Frauenrechte in Indien und der Kampf gegen Gewalt und Diskriminierung

Indien kommt immer wieder in die Schlagzeilen, wenn in einer indischen Stadt eine Frau vergewaltigt wurde und empörte Menschen gegen Gewalt und Diskriminierung auf die Straße gehen. Was allerdings den Frauen im ländlichen Indien an Gewalt zugefügt wird, schafft es nicht so leicht in die Medien.

Indische Frauen haben Rechte und Zugang zu Gemeindeämtern  

Indiens Frauenbewegung sowie zahlreiche Frauennetzwerke und Frauenrechte NGOs (NRO, Nicht-Regierungsorganisationen) an der Basis haben in den letzten 50 Jahren viele Verbesserungen erkämpft. Es gibt z.B. einige gute Gesetze, die Frauen vor Diskriminierung und Gewalt schützen sollen. Es gibt Quotenregelungen, die die Partizipation von Frauen in der Gemeindeverwaltung sichern.
 

Schulbildung und Alphabetisierung

Als gemischt stufen Frauenrechtlerinnen die Fortschritte bei der Bildung ein. Die Einschulung von Mädchen in Grundschulen ist gestiegen, doch die Zahl der Schul-Abbrecherinnen ist nach wie vor hoch. Frauenrechtlerinnen wie Dr. V. Rukmini Rao beklagen die nach wie vor niedrige Alphabetisierungrate bei den Frauen, die landesweit 2016 bei 59,3 Prozent und 2018 bei etwas mehr als 60 Prozent lag. Aufgrund der Beschränkungen von Mädchen durch die Coronapandemie dürfte sie seit 2020 sogar wieder rückläufig sein. Siehe Interview

Patriarchalische Denkweisen leben fort

Als zählebig erweist sich die tief in der Hindu-Gesellschaft verankerte patriarchale Geringschätzung der indischen Frau. Der Tradition zufolge hat eine Frau nur dann einen Wert, wenn sie einen Sohn geboren hat. Und für ihre Verheiratung muss eine Familie tief in die Tasche greifen, um die zwar verbotene, aber immer noch praktizierte Mitgift an die Bräutigams-Familie bereitzustellen. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die meisten Familien sich Söhne wünschen und ungeborene Mädchen (nach pränataler Geschlechtsbestimmung) häufig abtreiben.
 

Diskriminierung und Gewalt durch Angehörige höherer Kasten

Die Situation indischer Frauen ist somit auch heute noch komplex und widersprüchlich. Zumal ihre Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oft noch durch Kasten-, religiöse und soziale Diskriminierung verstärkt wird. Besonders die Frauen der benachteiligten kastenlosen Dalit-Gemeinschaften haben jederzeit mit Erniedrigung und männlicher Gewalt zu rechnen. Selbst bei Anzeige einer Vergewaltigung müssen sie davon ausgehen, auf der Polizeiwache weitere Demütigungen zu erfahren.
 
Indischen Frauen-Organisationen haben noch einen weiten Weg vor sich, bis die Gewährung von Frauenrechten und die völlige Gleichstellung der Frauen erreicht ist.

Lesen Sie im Folgenden das Interview mit der Frauenrechtlerin Dr.V. Rukmini Rao zum Stand der Frauenrechte im gegenwärtigen Indien. 
 

Ganzes Interview lesen:

 

BEISPIELHAFTE FRAUEN-PROJEKTE DER ASW IN INDIEN