Workschop zur Bewirtschaftung der Açaíbäume
Brasilien - CDS

Tropenwaldschutz durch nachhaltige Sammelwirtschaft

Nur mit dem Boot gelangt man in das entlegene ca. 1.300.000 Hektar große Sammelreservat „Verde para Sempre“ („Für immer grün“) am Fluss Xingu. Dass es existiert, ist vor allem dem Komitee für nachhaltige Entwicklung (CDS) in Porto de Moz zu verdanken. Mitte der 90er entdeckten Holzfäller und große Firmen das Amazonasgebiet für sich, um wertvolle Hölzer zu fällen und zu verkaufen. Dabei gingen sie brutal gegen die Ribeirinhos vor, die traditionell am Ufer der Amazonasnebenflüsse leben. Da wenige der Ribereinhos einen Titel für das von ihnen bewirtschaftete Land haben, war es für die großen Firmen einfach, sich die Waldflächen anzueignen. Trotz Anzeigen der Bevölkerung konnte ungehindert weitergerodet werden, bis zu drei Millionen Kubikmeter Holz wurde im Jahr aus dem Wald geholt.

Doch 2002 begannen sich die Ribeirinhos zu wehren. Mit ihren Booten blockierten sie den Fluss, um die Transportschiffe der Holzfäller aufzuhalten. Diese versuchten sich trotz Anwesenheit der internationalen Presse mit Gewalt Durchkommen zu verschaffen und versenkten einige Boote.

2004 wurde auf Druck des CDS das Sammelreservat (Reserva Extrativista) „Verde para Sempre” eingerichtet. Hier leben bis zu 2000 Familien. Nicht alle waren begeistert von der Vertreibung der Holzindustrie, da diese Arbeitsplätze und Einkommen versprach. Inzwischen aber bietet CDS unter anderem Fortbildungen zur Nutzung des Açaíbaumes an. Von diesem sind Beeren und Palmenherz essbar, der gewonnen Saft wird in einem Laden im nahegelegenen Porto de Moz verkauft. Die Familien können sich damit ein kleines Einkommen sichern.

Auch die Fischbestände haben sich wieder erholt, seit kaum noch große Transportschiffe den Fluss nutzen und mit ihren Schrauben den Uferschlamm aufwühlen. Die Ribeirinhos, für die Fische das wichtigste Nahrungsmittel sind, können aus dem Fang sogar noch Fischmehl herstellen. Dafür werden in einigen Gemeinden der ResEx fünf neue Produktionsstätten gebaut, die gefliest sind. So kann in Zukunft auch Fischmehl mit hoher Qualität hergestellt und verkauft werden. Die in erster Linie in Selbstversorgung lebenden Familien der Ribeirinhos haben dadurch eine wichtige zusätzliche Einkommensquelle.

 

Seit 2016 unterstützt die CDS ein weiteres Projekt in der Reserva "Verde para sempre". Durch die Fortbildung in der Verarbeitung und Vermarktung der Paranuss soll eine nachhaltige und ökonomisch ertragreiche Nutzung des einheimischen Paranussbaums aufgezeigt werden. Die Nüsse des bis zu 50 Meter hohen Baumes werden zumeist von Frauen gesammelt und weiterverarbeitet. Sie stellen eine alternative Einkommensquelle dar und stärken die Frauen auf ihrem Weg in Richtung Ernährungssouveränität. Zudem ist im Rahmen des kommunalen Entwicklungsplans die Schaffung eines gemeinschaftlichen Sozialfonds geplant. Mit diesen Maßnahmen  werden Anreize zum Verbleib der Flussbewohner geschaffen; eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren des Schutzgebietes „Verde para sempre“. 


zurück
Das „Komitee für Nachhaltige Entwicklung“ in Porto de Moz hat bereits die Einrichtung von Sammelschutzgebieten (Reserva Extrativista) erstritten, doch illegale Abholzungen dauern an. Mit Kursen in nachhaltiger Bewirtschaftung des Regenwald- und Schwemmlandgebietes sowie Anbau lokaler Grundnahrungsmittel hilft es den Flussanwohnern, ihre Existenz zu sichern.
Tropenwaldschutz durch nachhaltige Sammelwirtschaft - weiteres Bild

Ich unterstütze die ASW
und dieses Projekt