Brasilien - MALUNGU

Landrechte für Schwarzengemeinschaften

„Jetzt können wir nicht mehr so leicht übers Ohr gehauen werden“ freut sich der 66-jährige Páscoa Alves de Macedo. Er hat gerade in einem Seminar gelernt, dass Quilombolas das Recht auf eine „erste Anhörung“ haben, bevor große Firmen Projekte auf ihrem Land durchführen dürfen. Quilombolas sind die Nachfahren ehemaliger afrikanischer Sklaven und leben in eigenen Siedlungen mit kollektiver Landnutzung.

Obwohl die brasilianische Verfassung den Quilombola-Gemeinschaften schon seit 1988 das Recht auf das Land, das sie historisch besiedeln, zusichert, liegt die Zahl der Quilombolafamilien mit regulärem kollektivem Landtitel gerade mal bei 5,8 Prozent aller von der Regierung offiziell 214.000 registrierten Familien. Nur 1.192 davon haben unter der Regierung Dilma Rousseff bis heute den Landtitel erhalten. 1400 Prozesse hängen noch unbearbeitet bei der Landvergabebehörde INCRA. Daher ist es für Agrar- oder Rohstoffunternehmen leicht, ihnen das Land streitig zu machen. Gerade das passiert aktuell bei der Ausdehnung von industriellen Soja-, Palmöl- und Eukalytusplantagen.

Das Seminar, das Páscoa Alves de Macedo besuchte, wurde vom Dachverband der Quilombola-Organisationen im Bundestaat Pará, MALUNGU, organisiert. Der Verband klärt die Mitglieder der Gemeinschaften aber nicht nur über ihre Rechte auf, sondern hilft auch dabei, sich besser zu organisieren und die Rechte wirksam durchzusetzen. Denn es sind viele Schritte notwendig, bis es zur endgültigen Grundbucheintragung kommt.

Neben der rechtlichen Aufklärung ist auch die Auseinandersetzung mit der Kultur der Quilombolas ein Schwerpunkt von Malungo. „Die Frauen spielen bei der Vermittlung und Rückbesinnung auf unsere Kultur eine tragende Rolle“ erklärt Luzia Betânia Alcântara. Die Malungu-Frauen organisierten zum Beispiel den Marsch der schwarzen Frauen in die Hauptstadt Brasilia mit - der im November 2015 schließlich stattfinden konnte. "Es ist sehr wichtig, dass wir sichtbar werden, denn nur so können wir den Druck auf die Regierung erhöhen und zu unseren Rechten kommen“, ist Luzia Betânia Alcântara überzeugt.


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Malungu ist der Dachverband der Quilombola-Organisationen im Bundestaat Pará, der diese politisch stärkt und junge Quilombola-Führungspersonen fortbildet. Quilombos sind Gemeinschaften von Nachkommen ehemaliger Sklaven, die ihr Land kollektiv bewirtschaften und deren Landrechte von der brasilianischen Verfassung garantiert sind.
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