Was Verena von Hammerstein seit 59 Jahren an der ASW überzeugt

„Wir haben damals bei Miss a Meal mitgemacht. Jedenfalls mit den älteren Kindern, die den Sinn schon verstehen konnten“, erinnert sich Verena von Hammerstein. Sie war 1958 mit ihrer Familie aus den USA zurückgekommen. Da war die Aktionsgemeinschaft für die Hungernden gerade ein Jahr alt. Ihr Gründervater Lothar Kreyssig war von der in England laufenden „Miss a Meal“ -Aktion inspiriert und hatte sie auf Deutschland übertragen. So kam es, dass zahlreiche Unterstützer wie Verena von Hammerstein und ihre Familie einmal in der Woche auf eine Mahlzeit verzichteten, sich in dieser Zeit im Geiste mit den Hungernden verbanden und das eingesparte Geld spendeten.

Zunächst war das Ehepaar von Hammerstein mehr bei der Aktion Sühnezeichen* engagiert. Bei der Aktionsgemeinschaft für die Hungernden, 1973 umbenannt in Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt, wirkte Frau von Hammerstein deutlich später aktiv mit. „Ich hatte begonnen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Und ehe ich mich es versah, war ich 1982 in den Vorstand gewählt“.

Reisen in die Projektregionen der ASW veränderten ihre Wahrnehmung. „Ich kam weg von dem rein christlichen Blick. Ich sah, dass die ASW die Tür weit geöffnet hatte. Ich sah Toleranz, Offenheit und ein Lernen voneinander.“

Was Verena von Hammerstein an der Berliner Geschäftsstelle beeindruckte, war die extreme Sorgfalt, mit der die MitarbeiterInnen vor der Bewilligung jeden Projektantrag überprüften. "In diesen Runden lernte ich, die wichtigen Fragen zu stellen. Die Zeit im Vorstand waren meine Lehrjahre", sagt Verena von Hammerstein.

Damals arbeitete sie auch im Verteilerausschuss von Brot für die Welt mit. "Wir berichteten dort offen von unseren Erfahrungen mit den ASW-Projekten. So hat letztlich auch Brot für die Welt von den Lernprozessen in der ASW profitiert."

Bis heute ist Verena von Hammerstein der ASW eng verbunden. Sie schätzt die Flexibilität in der Projektförderung, die die ASW sich als kleine Organisation erhalten hat. Gefragt nach den Themen, die sie am meisten beeindrucken, fallen ihr die Frauenförderung und die Landwirtschaft ein. „Heute wissen wir, wie wichtig die Kleinbauern für eine nachhaltige Entwicklung sind. Die ASW wusste das schon länger und hat die Trends der Entwicklungshilfe, Landwirtschaft durch Dünger und Monokulturen stark zu machen, nie mitgetragen.“

Ein weiter so und mit der gleichen Ausdauer wünscht uns die kluge 95-Jährige für unser Jubiläum. „Die ASW hat seit ihrer Gründung mit kompetenten und engagierten MitarbeiterInnen viel geleistet. Ich wünsche Ihnen, dass trotz des rauen Klimas in der Welt Ihre Arbeit weiterhin Früchte trägt.“

Wir, die MitarbeiterInnen der Berliner Geschäftsstelle, bedanken uns ganz herzlich bei Frau von Hammerstein für ihren fast lebenslangen Einsatz für eine gerechtere Welt.

*Die Aktionsgemeinschaft für die Hungernden, die Aktion Sühnezeichen und der Weltfriedensdienst waren damals unter dem Dach der Versöhnungsdienste e.V verbunden. Alle drei gingen auf Lothar Kreyssig zurück, in der Nazizeit Mitglied der bekennenden Kirche und seit 1947 Präses der evangelischen Kirche.

Verena von Hammerstein ist eine der ältesten unserer Unterstützerinnen. Sie ist Schweizerin, wurde 1922 in einen Pfarrhaushalt geboren und studierte selbst Theologie. Zusammen mit ihrem Mann Franz von Hammerstein unterstützte sie die Aktionsgemeinschaft seit 1958. Von 1982 bis 87 gestaltete sie die ASW auch über ein Vorstandsamt mit.


Sie und ihr Mann kannten den Gründervater der ASW, Lothar Kreyssig (rechts im Bild). Als dieser 1986 starb, schrieb Frau von Hammerstein in der Solidarischen Welt den Nachruf. 

Als Verena von Hammerstein 1982 in den Vorstand ging, hatte die ASW ihre Förderpraxis gerade von Kinderpatenschaften auf Gemeinschaftsförderung umgestellt.