Gewerkschaften der brasilianischen Hausangestellten - Partizipation, Mitbestimmung und Vernetzung
In Brasilien ist die Beschäftigung als Hausangestellte (doméstica) neben der Arbeit in der Landwirtschaft der häufigste Frauenberuf. Doch nach wie vor haben ca. 75-80% der Hausangestellten keinen Arbeitsvertrag und deshalb auch keine soziale Sicherung. Und seit längerem verschärft sich die Lebenssituation der domésticas, da sie immer öfter für mehrere Familien arbeiten müssen. Von den sechs Millionen Hausangestellten sind 90 Prozent nicht-weiße Frauen, darunter 500.000 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren. Zwei Drittel der domésticas verfügen über keinen Grundschulabschluss.
Dennoch haben Hausangestellte gelernt sich zu wehren. Mittlerweile organisieren sie sich in 35 lokalen Einzelgewerkschaften, die zusammen den brasilianischen Dachverband der Hausangestellten-Gewerkschaften FENATRAD bilden. Durch Netzwerkarbeit und Austausch mit anderen VertreterInnen der Frauen- oder Schwarzenbewegung oder internationaler Institutionen gelangt die Thematik der Hausangestellten in die Politik. Auch mit Fortbildungsseminaren, nationalen Kongressen und Gesetzesinitiativen trägt FENATRAD dazu bei, die Situation der domésticas in Brasilien zu verbessern. Aktuell beteiligt sich FENATRAD an der Kampagne der ILO zur Beendigung der Kinderarbeit und hat das Modellprojekt Trabalho Doméstico Cidadão– ein Bildungsprojekt für domésticas –in sieben Städten initiiert.
Im lateinamerikanischen Zusammenschluss der Hausangestellten-Gewerkschaften nimmt der brasilianische Dachverband eine Vorreiterrolle ein. Den er erstritt Errungenschaften wie das Recht auf einen Arbeitsvertrag oder den Mutter- und Kündigungsschutz.

