Stimmen der ASW-Partner zum Ukrainekrieg

20.04.2022 · 14:48 Uhr

Wir haben die Kolleg:innen unserer Partnerorganisationen gefragt, welche Auswirkungen der Krieg in der Ukraine konkret in ihren Ländern hat, und wie der Krieg in ihren Gesellschaften diskutiert wird. Wir wollten ein Stimmungsbild aus dem globalen Süden, keine wissenschaftlichen Bewertungen

Demo gegen den Krieg

Und wir wissen auch, dass dies keine repräsentativen Aussagen sind. Dennoch zeigen sich Tendenzen. Und selbstverständlich haben alle unsere befragten Partnerorganisationen den Krieg verurteilt und ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine bekundet.
 

Der Krieg treibt die Preise auch im globalen Süden…

Als unmittelbare Auswirkungen beschreiben alle Partner, dass sich Lebensmittel, Benzin und Gas enorm  verteuert haben. Alle haben auch unterstrichen, dass insbesondere die Ärmsten der Armen unter diesen Preissteigerungen leiden. Wie auch bei uns, sind insbesondere die Preise der Grundnahrungsmittel Weizen und Öl gestiegen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Menschen mit Gas aus Gasflaschen kochen. Auch dieses Gas wird teurer, was wiederum dazu führt, dass, zumindest in Indien, viele Menschen wieder mit Holz kochen. Besonders betroffen scheint Simbabwe, das zu großen Teilen von Weizenimporten aus Russland abhängig ist.
 

….und es trifft wieder einmal die Ärmsten

Wenn Benzin sich verteuert, steigen auch die Kosten für den öffentlichen Verkehr und unsere Partner müssen gegenseitige Besuche oder Treffen absagen oder verschieben. Diese Beschreibungen zeigen wieder die globalen Abhängigkeiten, sowohl von fossilen Ressourcen, als auch grundsätzlich von den Ländern des globalen Nordens. Und so schreibt ein Partner aus Togo: „Die Verarmung nimmt zu und die Menschen laufen Gefahr, unter den wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges zu leiden.“ Ein brasilianischer Partner schreibt: „All dies wird zu einer Zunahme des Hungers, der extremen Armut, einer Zunahme der Gewalt in den verschiedensten Strukturen und dem Fehlen von Garantien für die Rechte der brasilianischen Bürger führen.“
 

Gefahr des rückläufigen Interesses für die anderen Konflikte in der Welt

Viele Partner befürchten, dass andere globale Krisen und Kriege nicht mehr genug Beachtung finden, weil die Welt nur noch nach Europa schaut. So bemerkt unsere indische Partnerin, dass die humanitäre Krise in Afghanistan aus der aktuellen Berichterstattung verschwindet. Die Partner aus Togo äußern zudem die Befürchtung, dass die Handlungsspielräume für die Zivilgesellschaft in ihrem Land schrumpfen könnten, da die Machthaber die Chance nutzen werden, unbeobachtet die demokratischen Freiheiten einzuschränken.

Insbesondere unsere brasilianischen Partner machen zudem darauf aufmerksam, wie aus ihrer Perspektive moralische Doppelstandards an die jeweiligen Konflikte in der Welt angelegt werden. Sie stellen die Kriegsschuld Russlands nicht in Frage, verweisen jedoch auf Widersprüche, Verbrechen und schwerwiegende Rechtsbrüche bei den Kriegen im Irak oder im Jemen.
Sie würden im Norden nicht mit solcher Vehemenz verurteilt wie der aktuelle Krieg. Bei den brasilianischen Partnern wird zudem deutlich, wie sehr sie den USA misstrauen, was angesichts der hegemonialen US-Ansprüche in Lateinamerika durchaus verständlich ist.
 

Doppelstandards untergraben das Vertrauen in westliche Werte

Die Schilderungen und Einschätzungen unserer Partner machen aber auch deutlich, dass Doppelstandards in Fragen von Migration oder kriegerischen Konflikten das Vertrauen in die westlichen Werte von Demokratie und Freiheit unterhöhlen. Denn so sehr sich der Westen im Kampf gegen Putins Russland auf Werte beruft - im Süden unserer Erdkugel wird doch vieles skeptisch oder anders gesehen und zum Teil gar von „Heuchelei“ des Westens gesprochen.
 
Die unterschiedliche Bewertung von völkerrechtswidrigen Kriegen unter Verantwortung des Westens und seiner Verbündeten und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Zerwürfnisse in Nordafrika und Vorderasien/Nahost, die als rassistisch empfundene Flüchtlingspolitik in Europa, die Unterstützung von undemokratischen Ländern und korrupten Eliten zur Ausbeutung der Rohstoffe von Ländern des Südens, die fehlende Solidarität bei der Verteilung von Corona-Impfstoffen, die Weigerung, sich der von den Industrieländern verursachten Klimakatastrophe ernsthaft entgegenzustellen, sind nur einige Beispiele für Schieflagen, die Vertrauen erodieren lassen.

 

Als Teil des BER fordert auch die ASW: Keine Militarisierung, sondern Globale Solidarität!

Die Position des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlages (BER) zum Ukrainekrieg