BRASILIEN: WASSERKRAFTWERK BELO MONTE ZERSTÖRT REGENWALD

In dem erst vor einem Jahr eingerichteten Regenwaldreservat Médio Xingu soll entlang des Xingu-Flusses das zweitgrößte Wasserkraftwerk Brasiliens entstehen. Der Bau des bereits 1975 geplanten Wasserkraftwerks Belo Monte wurde nach öffentlichen Protesten bereits mehrfach ausgesetzt, zuletzt 1989. Die Regierung Lula scheint jetzt aber entschlossen zu sein, dieses Projekt um jeden Preis umzusetzen. Allerdings hat die brasilianische Umweltbehörde IBAMA im Dezember 2009 die erforderlichen Unbedenklichkeitserklärungen an Auflagen geknüpft, so dass der öffentliche Auftrag für den Bau der Staustufen und des Kraftwerks erst im nächsten Jahr erteilt werden kann.

Die ASW-Projektpartner FVPP (Stiftung Leben Produzieren und Schützen) und die Vereinigung der Flussanwohner haben sich in den letzten Jahren intensiv für ein nachhaltiges Entwicklungsmodell am Xingu-Fluss engagiert. Durch die Einrichtung des Sammelreservats Médio Xingu sollen die traditionelle Lebensweise der dort lebenden Menschen unterstützt und die Rodungen für Rinderfarmen in dem Gebiet beendet werden.

Der Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte lässt jetzt Umweltzerstörungen und soziale Konflikte größten Ausmaßes erwarten. Da der Xingu-Fluss in der Trockenzeit sehr wenig Wasser führt, könne, so vermuten Wissenschaftler, das Kraftwerk während mehrerer Monate viel weniger Strom produzieren als berechnet. Aus dem gleichen Grund wird die Austrocknung des Flusses unterhalb der Staumauer befürchtet, was schwere ökologische und soziale Folgen hätte. Zudem betreffen die für den Bau erforderlichen Umsiedlungen mindestens 5.000 Menschen, während die offiziellen Berechnungen nur von 2.822 Betroffenen ausgehen.

"Der Rio Xingu muss so bleiben wie er ist, wir leben vom Fischfang und von der Jagd", forderte der Kayapó-Führer Raoni während eines Konzerts des britischen Sängers Sting, der wie 1989 den Protest gegen Belo Monte unterstützt. In einem offenen Brief an Präsident Lula hatten Anfang November fast 300 Vertreter indigener Völker der Region "kriegerische Aktionen" gegen das Wasserkraftwerk angekündigt.
Wie das Landesgericht in Altamira am 10.11.2009 offiziell feststellte, sind die betroffenen indigenen Gemeinden bisher nicht ausreichend in den Planungsprozess einbezogen worden. Stärkere internationale Unterstützung gegen den Bau von Belo Monte suchen die sozialen Bewegungen aktuell auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen.

Über die sozialen und ökologischen Folgen des Großprojektes Belo Monte wird am 19.01.2009 Marcelo Salazar vom brasilianischen Instituto Socioambiental (ISA) berichten. Die Veranstaltung findet um 19.00 Uhr im Versammlungsraum des FDCL, Mehringhof, Aufgang 3, 1.Stock, Gneisenaustraße 2a in 10961 Berlin-Kreuzberg statt. Wir möchten Sie bereits heute herzlich dazu einladen.

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3 INDIEN: 500 ACRES LAND FÜR 500 FAMILIEN

Die ASW-Partnerorganisation LAFTI konnte erneut 500 Dalit-Familien den Kauf von fruchtbarem Land im Bundesstaat Tamil Nadu ermöglichen. Am 15.11.2009 wurden in Anwesenheit eines Regierungsvertreters die Besitzurkunden über jeweils einen Acre (0,4 Hektar) feierlich an 500 Frauen übergeben.

LAFTI (Land for the Tillers' Freedom) wurde 1981 als Nichtregierungsorganisation von Krishnammal und Sankaralingam Jagannathan gegründet. Ihr Ziel: Landlosen Dalits (sogenannten Unberührbaren) eigenes Ackerland zugänglich zu machen, damit sie ihre Lebenssituation und Ernährungssicherheit nachhaltig verbessern können. Seither hat LAFTI 13.600 landlosen Familien in Tamil Nadu den Kauf von Land ermöglicht. Die Besitzurkunden werden immer im Namen der Frauen ausgestellt. Für sein Engagement wurde das Ehepaar Jagannathan 2008 mit dem alternativen Nobelpreis geehrt.

LAFTI fördert zusätzlich zu landwirtschaftlichen Aktivitäten dörfliche, handwerkliche Produktionsstätten sowie die Aus- und Schulbildung von Kindern aus Dalit-Familien. Aktuell unterstützt die Organisation auch ein Hausbauprogramm für Dalits. "Wir haben einen Brennofen für Ziegelsteine gebaut", berichtete Krishnammal in einem Interview am 15.11.2009. "Die Ziegel werden aus Flugasche gebrannt, die wir umsonst bekommen. Es hat sechs Monate gedauert, bis wir einen Stromanschluss hatten, aber am 30. Oktober hielten wir die ersten Flugasche-Ziegel in den Händen. Bisher konnten wir so für 2.000 Familien umweltfreundlich und partizipativ Häuser bauen. Mein nächstes Ziel ist es, 5.000 weitere Häuser zu bauen!" sagte die 84-jährige Krishnammal.

Die ASW unterstützt Aktivitäten von LAFTI, die sich gegen die Zerstörung von Ackerland durch industrielle Shrimpsfarmen richten.

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4 BURKINA FASO: ZUSÄTZLICHE PROGRAMME ZUR STÄRKUNG VON FRAUEN

Bildung und ökonomische Unabhängigkeit motivieren Frauen, entschiedener für ihre Rechte einzutreten. Die ASW-Partnerorganisation APFG, die gegen die in Burkina Faso noch weit verbreitete Genitalverstümmelung sensibilisiert, hat daher ihre Programme zur ökonomischen Stärkung und Bildung von Frauen ausgebaut.
ASW-Afrikareferent Michael Franke besuchte im Oktober die Association pour la Promotion Féminine de Gaoua (APFG) und konnte eindruckvolle Fortschritte in verschiedenen Programmbereichen feststellen.
So wurde die Produktion von Karitébutter und Hirsebier gesteigert. APFG hat sich dafür auch räumlich vergrößert und nutzt jetzt einen Raum ausschließlich zum Verarbeiten von Karité. Dort wird heute das begehrte Fett der Kariténuss gewonnen und zu verschiedenen Kosmetikprodukten und Seifen verarbeitet. Gleich nebenan wurde ein Internetcafé eingerichtet. In einem weiteren Raum werden handwerkliche Produkte der Frauen verkauft.

Im Hof zwischen Internetcafe und Karitéverarbeitungsstelle finden die Bildungsworkshops statt. Das APFG Programm ist so einfach wir überzeugend: Im Anschluss an die Kurse der Erwachsenenalphabetisierung folgt die „Formation Complementaire de Base“, die ergänzende Grundausbildung. Kursabsolventinnen können sich zur Animatrice und dann zur Formatrice ausbilden lassen, um ebenfalls in der Aufklärung über Genitalverstümmelung tätig zu werden. Animatricen bilden andere Frauen aus und werden ihrerseits von Formatricen ausgebildet. Mit diesem einfachen System erreicht das APFG-Programm eine sehr große Zahl an Frauen. Auch die Kinder und insbesondere die Mädchen profitieren, da alphabetisierte und ausgebildete Mütter eher darauf drängen, dass ihre Töchter und Söhne zur Schule gehen.

Über die Arbeit der Organisation gegen die Genitalverstümmelung berichteten wir ausführlich in unserem Newsletter von Juni 2009:
http://www.aswnet.de/newsletter/newsletter062009.html

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5 ASW SUCHT FREIWILLIGE FÜR SOLIDARITÄTS-FAHRADTOUR NACH AFRIKA

Die ASW plant eine Fahrradtour nach Afrika. Damit wir nicht so lange unterwegs sind, haben wir uns für das Dörfchen "Afrika" in Brandenburg entschieden - etwa 80 Kilometer nördlich von Berlin.

Am 19.06.2010 radeln wir von Bernau (80 km) bzw. Eberswalde (50 km) nach Afrika und lassen den Abend mit einem kleinen Fest, afrikanischen Speisen und Getränken ausklingen. Neben dem Spaß am gemeinsamen Radfahren wollen wir die Tour nutzen, um über unsere Projekte in Afrika zu informieren und Spenden für sie zu sammeln.

Bisher steht ein vorläufiges Konzept. Deshalb suchen wir engagierte Menschen, die uns unterstützen und eigene Ideen einbringen. An unserem Info-Abend können Sie die ASW und unsere Afrika-Projekte besser kennen lernen. Außerdem werden wir das weitere Vorgehen besprechen.

Auf geht’s nach Afrika. Wir hoffen, Sie sind dabei.

Info-Abend
18.01.2010 um 19h
Hedemannstr. 14 (U-Bahn Hallesches Tor)

Kontakt:
Meike Templin
030/992969539
aswspenden2@aswnet.de

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6 SPENDENAUFRUF: SAMMELWIRTSCHAFT SCHÜTZT AMAZONIENS WÄLDER

Für die Babaçu-Nusssknackerinnen im kleinen Ort Bairro Novo steht ein ganz besonderer Moment bevor: die Installation einer elektrischen Ölpresse in der kleinen Produktionsanlage, die sie mit Unterstützung der ASW aufgebaut haben.
Seit fast 20 Jahren setzt sich die Bewegung der Babaçu-Nussknackerinnnen (MIQCB) für die rund 400.000 Menschen ein, die in Amazonien von der Babaçu-Sammelwirtschaft leben. Ihr erster wichtiger Erfolg war die staatliche Anerkennung der kollektiven Landrechte der Sammlerinnen und der damit verbundene freie Zugang zu den Palmenhainen 1992. Diese Rechte und den Schutz der Wälder müssen die Frauen sich dennoch immer wieder in harten Auseinandersetzungen mit den örtlichen Rinderzüchtern erkämpfen.

Der Aufbau von Kooperativen, in denen die Babaçu-Sammlerinnen gemeinsam die Nüsse weiterverarbeiten und die Produkte dann verkaufen, war der nächste Schritt. In Bairro Novo am Rande des Städtchens Penalva produziert eine von 150 Frauen gegründete Kooperative bereits hochwertiges Speiseöl und Seife. Die neue elektrische Ölpresse soll diese Produktion kräftig steigern.

Dadurch wird jetzt die gezielte Vermarktung wichtig. "Wenn wir den Markt für unsere Seife und unser Speiseöl weiter ausbauen, werden wir bald sicherlich mehr zu essen auf unseren Tischen haben!", bekräftigt die Koordinatorin Maria Adelina Souza Chagas. MIQCB möchte deshalb für die Sammlerinnen einen Startkapital-Fonds zur Preisgarantie einrichten und zusätzliche Transportmittel anschaffen.
Über die aktuelle Situation in Bairro Novo wird im Mai Maria do Rosário Soares Costa Ferreira berichten, die auf Einladung der ASW nach Deutschland kommt.

Helfen Sie mit! Unterstützen Sie die Frauen in Bairro Novo bei der Verbesserung ihrer Lebenssituation!


http://www.aswnet.de/umwelt/spendenaufruf.html

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WENN SIE DEN NEWSLETTER KÜNFTIG NICHT MEHR BEZIEHEN WOLLEN SCHICKEN SIE EINE KURZE MAIL AN

oeffentlichkeit@aswnet.de

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IMPRESSUM:
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