Aufmerksam und kämpferisch – brasilianische ASW-Partner in der Coronakrise

30.03.2020

Während Brasiliens Präsident Bolsonaro die Coronapandemie als harmlose Grippe einstuft, die nur älteren Menschen etwas antun könne, fürchtet er, dass die auf Ebene der Bundesstaaten angeordneten Schutzmaßnahmen Brasiliens Wirtschaft in Gefahr bringen. Aber die Menschen in Brasilien nehmen diese sehr ernst. So wird Corona eine politische Herausforderung in dem ohnehin schon krisengebeutelten Land. Wir haben im Folgenden einige Stellungnahmen von ASW-Partnern zu ihrer Arbeit in der Krise zusammengestellt.

„Ausgesetzt, aber nicht abgesagt“, ist der Tenor unserer brasilianischen Partnerorganisationen zum aktuellen Stand der Projektumsetzung. An Stelle der ausgesetzten Aktivitäten wird die Kommunikation intensiviert.
„Die Koordination des Mãe D'água-Projekts hält den täglichen Kontakt mit den Führern der Gebiete, in denen wir tätig sind, aufrecht“, schreibt uns Marquinho Mota von FAOR. „Auf diese Weise verfolgen wir den Alltag unserer Führungskräfte und machen uns mit ihrer Routine vertraut.“ Mit diesem Verfahren kann FAOR recht schnell erkennen, ob z.B. in eine Notfallmaßnahme erforderlich ist. „Wir halten den Kanal des Dialogs offen, warnen uns gegebenfalls gegenseitig und ergreifen gemeinsam die notwendigen Maßnahmen.“
 

„Zunächst einmal werden wir für unsere eigene Sicherheit sorgen“, schreiben uns Mitarbeiterinnen von MIQCB, der Bewegung der Babacu-Nussknackerinnen. „Aber gleichzeitig werden wir stark, aufmerksam und kämpferisch bleiben.“ Denn es sei wichtig, dass trotz der drastischen Veränderungen, die die Corona-Pandemie verursacht hat, die Aufmerksamkeit für gesellschaftliche Missstände erhalten bleibt. Das sind z.B. Menschenrechtsverletzungen, Nichteinhaltung von Gesetzen, mangelnde Unterstützungen für die Gemeinden usw. Wir müssen dafür sorgen, dass Behörden zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Frauenverein der indigenen Gemeinschaft der Munduruku Wakoborun sucht derweil nach Möglichkeiten, Informationen über die Pandemie in der Munduruku-Sprache an die Dörfer zu übermitteln.
Weil die Organisation weiß, wie gefährlich der Virus insbesondere für indigene Menschen ist und die Indigenenbehörde FUNAI nahezu ohne Finanzmittel und Ausrüstung ist, läuft gleichzeitig ein Antrag auf Unterstützung bei der Bundesstaatsanwaltschaft. „Wir haben diese dringend aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Übertragung des Coronavirus auf die Munduruku-Dörfer verhindert wird“, schreibt uns Leuza Cosme Kaba Munduruku, die Koordinatorin des Frauenvereins.

„Alle Aktivitäten wurden ausgesetzt. Wir werden die geplanten Aktivitäten umorganisieren“, schreibt uns Erlan Nadler von FAMCOS. „Ich wünsche allen in Deutschland Kraft, damit wir diesen Coronavirus so lange wie möglich bremsen können. Hier in Brasilien misst der wichtigste Vertreter des Staates (Bolsonaro) dem Fall leider nicht die gebührende Bedeutung bei. Aber die Bevölkerung, in ihrer großen Mehrheit, handelt vernünftig und verordnet sich z.B. häusliche Quarantäne.“