19.09.2018

Nachruf auf Dona Dijé, die Gründerin von MIQCB

„Wir kämpfen für freie Territorien, wo wir geboren werden, leben, säen, gebären und sterben!“ Dies war das Motto der schon zu Lebzeiten legendären Dona Dijé, das diese von ihrem Quilombo Monte Alegre aus noch im Juli mit fester Stimme verkündete.

Niemand ahnte da, dass Maria de Jesus Ferreira Bringelo, liebevoll Dona Dijé genannt, nur noch wenige Wochen leben würde.

Nur drei Tage nach ihrer offiziellen Ernennung als „Beraterin der traditionellen Völker“ in Brasília erlag die 70-Jährige einem Herzinfarkt. Sie hatte sich anschließend nicht wohlgefühlt und bat darum nach Hause zu reisen.

Das Leben von Dona Dijé war permanentes Engagement und Kampf. Darin war Dona Dijé ein Vorbild für alle. Mit sanftem aber bestimmtem Diskurs, geprägt durch die harten Erfahrungen in ihrer Jugend, hat sie sich zu einer starken feministischen schwarzen Persönlichkeit entwickelt. Ohne ihre Sanftheit zu verlieren. Mit sechs Jahren kam sie in die Familie von Weißen, wo sie die Möglichkeit hatte, zur Schule zu gehen. Als Gegenleistung musste sie im Haushalt der Familie arbeiten. Mit 15 kehrte sie zurück in ihre Gemeinde, wo sie als Nussknackerin den Lebensunterhalt für ihre fünf Kinder verdiente.

In den 70ziger Jahren begann Dona Dijé sich für den Überlebenskampf ihrer Gemeinde zu engagieren. Ihr Einsatz hatte Folgen: 1979, nur neun Tage nach der Geburt eines Kindes wurde ihr Haus von der Polizei im Auftrag der Justiz niedergebrannt. Sie versteckte sich mit ihrer Familie mitten im Wald und konnten überleben. „Es war nicht nur die Vertreibung von unserem Territorium sondern auch die ständige Verletzung der Menschenwürde, mit der wir umgehen mussten. Ich habe sogar einmal einen Großbauern hören sagen, dass 100 schwarze Menschen weniger wert sind als eine Kuh! Aber wir haben im Wald überlebt, denn nichts wäre für uns schlimmer gewesen, als in irgendeinem Elendsvierteln einer Großstadt zu landen. Dort hätten wir alles verloren. Wir haben es schließlich geschafft den vielen Angriffen und Entwürdigungen standzuhalten.“

Als Nussknackerin verdiente sie nicht nur ihren Lebensunterhalt, sondern begann sich auch für die Belange aller Nussknackerinnen einzusetzen. Vor allem für den freien Zugang zu den Babaçupalmen. Sie kam an die Spitze der Frauenbewegung und gründete 1990 die Bewegung MIQCB. Zusammen mit anderen traditionellen Gemeinschaften setzte sie sich für deren Landrechte und Nutzung der natürlichen Ressourcen ein, aber auch für die kulturellen, sozialen, religiösen und wirtschaftlichen Rechte.

Auch an der Schaffung eines für diese Rechte zuständigen nationalen Rates war sie beteiligt. 2016 wurde endlich die Schaffung per Dekret verkündet, aber es sollte noch bis zum 11.September 2018 dauern, bis das Ministerium für Menschenrechte in Brasilia diesen Rat offiziell ins Leben rief.

Eine der Kämpferinnen an der Spitze dieses Rates ist nun verstorben. Aber ihrem Vorbild werden viele folgen. Ich bin sehr froh diese starke Persönlichkeit und Kämpferin kennengelernt zu haben. Zuletzt konnte ich Dona Dijé bei einem von unserem Partner FAOR organisierten Seminar auf dem alternativen Weltwassergipfel im März live erleben. Ich weiß, wie schwer es für die Frauen von unserem Partner MIQCB ist, mit diesem Verlust zu leben und möchten ihnen und den Familienangehörigen im Namen der ASW unser Beileid aussprechen. Unsere Solidarität mit MIQCB wird weitergehen!

Silke Tribukait


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Dona Dijé. Foto: Marquinho Mota, März 2018