Attentat auf ASW-Projektpartner in Amazonien

12.11.2005

12.11.2005

Am Abend des 19. Novembers wurden ohne Vorwarnung Schüsse auf einen Bewohner der Flussgemeinde Riozinho do Anfrísio im Bundesstaat Pará abgegeben. Nur knapp verfehlten sie ihr Ziel.

Dahinter stecken vermutlich grileiros, Pioniere auf der Suche nach Land. Sie eignen sich im Auftrag von Großgrundbesitzern illegal riesige Gebiete für massiven Holzeinschlag, Viehzucht oder Sojaanpflanzungen an.

Seitdem sich die Einwohner von Riozinho do Anfrísio gegen den verheerenden Einfall der Landräuber und für den Erhalt der von ihnen praktizierten nachhaltigen Sammelwirtschaft einsetzen, sind sie den grileiros ein Dorn im Auge.

 

Dabei steht das Recht klar auf ihrer Seite. Erst im vergangenen Jahr wurde von der gegenwärtigen Regierung ein Dekret erlassen, das die Einrichtung des Naturschutzreservats (RESEX) Riozinho do Anfrísio anordnete und nur noch nachhaltiges Wirtschaften erlaubt.

Anlass war auch zu jener Zeit ein aktuelles Bedrohungsszenario gewesen. Damals wie diesmal ermöglichte eine von der ASW finanzierte solarbetriebene Amateur-Funkstation den isoliert lebenden Flussanwohnern, die Außenwelt über ihre Situation zu informieren und Hilfe anzufordern.

 

Wenn sich heute trotz des Dekrets noch immer Holzfäller und Landräuber in der RESEX aufhalten, so liegt das an der ungenügenden Ausrüstung der Waldschutzbehörde IBAMA sowie an der weltweit steigenden Nachfrage nach Rindfleisch und Sojaprodukten. Sie machen eine massive Erschließung des Amazonasgebiets als Rohstoffquelle höchst attraktiv. Für die Amazonasregion werden inzwischen Abholzungsraten in Rekordhöhen vermeldet. Schon 17,5% der Gesamtfläche des Urwalds sind vernichtet.

Die Auswirkungen sind bekannt. So erlebte das Amazonasbecken in diesem Jahr seine schwerste Dürre seit 40 Jahren, was zwischenzeitlich zur Ausrufung des Notstands in über 900 Gemeinden der Region führte.