Westafrika: ECO-Währung ist erneut verschoben worden

Das westafrikanische Projekt zur einheitlichen Währung ECO wird noch auf seine Umsetzung warten müssen. Am 7. September beschlossen die Staats- und Regierungschefs der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS, die Einführung der Währung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Sie begründeten diesen Schritt vor allem mit den negativen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Volkswirtschaften. Außerdem wurde die Nichterfüllung der Konvergenzkriterien durch die Mitgliedstaaten genannt.

Symbolpolitik ohne Konsequenzen

Diese Verschiebung der Währungseinführung wird von der öffentlichen Meinung in Westafrika unterschiedlich bewertet. Für einige ist es ein konkreter Beweis für den mangelnden politischen Willen der Mitgliedsstaaten, das Projekt einer unabhängigen Währungsunion zu verwirklichen. Nachdem die Mitgliedsstaaten ECOWAS fast 30 Jahre Zeit hatten, um das Projekt voranzubringen, wirkt die Pandemie an diesem Punkt fast wie eine willkommene Ausrede. Denn bereits vor ihrem Ausbruch wurde immer deutlicher, dass die Implementierungsschritte und -fristen viel zu kurzfristig kalkuliert wurden: „Man hätte nebst vielem anderen eine neue Zentralbank schaffen, die Wechselkurse definieren, Geldscheine und Münzen herstellen, die Informatiksysteme und die Administration anpassen müssen.“ (Signer, Neue Zürcher Zeitung, 2020)
Eine Verschiebung wäre daher auch ohne Corona unvermeidbar gewesen.

Anglophone versus frankophone Länder

Für andere sind die Divergenzen zwischen den englischsprachigen Ländern, insbesondere Nigeria, der mit Abstand größten Volkswirtschaft Westafrikas und den französischsprachigen Ländern der CFA-Franc-Zone, das Haupthindernis für die Schaffung der einheitlichen westafrikanischen Währung. Die Vorstellungen darüber, wie eine gemeinsame Währungsunion aussehen könnte, gehen dabei stark auseinander. Nigeria bringt in diesem Zusammenhang an, die Verbindung zum französischen Finanzministerium nicht unterbrechen zu wollen und spricht sich für ein Währungssystem mit flexiblem Wechselkurs aus. Die frankophonen Westafrika-Staaten hingegen plädieren für Währungsstabilität, wie sie durch die bisherige CFA-Währung gewährleistet wird, und kritisieren die hohen Inflationsraten der englischsprachigen Länder.

Um das Ziel einer einheitlichen Währung zu erreichen, stößt man in jedem Fall auf viele Hindernisse. Laut Präsident Alassane Dramane Ouattara, dem scheidenden Präsidenten der ECOWAS, wird es weitere fünf Jahre dauern, bis die Einheitswährung umgesetzt werden kann. In einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession afrikanischer Staaten stellt sich jedoch die Frage, wie zuverlässig eine solche Prognose sein kann.

Kritische Stimme werden lauter

Zusätzlich ist zu beobachten, dass eine zeitliche Verzögerung auch Auswirkungen auf die Legitimität der ECOWAS-Organisation als solche hat. So wird die Kritik an dem fehlenden Umsetzungswillen immer größer. Von zivilgesellschaftlicher Seite wirft man ECOWAS  beispielsweise vor, eine Eliteorganisation zu sein, die nicht in der Lage sei, den Willen der westafrikanischen Bevölkerung in konkrete Politik umzusetzen. Auch in anderen Belangen, insbesondere im Zusammenhang mit der Krise in Mali, wurde ECOWAS von Akteur*innen der Zivilgesellschaft heftig kritisiert. Denn ECOWAS hatte Mali mittels Grenzschließungen wirtschaftlich sanktioniert.  Mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen sprechen daher mittlerweile von einer Unterscheidung zwischen ECOWAS der Präsident*innen und ECOWAS der Völker.

Plan für die nächsten fünf Jahre

Die Einführung der neuen ECO-Währung wird wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen. So wurde angekündigt, einen neuen Fahrplan für das ECOWAS-Programm zu entwerfen. Derzeit wird außerdem ein neuer makroökonomischer Konvergenzpakt zwischen den Staaten ausgearbeitet, um die Bereitschaft der Mitgliedstaaten zur Fortsetzung des Projekts zum Ausdruck zu bringen.
Die weitere Entwicklung bleibt nun abzuwarten.

Boubacar Diop