Gold und Gerechtigkeit

Gerecht wäre, wenn alle profitieren

VON TOBIAS ZOLLENKOPF

Im vorangegangenen Artikel zu Gold und Sicherheit habe ich die Situation der in den Goldgebieten lebenden Menschen kurz umrissen. Das handgeschürfte Gold ist ergänzend zur Landwirtschaft ein wichtiger Teil ihrer Strategie des Überlebens. Im westafrikanischen Kontext machen handwerkliche Goldsucher*innen etwa 90 % der Menschen im Goldsektor aus, die maximal 20% des Goldes extrahieren. Die industriellen Minenbetreiber beschäftigen entsprechen etwa 10% der im Goldsektor tätigen Menschen, produzieren aber über 80% des Goldes.

In Burkina Faso, dem inzwischen viertgrößten Goldförderland in Afrika, hat die ASW seit mehreren Jahren den Partner ODJ (Organisation democratique de la Jeunesse du Burkina Faso), der sich mit den Strukturen im Goldsektor beschäftigt. Zudem gibt es bereits verschiedene Studien und Dokumentationen zu den Folgen des Goldabbaus. Am Beispiel Burkina Faso werde ich, stellvertretend für den westafrikanischen Goldbausektor, daher die Frage verfolgen, wer in welchem Masse vom Gold profitiert und wer eben nicht.

Gold wird lukrativ für den internationalen Markt

In Burkina Faso wurden mit dem Anstieg des Goldpreises ab 2002 zahlreiche neue Explorations-gebiete für die Ausbeutung der Goldreserven freigegeben. Um große multinationale Minenfirmen anzulocken und die Infrastruktur für eine industrielle Erschließung anzukurbeln, folgte Burkina Faso den Empfehlungen des Internationalen Währungsfonds: Hunderte Lizenzen wurden vergeben, der Zugang zum ausgeschriebenen Land problemlos garantiert und eine anfängliche Befreiung von Steuern als Anreiz für Investitionen ausgelobt.

 

 

Die Lizenzen erhielten im Wesentlichen multinationale Minenkonzerne aus Australien, Kanada oder den USA. Neben den zu dieser Zeit stabilen politischen Verhältnissen sind die geringen Kosten der Goldproduktion in Burkina Faso ein wichtiger Standortfaktor. So kalkulierte die Bergbaugesellschaft Endeavour Mining  für die 2017 in Produktion gegangene Mine Houndé nahe der Hauptstadt Ouagadougou mit 610 Dollar Gesamtkosten pro Unze und einer Produktion von 200.000 Unzen im Jahr. Die Goldpreise lagen bei 1500 Dollar/ Unze - die Gewinnspanne ist also riesig.

Der Staat ist mit 10% Anteilen am Goldbergbauunternehmen beteiligt, was nach Aussage unserer Partner der allgemeine Standard ist im westafrikanischen Kontext. In Burkina Faso liegt die Steuer auf Gewinne bei 27.5%, im Bergbau gilt ein reduzierter Satz von 17,5%.  Die Zahlung von Steuern und Abgaben erfolgt an die Zentralregierung. Unter dem Langzeitpräsidenten Blaise Compoaré, der bis 2014 die Macht in Burkina Faso hatte, versickerten diese Zahlungen nahezu komplett in dessen Umfeld.

Leere Versprechungen für die lokale Bevölkerung

Der ansässigen Bevölkerung wurde vieles versprochen. Mit dem Goldabbau sollten insbesondere Arbeitsplätze entstehen und die Infrastruktur entscheidend verbessert werden. Es gab große Hoffnungen auf Verbesserungen von Gesundheitsdiensten, Bildungsangeboten, Straßen etc.

 

Die Realität stellte sich aber anders dar. Die Anzahl der geschaffenen Arbeitsplätze ist viel geringer als angenommen. In Burkina Faso waren es in allen industriellen Goldminen gerade mal etwa 6800. Es kommen auch nicht unbedingt die lokalen Arbeiter zum Zuge. Die Jobs gehen sehr häufig an Migrant*innen aus anderen Regionen oder Ländern, die bereits Erfahrungen in industriellem Goldabbau haben oder für geringere Löhne arbeiten. Dabei ist allzu häufig auch der Einsatz von Minderjährigen ein Problem. Da zudem das Minengold zur Weiterverarbeitung sofort aus den Ländern geschafft wird (zumeist in die Schweiz) gibt es auch keine Wertschöpfungskette innerhalb des Landes. Also auch keine weiteren Einnahmemöglichkeiten für die Bevölkerung.

Die Übertragung von Land an die internationalen Minengesellschaften führt nun zu verschiedenen Effekten auf die ansässige Bevölkerung. Nur in wenigen Fällen gibt es organisierte Umsiedlungen, wenn Dörfer auf geplanten Minengebieten liegen. Der Regelfall ist eine Vertreibung ohne adäquate Entschädigungen. Das betrifft besonders auch den Verlust von Ackerland oder Wasserstellen, von denen die Kleinbäuer*innen über Generationen ihr Überleben gesichert haben. Auch der Zugang zu den Goldadern ist nun verwehrt. Die ausgeschriebenen Minen sind natürlich dort, wo das Gold liegt. Also dort, wo seit Generationen die lokale Bevölkerung geschürft hat.

Im Laufe der Minentätigkeit entstehen zudem gravierende Umweltschäden durch den Einsatz von Chemikalien. Diese verseuchen auf lange Sicht das Grundwasser und den Boden. Nach Beendigung der Minentätigkeit bleibt ein ökologisch und sozial zerstörtes Territorium zurück. „ Am Ende blieb uns nichts- absolut nichts“ fasst ein Kleinbauer im Dokumentarfilm „Kein Gold für Kalsaka“ das Ergebnis des industriellen Goldabbaus in seiner Heimatregion zusammen. „Sie sind gekommen, um unser Dorf zu zerstören“, berichtet ein anderer. Von Gerechtigkeit ist hier keine Spur zu erkennen. Auch wenn sich inzwischen einige Minenkonzerne bemühen so etwas wie „Unternehmensverantwortung“ in ihren Geschäftspraktiken zu etablieren: Es ist und bleibt ein neokoloniales Vorgehen: Rohstoffe rausholen, Probleme zurücklassen.

Ein Blick in die handwerklichen Minen

Ein kurzer Blick noch auf den handwerklichen Goldabbau. Traditionell das Zugeschäft der ansässigen Landbevölkerung, haben die Goldfunde auch immer einen starke Migration ausgelöst. Tausende kommen und suchen das schnelle Glück. Die halblegalen oder illegalen Minen sind ohne jeden Arbeitsschutz, tödliche Unglücke und Gesundheitsschäden aufgrund des Einsatzes von Quecksilber stehen auf der Tagesordnung. Sie sind ein Ort von Kinderarbeit und anderer Formen von Zwangsarbeit, zum Beispiel durch die am Rande der Minenstädte florierende Prostitution. Häufig sind die handwerklichen Minen unter Kontrolle von Clans, die für den Zugang zu den Gebieten, für das Equipment und für weitere „Dienstleistungen“ Gebühren kassieren. Sie schaffen das geschürfte Gold illegal aus dem Land.  Zum Beispiel nach Togo. Dadurch bleiben auch hier keine Steuereinnahmen für die regionale Entwicklung.

Immerhin: Wer sein Glück in Form von geschürftem Gold findet, hat zumeist wesentlich mehr Einnahmen, als durch die Landwirtschaft möglich ist.

Gerechtigkeit geht anders, ich freue mich auf Kommentare und Gedanken auf unserer Facebookseite. Und wenn ihr mithelfen möchtet, diese Ungerechtigkeiten weiter Publik zu machen, dann leitet doch unsere Kampagne in eurem Umfeld weiter. Vielen Dank!


Für weitergehende Informationen zum Thema Gold und Gerechtigkeit, speziell in Burkina Faso- empfehlen wir den Dokumentarfilm Kein Gold für Kalsaka https://www.youtube.com/watch?v=gJywcwgp4dw

Die Broschüre“ Profit wichtiger als Menschenrechte“ (2016) der Nichtregierungsorganisation Fastenopfer aus der Schweiz zum Goldabbau in Burkina Faso gibt einen sehr guten Überblick:

Profit-wichtiger-als-Menschenrechte.-Goldabbau-in-Burkina-Faso.-Fastenopfer.pdf