Gold und Umwelt

Ökologische Folgen des Goldabbaus

VON ANIKE OSTENDORF

Nachdem in unseren letzten Artikeln schon über die Menschen in Abbaugebieten in Westafrika und die Lieferketten des Goldes berichtet wurde, möchte ich die ökologischen Folgen der Goldgewinnung näher beleuchten.

Zwangsumsiedlungen ohne gerechte Entschädigung

Gold in Form von Goldnuggets, die mechanisch von der Erde getrennt werden, kommt eher selten vor. Spuren des Goldes findet man meistens in Gesteinsmineralien. Um an das kostbare Gut zu kommen, müssen in riesigen Tagebauten Tonnen an Gesteinsmassen durchwälzt und bearbeitet werden. Nicht selten werden dafür ganze Dörfer umgesiedelt, denn unter ihnen sehen die multinationalen Minenfirmen Profit. Zwar müssen in Ländern wie Burkina Faso Bergbauunternehmen die Betroffenen durch neue Ackerflächen oder Geld entschädigen, eine nationale Gesetzgebung, die die Höhe der Entschädigung und die Zwangsumsiedlung genau regelt, gibt es aber nicht. Die neuen Ackerflächen sind meistens unfruchtbarer und können den Verdienst und die Nahrungsversorgung der Familien nicht mehr sichern.

Dort wo früher Getreide oder Früchte angebaut wurden, klafft heute ein riesiges Loch. Ganze Wälder werden gerodet und Lebensräume für Tiere und Pflanzen zerstört. Doch das ist nur der Anfang eines langen Zerstörungsprozesses.

Goldminen als Chemielabor

Um das Gold in seiner reinen Form zu gewinnen, werden oft auch Chemikalien eingesetzt. Im großindustriellen Goldabbau wird mit Zyanid gearbeitet. Dabei werden die gelösten Gesteinsmassen über mehrere Tage mit Natriumzyanid getränkt und das Gold so gelöst. Um eine Tonne Gold fördern zu können, werden durchschnittlich 150 Tonnen Zyanid eingesetzt. Wenige Milliliter dieser Chemikalie sind bereits tödlich für den Menschen. Durch die lange und meist offene Lagerung der bearbeiteten Gesteine wird das Zyanid zur tickenden Zeitbombe. In Kombination mit Sauerstoff entsteht an der Oberfläche Blausäure. Diese frisst sich durch den Untergrund und verseucht neben den Böden auch das Grundwasser. 80% des weltweiten Goldes werden mit dieser Methode gewonnen.

Im handwerklichen Kleinbergbau wird mit einer anderen giftigen Chemikalie gearbeitet: Goldschlamm oder Golderze werden mit Quecksilber angereichert. Die beiden Metalle verbinden sich zu Amalgam und fließen vom restlichen Gestein ab. Um das Gold wieder vom Quecksilber zu trennen, wird das Amalgam erhitzt und das Quecksilber verdampft. Die Arbeiter*innen in den Minen arbeiten dabei ohne Schutzkleidung und atmen die giftigen Dämpfe direkt ein. Das verdampfte Quecksilber gelangt ungefiltert in die Luft und setzt sich in Flüssen ab. Fische nehmen das Gift auf und geben es an die Bevölkerung über die Nahrungsaufnahme weiter. Das Nervengift greift beim Menschen das zentrale Nervensystem und die Nieren an. Auch wenn Quecksilber beispielsweise in Burkina Faso verboten ist, wird es dort trotzdem für den Goldabbau genutzt. Das Quecksilber wird illegal ins Land importiert und an die Arbeiter*innen verkauft. So ist es noch schwieriger, die Nutzung und Mengen von Quecksilber zu kontrollieren und zu regeln. Der handwerkliche Goldabbau ist mit 2.000 Tonnen Quecksilberemissionen pro Jahr die größte Quelle der Quecksilberverschmutzung auf der Erde.

Doch die giftigen Chemikalien sind nicht die einzigen Stoffe, die in die Luft gelangen. Große Zufahrtsstraßen für den Transport von Gesteinen und die Bohrungen in den Tagebauten führen zu einer hohen Feinstaubbelastung. Der Staub setzt sich auf Tieren und Pflanzen ab und kann bei den Arbeiter*innen und Anwohner*innen Lungenkrankheiten wie Asthma oder Herzprobleme verursachen.

Ohne Wasser kein Gold

Zu alldem kommen auch noch die großen Wassermengen, die für die Goldgewinnung benötigt werden. 140.000 Liter sind pro Stunde für den industriellen Goldabbau nötig. — so viel wie ein drei Personen Haushalt in Deutschland etwa in einem ganzen Jahr verbraucht. Das Wasser wird von Flüssen abgezweigt, ganze Gebiete trocknen aus und auch die Bevölkerung wird ihrer Wasserversorgung beraubt. Das benutze Wasser, welches durch die Chemikalien vergiftet ist, wird dann in riesigen Auffangbecken „gesichert“. Doch auch dort richtet es weitere Schäden an und sickert in das Grundwasser. Immer wieder kommt es dabei zu Unfällen und Dammbrüchen. Das vergiftete Wasser kann so ungehindert Flüsse und Felder in der Umgebung verseuchen.

Sind die Goldadern in den Minen erschöpft, ziehen die Bergbauunternehmen weiter.

Was bleibt am Ende?

Zurück bleibt eine Kraterlandschaft - unfruchtbar und irreversibel zerstört - und eine Bevölkerung, die mit ihren Träumen allein gelassen wurde und vor dem Nichts steht.

Am Ende des Tages hat ein Goldring aus konventionellem Goldabbau auf seinem Weg zum Juwelier 20 Tonnen lebensgefährlichen Giftmüll produziert und oft die Lebensgrundlage von Menschen zerstört. Ist es uns das wert?

 

Quellen:

https://www.bmz.de/rue/de/publikationen_aktuelles/publikationen_neu/themen/lieferketten/Marktstudie_Deutschland_Verantwortungsvolles_Gold_ASM_2019.pdf

https://core.ac.uk/download/pdf/11588025.pdf

https://www.uni-bielefeld.de/soz/ab6/downloads/Lefo_Sydow.pdfhttps://www.regenwald.org/files/de/gold-fakten-download.pdf

https://www.eea.europa.eu/de/articles/quecksilber-eine-anhaltende-bedrohung-fuer

https://www.regenwald.org/themen/gold

https://www.regenwald.org/files/de/gold-fakten-download.pdf

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