Andhra Pradesh - SFTTC

Eine bessere Zukunft für muslimische Mädchen

„Früher durften wir nicht aus dem Haus. Jetzt gehen wir ins Ausbildungszentrum und lernen jeden Tag, wie wir unser Leben auch als Frauen verbessern können“, freut sich die 13 jährige Vaishili. Vaishili lebt in einer moslemischen Familie im Kurnool-District indischen Bundesstaat Andhra Pradesh.

Moslems zählen in Indien zu den am meisten diskrimierten Minderheiten. Sie stellen rund 14 Prozent der Bevölkerung. Sozio-ökonomisch bilden sie allerdings, zusammen mit den indigenen Adivasi, das Schlusslicht der Gesellschaft. Ihre Analphabetenrate liegt weit über dem nationalen Durchschnitt und ein Viertel der muslimischen Kinder darf nie eine Schule besuchen. Besonders in sozial schwachen Familien dürfen Mädchen das Haus nicht verlassen und werden früh verheiratet.

Engagierte Frauen im Bundesstaat Andhra Pradesh haben sich zum Auftrag gemacht, den Mädchen ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen. Im Kurnool-Distrikt mit 30 Prozent Moslems an der Gesamtbevölkerung haben sie ein Trainigscenter für muslimische Mädchen aufgebaut. Hier gibt es besonders viele Schulabbrecherinnen. Mädchen aus armen Familien dienen als billige Arbeitskräfte für die Heimproduktion von Beedis (indischen Zigaretten) oder Räucherstäbchen. Spätestens mit der einsetzenden Pubertät lassen Eltern sie nicht mehr aus dem Haus und in die Schule, eigene Lebensvorstellungen dürfen sie nicht entwickeln. Die SFTTC-Mitarbeiterinnen mussten daher die Familien von der Notwendigkeit des Schulbesuchs ihrer Töchter überzeugen.
„Die Madame musste fünfmal zu uns kommen, bis ich in die Schule durfte“, sagt Vaishili. „Aber jetzt will auch meine Mutter, dass alle etwas lernen. Und sogar, dass wir Frauen in den Familien mitreden dürfen.“

Nicht nur in ihrer Familie hat die Überzeugungsarbeit von SFTTC Früchte getragen. Heute besuchen 50 muslimische Mädchen das Ausbildungszentrum und erfahren auch, dass sie ein Recht haben, über ihr Leben selbst zu entscheiden. Sie erhalten eine Grundbildung und absolvieren im Anschluss berufsbildende Klassen. Sie erwerben so viele Fertigkeiten, mit denen sie sich später ein eigenens Einkommen schaffen können. „Das Beedidrehen bingt 100 Rupien (1.23€), wenn du den ganzen Tag durcharbeitest und aufs Essen verzichtest“, informiert eine junge Frau. „Wenn ich jetzt eine Hennabemalung für eine Hochzeit mache, kann ich bis zu 1000 Rupien bekommen.“ Deshalb sind die Familien bereit, nun auch andere Mädchen zur Schule schicken.
Durch weitere Aufklärungsarbeit bei Straßentreffen hat SFTTC zudem erreicht, dass 165 Schulabrecherinnen nicht sofort in einen anderen Haushalt verheiratet, sondern von ihren Eltern wieder in eine reguläre Schule geschickt wurden. 25 Mädchen müssen allerdings auf diesem Weg begleitet werden. Sie erhalten ein Jahr lang eine besondere Förderung und können so den Wiedereinstieg in die Schule schaffen.

SFTTC hat auch religiöse und politische Führungspersönlichkeiten für das Thema Bildung und Kinderarbeit sensibilisiert. Auf diesem Weg hoffen die SFTTC-Mitarbeiterinnen noch mehr Menschen zu erreichen und weiteren Mädchen die Aussicht auf eine bessere Zukunft zu schaffen.
Damit SFTTC dieses Ziel erreichen kann, bitten wir Sie um Ihre Spende.


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SFTTC, das S.F. Tailoring Training Centre in Andhra Pradesh, verschafft Mädchen aus muslimischen Familien mit Schul- und Berufsausbildungen eine Aussicht auf ein eigenständiges Leben.
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