Indien: Wenn Kleinbauern ohne Agrarkonzerne und Glyphosat klarkommen

Das Centre for Sustainable Agriculture, CSA, das sich 2005 von der ASW-Partnerorganisation CWS unabhängig machte, ist ein Pionier der pestizidfreien Landwirtschaft. Zusammen mit der lokalen Partner-NGO SECURE setzte es 2001-2004 im Dorf Punukula in Südindien ein Programm um, das zu einer völligen Verbannung von Agrarchemie aus dem Dorf Punukula und dessen Umgebung führte. Durch die Umstellung auf Mischkultur stellte sich auf den Feldern auch wieder eine natürliche Balance verschiedener Insekten und anderer Lebewesen her.

 

Ab 2005 kooperierte dann das CSA mit der Landesregierung von Andhra Pradesh und unterstützte bei der Umsetzung des Programms "Management nachhaltiger Landwirtschaft durch lokale Gemeinschaften" (Community Managed Sustainable Agriculture).

Dieses Programm hatte eine große Reichweite und daher zur Folge, dass sich der durchschnittliche Pestizideinsatz in vielen Regionen Andhra Pradesh deutlich verringerte. Von der Regierung zusammengetragene Daten haben einen 50 prozentigen Rückgang von chemischen Ackergiften aufgezeigt.

Die Programme Pestizidfreier Landbau und „Community Managed Sustainable Agriculture“ sind nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie die Ausgaben der Bauern für chemische Dünger, Insektizide, Herbizide und somit auch ihr Verschuldungsrisiko reduzieren. „Als wir mit unserer Arbeit begannen, beschäftigten uns die vielen Selbstmorde hoch verschuldeter Bauern in Andhra Pradesh“, sagt CSA-Koordinator Dr. GV Ramanjaneyulu. „Uns war klar, dass wir Bauern von unseren Programmen nur überzeugen können, wenn sich ihre Ausgaben drastisch reduzieren.“ Und weil selbst hergestellte lokale Biopräparate einfach billiger sind als chemische Pestizide, wurde der Bioanbau von den Bauern angenommen und die Einkommen wuchsen tatsächlich an.

 

CSA unterstützt die Bauern aber auch bei einer klugen Vermarktung und hat sie zum Aufbau von Kooperativen motiviert. Unter dem Dach der Produzentengemeinschaft „Sahaja Aharam“ vermarkten 30 solcher Kooperativen nun ihre Produkte über eigene Läden sowie ein Onlineportal. So erzielen sie einen besseren Preis für die Bauern, als wenn diese an Zwischenhändler verkaufen. „50 Prozent des Endpreises bleibt nun für die Bauern, während sie früher nur 25 Prozent erhielten“, präzisiert Dr. Ramanjaneyulu den Erfolg. Sahaja Aharam Läden gibt es heute in Hyderabad und Vishakapatnam, bald wird es sie auch in anderen Städten geben.

Nur von staatlicher Seite wünscht sich Dr. Ramanjaneyulu noch mehr Unterstützung für die innovativen südindischen Bauern. „Die Agrarchemielobby ist leider stärker als die Lobby für organische Landwirtschaft. Noch immer wird kaum zu ökologischen Anbaumethoden geforscht und die Forschungsgelder gehen zu 99 Prozent in konventionelle Agrarpraktiken. Aber Farmer brauchen die Unterstützung staatlicher Rahmenprogramme. Unser Modellprogramm im Bundesstaat Andhra Pradesh hat gezeigt, wie nachhaltige Ansätze von Farmern verstärkt werden, wenn eine Regierung einen guten regulativen Rahmen schafft.“

Was in Indien gilt, gilt natürlich auch in Europa. Daher macht sich die ASW Seite an Seite mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen auch dafür stark, dass in Deutschland und auf EU-Ebene die Weichen in Richtung einer naturschonenden und auf lokale Ressourcen setzenden Landwirtschaft gestellt werden, von der sowohl KleinbäuerInnen hierzulande wie im Süden profitieren.

Wie geht biologische

Schädlingsbekämpfung?

Aus dem Werkzeugkasten des Centre for Sustainable Agriculture

1 Diversität von Anbaufrüchten auf den Feldern, keine Monokulturen

2 Inmitten der Hauptanbaufrüchte sollten auch schädlingsvertreibende Pflanzen wachsen

3 Stärkung der natürlichen Abwehrkräfte der Pflanzen durch organische Düngung

4 Der Lebenszyklus von schädlichen Insekten muss verstanden werden. Im Ei-, Verpuppungs-und Erwachsenenstadium sind Insekten harmlos. Nur im Larvenstadium schädigen sie die Pflanze.

5 Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Insekt in jedem Stadium seiner Entwicklung zu kontrollieren (präventiver Ansatz).

Im Unterschied dazu bekämpft der chemische Pflanzenschutz die Tiere nur im Larvenstadium, das heißt, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Außerdem unterliegt er dem Missverständnis, man könne Schädlinge nur kontrollieren, indem man sie tötet.

6 (Wieder-)Herstellung einer natürlichen Balance verschiedener Insekten und anderer Lebewesen auf den Feldern, die sich gegenseitig kontrollieren.

7 Saugende Insekten und Bollwurm können mit Neemkernauszügen und mit Chili-Knoblauchextrakt bekämpft werden

8 Blattläuse und -fliegen lassen sich mit Kuhdung und Urinextrakt kontrollieren

9 Mit Pheromon-Fallen lässt sich das Vorkommen schädlicher Insekten überprüfen