Gold und Sicherheit

Welche Sicherheiten bietet Gold als Geldanlage oder zur Sicherung des Überlebens?

VON TOBIAS ZOLLENKOPF

Als ich im Februar im Senegal war, habe ich mich mit einigen Kleinbäuer*innen, die nebenbei Gold schürfen, über die Bedeutung des Goldes für die Absicherung ihres Überlebens unterhalten. Zurück in Deutschland begann die Coronakrise und in den Nachrichten der folgenden Wochen, wurde von Rekorden im weltweiten Goldhandel berichtet. Das hat mich – ich bin kein Anleger, geschweige denn Anlageexperte – dazu gebracht, mal genauer hinzuschauen, warum Gold als „bleibender Wert“  gilt und sowohl im reichen Europa als auch in den weniger privilegierten Gegenden der afrikanischen Goldförderländer zum Gefühl der Sicherheit beiträgt.

Bleibender Wert Gold?

Gold gilt als krisenfeste, bleibende Geldanlage. Der besondere Wert des Goldes liegt darin, dass es nur begrenzte Vorkommen gibt, die zum Teil auch noch schwer und aufwendig zu erschließen sind. Und Gold ist auch nicht künstlich herstellbar. Durch die begrenzte Menge, die an Gold vorhanden ist, wird es so wertvoll und läuft nicht in Gefahr Opfer einer Entwertung zu werden.

Die Vermögensanlage in Gold ist allerdings komplett abhängig von der Wertentwicklung des Goldmarktes selber. Gold zahlt keine Zinsen oder Dividenden. Um einen Gewinn zu machen, muss der aktuelle Goldpreis also höher sein als der Einkaufpreis zuzüglich der durch den Golderwerb und die Einlagerung entstehenden Kosten.

Gold als Krisengewinnler

Der Goldpreis ist nun aber keineswegs stabil oder in ständigem Wachstum begriffen. Zudem wird er in Dollar notiert, ist also Währungsschwankungen ausgesetzt. Im Rückblick auf die letzten 20 Jahre lässt sich bis 2008 ein leichter, beständiger Anstieg feststellen. Mit der Niedrigzinspolitik und der weltweiten Finanzkrise 2009 nahm – nach einen kurzen Absturz – der Goldpreis extrem Fahrt auf und erreichte 2011 ein Allzeithoch von 1920 Dollar pro Unze. Auf hohem Niveau schwankte Gold bis Ende 2012. Nachdem die schlimmsten Auswirkungen der Finanzkrise  bewältigt waren, sank auch der Goldpreis, allerdings verblieb er auf höherem Niveau als vor 2008. 2019 stieg der Preis wieder an und wurde durch die Coronakrise 2020 auf ein neues Allzeithoch befördert.

Die Nachfrage nach Gold steigt also in Zeiten von Niedrig- oder gar Nullzinsen. Steigerungen des Goldpreises entstehen zudem aber besonders in Krisenzeiten, wenn die Angst vor Inflation und Wirtschaftszusammenbrüchen am größten ist. Wer also mit einer Vermögensanlage in Gold auf finanziellen Zuwachs oder zumindest auf Werterhalt setzt, spekuliert letzten Endes mit dem Auftreten einer Krisensituation, die herkömmliche Anlagen entwertet und Gold nach oben treibt.

Gold in Coronazeiten

Die aktuelle Coronakrise bestätigt diesen Effekt. Der Goldpreis stieg aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Verunsicherung ab März zunächst einmal beständig an und erreichte im Juli 2020 gar einen neuen Rekordstand (1944 Dollar pro Unze). Ab August brach aber die Nachfrage etwas ein: durch die Coronakrise ging die Nachfrage im Schmuckhandel zurück, dem mit Abstand größten Abnehmer der Goldproduzenten. Im November führte die Aussicht auf einen COVID-Impfstoff zu einem weiteren Rückgang. Die unsicheren Coronazeiten könnten beendet sein und mit der Aussicht auf Impfstoff tun sich neue Investitionsmöglichkeiten auf.

Doch Gold funktioniert ohnehin nicht kurzfristig, es ist eine langfristige Anlage zur Absicherung eines Vermögens. Anlageberater empfehlen meinen Recherchen nach einen Anteil von etwa 10% im Portfolio der Gesamtvermögensanlage. Der Goldanteil wird dabei langfristig als Schutz vor Inflation oder  anderen destabilisierenden Ereignissen für die gesamte Vermögensanlage betrachtet – also als der „bleibende Wert“.

Soweit ein Paar Recherchen und Gedanken meinerseits zum „Wert Sicherheit“ und Goldanlage im Kontext der Vermögenssicherung.

Gold und Sicherheit aus dem Blick des Südens

Mein Besuch in den Dörfern der Goldregion Kédougou im Senegal zeigt mir ein anderes Denken in Bezug auf Gold und Sicherheit. Für die meisten hier lebenden Menschen ist Gold schon seit Jahrhunderten ein Zusatzverdienst zum Hauterwerb in der Landwirtschaft. Gerade in den Jahren mit schlechten Ernten, waren die kleinen Goldfunde in den Flüssen oder in kleinen handwerklichen Minen überlebensnotwendig.
 


Das so erschlossene Gold wird dann über Zwischenhändler verkauft. Es geht hier darum, mit dem Händler einen guten Preis auszuhandeln, Erfahrungen zu sammeln und gute Kontakte zu pflegen. So entsteht die Sicherheit einen fairen Preis zu erhalten.

In einer Region wie Kédougou , die zunehmend unter den Folgen des Klimawandels leidet und wo die Landwirtschaft immer mühsamer und ertragloser wird, wird die Suche nach Gold immer wichtiger bei der Absicherung des Überlebens. Dazu kommen zahlreiche Migrant*innen aus anderen Regionen oder Ländern, die in den Goldfunden oder in der industriellen Goldminen hoffen, genug zu verdienen, um ihre Familien in der Heimat zu unterstützen.

Wer sich eingehender mit der Situation der Goldsuchenden in Westafrika auseinandersetzen möchte, sollte unseren kommenden Beitrag zu Gerechtigkeit und Gold am Beispiel Burkina Faso angucken. Ich freue mich auch über Diskussionen und Anregungen zu meinem Beitrag auf unser Facebookseite!

Wer sich mit der Frage pro und contra Gold als sichere Geldanlage tiefer beschäftigen möchte, empfehle ich zum Beispiel folgende Beiträge von der Verbraucherzentrale und von Stiftung Warentest

 https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/geldanlage-gold-lohnt-sich-eine-investition-in-gold-5904

https://www.test.de/Goldpreis-Gold-als-Geldanlage-5235827-0/