Hunger, Malaria und Corona in Simbabwe

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind mannigfaltig. Viele Menschen erkranken schwer, einige erliegen dem Virus und in fast allen Ländern gerät die Wirtschaft in eine ernstzunehmende Schieflage. Gleichzeitig kommen ungelöste Probleme jetzt richtig ans Tageslicht und werden durch die Pandemie weiter verschärft. Corona scheint sich wie ein Katalysator auf weltweite Missstände auszuwirken.

Ein Blick auf unser Partnerland Simbabwe stützt diese These: Seit Jahren leiden das Land und seine Bewohner*innen unter den Folgen der jahrzehntelangen Regierung von Robert Mugabe – Armut, Polizeigewalt, Korruption. Ein Großteil der Menschen lebt sprichwörtlich von der Hand in den Mund.

Der Klimawandel tut sein Übriges: Während im Südosten des Landes seit Monaten totale Dürre herrscht, wurde die Grenzregion zu Mosambik im letzten Jahr von Zyklon Idai heimgesucht. Trockenheit auf der einen und Überschwemmungen auf der anderen Seite verursachen schwerwiegende Schäden und lähmen den Wiederaufbau eines Agrarsektors, der einst Selbstversorgung garantierte und sogar Exporte ermöglichte.

Kein Zugang mehr zu den Einkommensquellen

Und jetzt auch noch Corona: „Der Lockdown zwingt Menschen unbeachtet in ihren Häusern zum Hungertod“, berichtet eine unserer Partnerinnen aus Harare. Aber es ist natürlich nicht der Lockdown an sich, sondern eine Regierung, die die Lebensrealität eines Großteils der Landesbevölkerung beim Beschluss solcher Maßnahmen bewusst missachtet und diese auch noch mit voller Härte durchsetzt. Märkte, die für Tagelöhner überlebenswichtig sind, werden mit Gewalt aufgelöst, ohne alternative Handelsmöglichkeiten zu bieten. So können Menschen ihre Waren nicht mehr verkaufen, deren Erlös für das tägliche Überleben ihrer Familien unabdinglich ist. Gärten und Felder, die die Nahrungsgrundlage für die meisten Simbabwer*innen bilden, können wegen unterschiedlicher Auslegung der Ausgangssperre nicht überall bestellt werden. Die ohnehin spärlichen Ernten verkommen. Vielerorts ist die Not so groß, dass die Menschen ihre Häuser illegal verlassen, um unreife Ernten einzufahren, damit sie etwas zum Essen haben. Internationale Hilfslieferungen kommen zu spät oder gar nicht an, denn die Versorgungsketten sind verzögert oder ganz unterbrochen. Auch die Verteilung der Lebensmittel ist angesichts verbotener Menschenansammlungen schier unmöglich. Dies gilt auch für dringend benötigtes Saatgut oder Medikamente.  

Corona befördert Malaria

Neben der fehlenden Lebensmittelversorgung stößt in Simbabwe auch das marode Gesundheitssystem an seine Grenzen. Die Corona-Fallzahlen sind zwar, wie in vielen afrikanischen Staaten, gering, jedoch schlagen nun wieder andere (tödliche) Krankheiten wie Malaria zu Buche. In den letzten zwanzig Jahren konnte diese durch Stechmücken übertragbare Krankheit zunehmend eingedämmt werden. Nun berichtet die Weltgesundheitsorganisation von einer Verdopplung der Infizierten (auf ca. 236.900) und der Todesopfer (auf ca. 230) von 2019 zu 2020. Dies liege u.a. auch daran, dass kaum noch mit Insektiziden behandelte Moskitonetze verteilt würden. Zu groß ist die Angst, sich in den örtlichen Gesundheitsstationen mit Covid-19 anzustecken. Zwei von drei Malariatoten sind Kinder unter fünf Jahren.

Und auch hier ist der Klimawandel ein Teil des Problems. Denn Gesundheit und Klima hängen unmittelbar zusammen. Ohne ausreichend Wasser und Nahrung, gesunder Luft etc. verbreiten sich Krankheiten schneller und sind damit schwieriger einzudämmen. Zudem mag es die Anopheles-Mücke warm und profitiert damit auch von steigenden Jahrestemperaturen.

Nach Wochen des Lockdowns wird der Unmut gerade der ärmeren simbabwischen Bevölkerung immer größer. Es ist schwer nachvollziehbar, warum sie ihre Häuser nicht verlassen dürfen, um sich mit überlebenswichtigen Dingen zu versorgen und warum die Regierung keine weiteren Schutzmaßnahmen gegen Corona ergreift, z.B. Nasen-Mundschütze verteilt oder Infrastruktur zur Einhaltung der Hygienevorschriften bereitstellt. Aber wie könnte sie auch, in einem Land, wo das Wasser knapp ist – sauberes Wasser sowieso.

Und so spitzt sich die Lage in Simbabwe immer weiter zu. Expert*innen erwarten mittlerweile eine Hunger-Pandemie, die auf Corona folgen wird. Denn die Kombination aus Klimawandel, bewaffneten Konflikten und wirtschaftlicher Instabilität ist tödlich, nicht nur in Simbabwe.  

Von Franziska Kohlhoff und Klemens Thaler

Quellen:

Zimbabwe Meteorological Services Department: https://www.itu.int/en/ITU-D/Emergency-Telecommunications/Documents/Zambabwe_2011/Climate%20Issues%20and%20Facts-%20Zimbabwe%20-%20Dept%20of%20Met.pdf

Greenpeace: https://www.greenpeace-magazin.de/ticker/reporter-simbabwe-wegen-verstosses-gegen-corona-regeln-festgenommen

Amnesty International: https://www.amnesty.org/en/latest/news/2020/05/zimbabwe-authorities-must-account-for-the-disappearance-of-three-opposition-leaders/

FAZ: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/malaria-im-suedlichen-afrika-wegen-corona-auf-dem-vormarsch-16742856.html

WHO: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/332067/OEW19-0410052020.pdf

Global Nutrition Report: https://globalnutritionreport.org/reports/2020-global-nutrition-report/

Deutschlandfunk Kultur: https://www.deutschlandfunkkultur.de/40-jahre-unabhaengiges-simbabwe-mit-viel-mut-gegen-willkuer.979.de.html?dram:article_id=476531